DIE RUNDFAHRT AN DEN UNTERSEE UND ZURÜCK: Auf kleinen Höbeli durch die grosse Welt

333 Töfflifahrer nehmen 88 Kilometer unter die Räder. Am 10. Juni feiert der Land-Brand-Töffli-Run Premiere. Start und Ziel ist in der Kantonshauptstadt. Die Route führt an den Untersee – Motorenölwürste und selber genähte Startnummern inklusive.

Mathias Frei
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Nimmt schon ordentlich Fahrt auf: das vierköpfige Veranstalterteam des Land-Brand-Töffli-Run mit Manü Häni, Chris Rohner, Matthias Stillhard (auf dem Töffli) und Michael Rohner. (Bild: Andrea Stalder)

Nimmt schon ordentlich Fahrt auf: das vierköpfige Veranstalterteam des Land-Brand-Töffli-Run mit Manü Häni, Chris Rohner, Matthias Stillhard (auf dem Töffli) und Michael Rohner. (Bild: Andrea Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Grosse Freiheit, der Fahrtwind im Gesicht bei 30 Stundenkilometern, Easy-Riders mit einem Augenzwinkern: Das sind Töfflifahrer. Matthias Stillhards Teen­agerjahre liegen schon über ein Jahrzehnt zurück. Gleichwohl hat er daheim ein Höbeli stehen, ein Töffli, das mit gutem, alten Zwei-taktmost läuft. Der Frauenfelder hat vor vier Jahren den Töffliclub Motofuzzi mitgegründet.

Nun gehört er dem Veranstalterteam an, das am Samstag, 10. Juni, den ersten Land-Brand-Töffli-Run organisiert, die erste Thurgauer Töfflirundfahrt. Von Frauenfeld aus führt die 88 Kilometer lange Route über den Immenberg und Weinfelden an den Untersee. Zurück geht’s über das Seebachtal in die Kantonshauptstadt. Und bei seiner ersten Durchführung ist der Töffli-Run in Sachen Teilnehmer bereits einer der grössten in der Schweiz mit 333 Startplätzen.

Startplätze gingen weg wie warme Weggli

Stillhard wuchs auf dem Land auf. Den Hobel brauchte er, um in die Oberstufe zu kommen. Damals musste das Töffli einfach laufen. «Wenn man etwas älter ist, kann man es sich auch leisten, ein Töffli zu hegen und zu pflegen.» Im Motofuzzi-Club fährt man nicht 08/15. Man fährt spezielle Töffli aus den 1950ern oder 1960ern, an denen man selber werkt. Und im Winter lässt man das hochpolierte Töffli natürlich in der Garage stehen, wie bei Oldtimer-Autos. Stillhard stapfte also ohne fahrbaren Untersatz vor anderthalb Jahren mit seinem Kumpel Chris Rohner durch die verschneite Thurgauer Landschaft, als sie auf die Idee für den Töffli-Run kamen. «Wir dachten an eine Rundfahrt, welche die schönen Seiten des Thurgaus zeigen sollte, aber auch an einen stimmigen Event, der Nicht-Töfflifah­rern etwas bieten würde», erklärt Rohner. Der Land-Brand-Töffli-Run ward geboren.

Vergangenen Dezember gingen die ersten 111 Startplätze in den Vorverkauf – und waren innert weniger Tagen weg. Die dritte Tranche von 111 Tickets (à 35 Franken) war im Februar innerhalb von 25 Minuten weg. Ein Wahnsinn. Sie hätten noch viel mehr Startplätze verkaufen können, sagt Rohner. «Aber wir wollten die erste Ausgabe bewusst klein halten und so Erfahrungen sammeln.» Das bedeutet auch, dass es eine Wiederholung geben soll, wohl in zwei Jahren.

Massenstart und ohne Rangliste

Die Teilnehmer (ab 14 Jahren mit einem zugelassenen Töffli) kommen aus der ganzen Deutschschweiz, aus Süddeutschland und Österreich. Ihnen wird einiges geboten. Auf der Fahrt vorbei an Schlössern, Wiesen und Wäldern, durch die Frauenfelder Innenstadt und Rebberge, mit See- oder Alpsteinsicht gibt es einen Wursthalt und einen Apérohalt. Natürlich kann man auch überall sonst einkehren. Es gibt keine Rangliste. Die Veranstalter empfehlen aber, nach dem Massenstart um 11 Uhr spätestens um 18 Uhr wieder zurück in Frauenfeld zu sein, weil dann das Abendprogramm beginnt. Auf Details wird viel Wert gelegt. So sind zum Beispiel die Würste selbergemacht und schwarz wie Motorenöl. Die Startnummern haben die Mütter und Grossmütter der vier Veranstalter genäht. Und auf dem Festplatz gibt es sogar eine Drive-In-Töfflibar. «So kann man den ganzen Tag im Sattel bleiben», meint Rohner.

An das Töffli aus der Jugendzeit erinnere man sich gerne zurück. «Und irgendwie passt diese entschleunigte Fortbewegungsart gut in die heutige schnelllebige Zeit», sagt Stillhard.

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