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Die Risiken der Risikomanagerin

Das Internetportal Inside Paradeplatz stellt das Doppelmandat Susanne Brandenbergers bei der EFG-Bank und der Thurgauer Kantonalbank in Frage. Die beiden Banken könnten sich bei der Privatkundschaft in die Quere kommen.
Thomas Wunderlin

FRAUENFELD. Bei der Überprüfung der Eigentümerstrategie der Thurgauer Kantonalbank (TKB) hat der Regierungsrat erstmals Anforderungen an den Bankrat als ganzes Gremium gestellt. «Der Bankrat ist so zu besetzen, dass die entsprechenden Kompetenzen möglichst gut vertreten sind», erklärte er in der letzte Woche veröffentlichten Botschaft an den Grossen Rat. Bisher gab es nur ein Anforderungsprofil an die einzelnen Mitglieder. Dieses bleibt im Wesentlichen unverändert. Insbesondere bestätigt der Regierungsrat, dass «keine Interessenkonflikte» vorliegen dürfen. Dieses Kriterium gibt zur Zeit bei Susanne Brandenberger zu reden, die vom Regierungsrat als Bankrätin vorgeschlagen worden ist; der Grosse Rat wird ihre Wahl im Mai traktandieren. Genau genommen dürfte es sich um den einzigen Schwachpunkt ihrer Kandidatur handeln.

Thurgauer Dialekt

Die Risikospezialistin mit Jahrgang 1967 hat die Grossratsfraktionen von ihren fachlichen Qualitäten überzeugen können. Positiv vermerkt wurde bei den Hearings der Thurgauer Dialekt der gebürtigen Frauenfelderin. Gemäss dem Internetportal Inside Paradeplatz könnte sie jedoch «schneller in einen Interessenkonflikt geraten, als die Verantwortlichen derzeit wahrhaben wollen». Während der zweite TKB-Bankratskandidat Roman Giuliani den Bankrat der Raiffeisenbank Untersee-Rhein verlassen muss, darf Brandenberger im Verwaltungsrat der EFG-Bank bleiben. Mit der EFG gebe es keine Berührungspunkte, wird TKB-Bankratspräsident René Bock zitiert. «Mit der Raiffeisen ist das anders, da konkurrenzieren wir uns direkt.»

Unter kritischer Beobachtung der Analysten ist die griechisch kontrollierte EFG (European Financial Group) dabei, die Banca della Svizzera Italiana (BSI) zu übernehmen. Dadurch entstünde die fünftgrösste Schweizer Privatbank. Laut Inside Paradeplatz, das Quellen in der Zürcher Bankenszene abschöpft, wollen TKB wie EFG Private Banking betreiben. Sie könnten sich um die vielen Wohlhabenden in der Ostschweiz und am Bodensee streiten. In der SVP-Fraktion wurde auch die Sorge geäussert, die EFG-Verwaltungsrätin könne ein Reputationsrisiko darstellen. Denn die EFG hat laut Inside Paradeplatz erhebliche Klumpenrisiken in der Bilanz, nämlich eine halbe Milliarde Dollar in US-Lebensversicherungen. «Die Policen stammen von US-Bürgern, die ihre Versicherungen vorzeitig Zwischenhändlern verkauften, um Kasse zu machen.» Die Händler hätten die Lebensversicherungen gebündelt und institutionellen Anlegern wie der EFG verkauft. Da sich die Lebenserwartung in den USA drastisch erhöht habe, würden sich nun die Prämienzahlung der EFG entsprechend verlängern. Die EFG habe in den USA auch eine Millionenbusse kassiert. In manchen Fällen seien die Endbegünstigten der Lebensversicherungen über Scheinfirmen vertuscht worden.

Interessenkonflikt und Reputationsrisiko seien im Evaluationsprozess «eingehend diskutiert» worden, erklärt Finanzdirektor Jakob Stark. Er verweist auf den Bericht von Fredy Hausammann, Leiter des Personalberatungs-Unternehmens Amrop Executive Search AG Schweiz. Dieser kam zum Schluss: «Es besteht kein Interessenkonflikt, da sich die Marktgebiete der beiden Banken in keiner Weise überschneiden.» Es bestehe nur ein «normales/durchschnittliches Reputationsrisiko, wie dies bei international tätigen Privatbanken im aktuellen Zustand der Branche üblich ist.» Es sei sehr unwahrscheinlich, dass «allfällige Turbulenzen bei EFG/BSI negativ auf die Person von Susanne Brandenberger ausstrahlen» würden.

Allenfalls in Ausstand treten

Die EFG sei vorwiegend international «ohne Fokus auf den Thurgau» tätig, die TKB im Thurgau, sagt Susanne Brandenberger. Einen Interessenkonflikt bezeichnet sie als «sehr unwahrscheinlich, aber wie für jedes Verwaltungsratsmandat nicht ausgeschlossen». Andernfalls würde sie wie jeder andere Verwaltungsrat auch in den Ausstand treten. Die Finma verlange, dass jede Bank klare Regeln für solche Fälle habe. «Interessenkonflikte kann es immer geben, auch wenn ein Verwaltungsrat nicht ein weiteres Bankenmandat ausübt, sondern beispielsweise als Rechtsanwalt oder in einem Industrieunternehmen tätig ist.» Vollkommen ausgeschlossen seien sie nur, wenn ausser dem einen Mandat keinerlei andere berufliche Aktivitäten und Hobbies ausgeübt würden. Auch der EFG-Verwaltungsrat hat laut Brandenberger seitens der EFG geprüft, ob ihr Einsitz in der TKB einen Interessenkonflikt mit der EFG bedeute: «Das wurde klar verneint.»

Weder Regierung noch Bankrat sähen einen Interessenkonflikt, erklärt TKB-Kommunikationsleiterin Anita Schweizer, «da sich der Kundenkreis, das Geschäftsmodell und das Marktgebiet der beiden Banken deutlich unterscheiden und es sich weder bei der EFG noch bei der TKB um eine operative Funktion handelt». Diese Haltung decke sich mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht, «die im Evaluationsprozess ebenfalls begrüsst worden ist und welche die Angaben zu den Kandidaten geprüft hat».

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