Die Ruhe vor dem Sumpf

Es ist Donnerstag, 15 Uhr. In zwei Stunden stürmen die ersten Besucher das Festivalgelände des St. Galler OpenAir. Noch sind nur die Helfer zugelassen, sogar die VIPs müssen anstehen – und warten. Am Eingang wird jede Person kontrolliert, die das Eintrittstor durchschreitet.

Michel Burtscher/Tim Naef
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Letzte Vorbereitungen: Die Dekoration wird angebracht. (Bild: Benjamin Manser)

Letzte Vorbereitungen: Die Dekoration wird angebracht. (Bild: Benjamin Manser)

Es ist Donnerstag, 15 Uhr. In zwei Stunden stürmen die ersten Besucher das Festivalgelände des St. Galler OpenAir. Noch sind nur die Helfer zugelassen, sogar die VIPs müssen anstehen – und warten. Am Eingang wird jede Person kontrolliert, die das Eintrittstor durchschreitet. So, dass kein Unbefugter vor dem offiziellen Start aufs Gelände gelangt. Im Sittertobel zeigt sich währenddessen ein ungewohntes Bild: Was für den OpenAir-Besucher in den vergangenen Jahren vor der Bühne ein brauner See war, ist momentan noch eine grüne Wiese. Und wo man normalerweise nur im Schritttempo vorankommt, herrscht noch gähnende Leere.

Keine Verpflegung vor 17 Uhr

Und doch: Obwohl es erst in zwei Stunden losgeht, schallt bereits Musik durch das Tobel. Nachwuchsmusiker aus der Ostschweiz machen gerade den Soundcheck auf der Startrampe. Wenige Stunden später werden dort vier Bands ihren grossen Auftritt haben, bevor die Bühne vor dem nächsten Morgen bereits wieder abgebaut wird. Auf der Sitterbühne werden hingegen noch die letzten Kabel verlegt, und es wird an der Lichtanlage herumgeschraubt. Ab heute spielen auf dieser Bühne Stars wie Placebo, die Chemical Brothers und Paolo Nutini.

An den Verpflegungsständen riecht es bereits nach Essen. Dennoch werden die Hungrigen vertröstet. Eigentlich sei sein Stand bereits fertig eingerichtet, sagt ein Standbetreiber. Essen gebe es aber erst, wenn die Besucher aufs Gelände gelassen werden. Dies sei eine Weisung von oben. Doch nicht alle Standbetreiber halten sich daran: Ab und an sieht man Menschen mit Bechern voller Bier oder mit Prosecco-Gläschen herumstehen.

An gewissen Verpflegungsständen ist man aber noch nicht bereit. Es werden noch die letzten Dekorationen angebracht. Und so wird man auch hier vertröstet: Essen gibt es erst ab 17 Uhr. In der Chesterfield-Lounge erfährt der Beobachter dann, was Arbeitsteilung im Sittertobel bedeutet: Während einzelne Helfer der Lounge den letzten Schliff verpassen, spielen die anderen eine Partie Tischfussball. Stören tut dies scheinbar niemanden. Und dann: Wohl das erste Opfer der Sonne – oder war es vielleicht doch schon etwas zu viel Bier? Während die anderen der Türöffnung entgegenfiebern, hat sich ein junger Mann unter einen Tisch zurückgezogen. Schatten tut wohl in beiden Fällen gut. Der mögliche Grund für den Zustand des jungen Mannes ist dann schnell gefunden. Nicht allzu fern wird bereits Bier ausgeschenkt.

Prominenz im Tobel

Ungewohnt auch der Anblick bei den Toiletten: Keine Menschen warten davor. Und ein Blick ins Innere zeigt, dass sie auch noch sauber sind. So sauber, dass man sie sogar der Prominenz zeigen könnte. Und die ist auch schon im Sittertobel anzutreffen. Zwar keine Rockstars, dafür der St. Galler Regierungsrat Fredy Fässler. Mit einer Entourage sieht er auf dem Gelände nach dem Rechten. Das dürfte ein gutes Omen für die Sicherheit am diesjährigen OpenAir sein – immerhin ist Fässler der kantonale Justiz- und Polizeichef. Jetzt muss nur noch das Wetter schön und trocken bleiben. Denn Schlamm hatte es in den vergangenen Jahren genug.

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