Die Reformierten feiern die Parität

Der evangelische Thurgauer Kirchenrat ruft die Kirchgemeinden erneut dazu auf, am Bettag die Kirchtürme zu beflaggen. Letztes Jahr feierten die Reformierten damit 300 Jahre Gleichberechtigung.

Thomas Wunderlin
Merken
Drucken
Teilen
Die reformierte Kirche von Amriswil am 1. August 2005. (Archivbild: Nana do Carmo)

Die reformierte Kirche von Amriswil am 1. August 2005. (Archivbild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. An zahlreichen Thurgauer Kirchtürmen wehten am Bettag 2012 eine Schweizer und eine Thurgauer Fahne. Die Kirchenräte der Evangelischen und der Katholischen Thurgauer Landeskirchen hatten dazu aufgerufen. «Etwa jede zweite Kirchgemeinde machte mit», sagt der Aktuar des evangelischen Kirchenrats, Ernst Ritzi. Für den diesjährigen Bettag am 15. September ruft der evangelische Kirchenrat erneut zur Beflaggung auf. «Wir fanden, es sei eine gute Sache, das jedes Jahr zu machen», sagt Ritzi. Zuvor hatten die evangelischen Kirchen nur am ersten August die Fahnen in den Wind gehängt.

Gleiche Rechte

2012 feierten die Thurgauer Reformierten, dass sie seit 300 Jahren mit den Katholiken gleichberechtigt sind. Im Landfrieden nach der Schlacht von Villmergen 1712 erreichten sie in der Gemeinen Herrschaft Thurgau die Parität – «den Anfang des gleichberechtigten Nebeneinanders», wie es Ritzi formuliert. Vorher seien die Katholiken im Vorteil gewesen. Heute habe der Bettag die Bedeutung, dass die beiden Kirchen vieles miteinander machen, sagt Ritzi. «Die Kirchen übernehmen auch staatliche Aufgaben.»

Kirchenratspräsident Wilfried Bührer findet den Bettag geeignet dafür, die Schweizer und die Thurgauer Fahne zu hissen, da er «an der Schnittstelle zwischen Staat und Kirche» liege. Der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag ist vom Bund im 19. Jahrhundert eingeführt worden. Für die Reformierten ist er traditionell ein Anlass, ein Bettagsmandat herauszugeben. Zum diesjährigen Bettag hat der evangelische Kirchenrat eine Ansprache herausgegeben, die in den Kirchen verlesen werden soll. Darin äussert er sich besorgt darüber, dass die Sonntagsruhe an Bedeutung zu verlieren scheint, obwohl sie gesetzlich geschützt ist.

Versammlung in Bern

Auch auf schweizerischer Ebene gibt es einen Versuch, dem Bettag mehr Bedeutung zu verleihen. Am Samstag, 14. September, veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen der Schweiz eine nationale Versammlung Schanze in Bern. Die Thurgauer Katholiken hätten ihre Kirchen am Bettag schon immer beflaggt, sagt der Vizepräsident des katholischen Kirchenrats, Domherr Theo Scherrer. Letztes Jahr hätten sie nur erstmals einen gemeinsamen Aufruf mit den Reformierten herausgegeben.