Die Schadstoffe wirken nach

Seit Jahren steht ein Haus an der Wilener Dorfstrasse leer und zerfällt zusehends. Anwohner stören sich am Anblick. Schadstoffmessungen des belasteten Untergrundes werden die Ruine aber noch lange Zeit erhalten.

Sven Kellenberger
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Das Gebäude ist zum Schutz der Passanten neu mit Gittern umstellt. (Bild: Sven Kellenberger)

Das Gebäude ist zum Schutz der Passanten neu mit Gittern umstellt. (Bild: Sven Kellenberger)

WILEN. In Wilen gibt es seit langem ein Problem. Ein Haus an der zentralen Dorfstrasse, das um 1900 erbaut wurde, zerfällt zusehends. Fenster sind eingeschlagen, und die Fassade bröckelt. Seit etwa 15 Jahren steht das Gebäude leer. Mittlerweile muss es sogar mit Gittern abgesperrt werden, da sich Teile der Fassade und Schindeln lösen. Eine Passantin meint, es sei eine Schande, man müsse dringend etwas tun. Sie steht mit ihrer Meinung nicht alleine.

Der Gemeinderat von Wilen sei ebenfalls der Meinung, dass etwas geschehen müsse, sagt Kurt Enderli, Gemeindeammann von Wilen. «Allerdings geht das nicht über den Kopf des Besitzers hinweg.» Solange dieser nicht beabsichtigt, etwas zu tun, bleibt es beim Status quo. Zurzeit gehört das Haus den Brüdern Oliver und Thomas Stalder. Sie haben das Haus im Jahr 2000 aus der Liquidation der Färberei, die das Haus zuvor besessen hatte, gekauft.

Der Boden ist belastet

Wie Thomas Stalder erzählt, wollten sie etwas mit dem Grundstück, zu dem auch noch ein Anbau gehört, machen und das bestehende Gebäude allenfalls sanieren. Beim Kauf meldete sich jedoch das Amt für Umwelt des Kantons Thurgau. Es müsse geprüft werden, ob und wie stark der Boden unter dem Gebäude, das schliesslich einmal eine Färberei und danach eine chemische Reinigung gewesen war, das Grundwasser verschmutze.

Die Untersuchung ergab eine Überschreitung der Grenzwerte. Das bedeutete, dass dieses Problem zuerst angegangen werden musste. Die Besitzer lokalisierten daraufhin die am meisten mit Schadstoff belastete Stelle und liessen das betroffene Material fachgerecht entsorgen. Jetzt müssen weitere Messungen vorgenommen werden, um zu überprüfen, ob die ergriffenen Massnahmen ausreichen.

Zurzeit befinden sich die Besitzer mit dem Amt für Umwelt im Dialog, wie die Messung ablaufen und wer die Kosten tragen soll. Denn ein solches Prüfungsverfahren muss über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden und kostet mehrere zehntausend Franken.

Ein Verkauf ist zurzeit schwierig

Thomas Stalder sagt dazu: «Als wir das Haus kauften, haben wir vermutet, dass der Boden belastet sein könnte, mit welchen Folgen, war jedoch nicht klar.» Die Frage, ob er und sein Bruder jemals versucht hätten, das Gebäude wieder zu verkaufen, verneint er. Es hätten sich allerdings Interessenten gemeldet, diese seien aber schnell wieder abgesprungen, wenn sie von der Problematik des belasteten Bodens erfahren hätten.

Pläne für die Zukunft existieren bereits. «Ich gehe davon aus, dass die Untersuchung des Bodens in etwa eineinhalb Jahren abgeschlossen sein wird. Dann können wir das Grundstück neu bewerten lassen und es allenfalls überbauen oder verkaufen», sagt Thomas Stalder.

Gesamtform erhaltenswert

Auch der Gemeinderat ist bemüht, etwas zu einer positiven Entwicklung beizusteuern. «Ich habe mich schon zweimal mit einem Besitzer und einem Verantwortlichen der Denkmalpflege getroffen und die Optionen besprochen», sagt Kurt Enderli. Zurzeit liegt der neue Richtplan zur Genehmigung bei der Regierung. Es sei vorgesehen, die Zone, in der das Haus steht, aufzuwerten.

Damit könnte dreistöckig gebaut werden. «So wird das Gelände interessanter für potenzielle Investoren. Diese Entwicklung wird allerdings eine Weile dauern. Ich erwarte deshalb in nächster Zeit noch keine Veränderung», sagt Enderli. Dass die Denkmalpflege am Ende allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung macht, muss nicht erwartet werden. Das Haus hat den Status «Gesamtform erhaltenswert», mit dem kein Schutz verbunden ist. Das Gebäude hat mit seiner markanten Fassadengliederung eine gewisse Bedeutung im Ortsbild, die aber mit dem 1965 erfolgten modernen Fabrikanbau stark abgewertet wurde.

«Das Haus war zwar mal schön, ist es jetzt jedoch infolge Verwahrlosung und Vernachlässigung leider nicht mehr. Es wird kaum mehr zu retten sein, aber wohl weniger aus denkmalpflegerischen Gründen als aufgrund der Altlastenproblematik», sagt der Verantwortliche beim Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau, Ruedi Elser.