Die pure Freude am Singen

FRAUENFELD. Die Frauenfelderin Ruth Felix veröffentlicht Anfang April ihre zweite CD als Jodlerin. Mit einer Duettpartnerin singt sie Auftragswerke aus der Feder bekannter volkstümlicher Komponisten.

Stefan Hilzinger
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Ruth Felix in ihrem Haus in Frauenfeld, wo sie seit gut zehn Jahren lebt. (Bild: Stefan Beusch)

Ruth Felix in ihrem Haus in Frauenfeld, wo sie seit gut zehn Jahren lebt. (Bild: Stefan Beusch)

Das romantische Häuschen liegt unter einer Schneehaube, um das Grundstück läuft eine reichverzierte, schmiedeiserne Umzäunung. Im Innern des gut hundertjährigen Hauses an der Broteggstrasse 13 in Frauenfeld dominiert sehr viel Massivholz, alles wirkt währschaft und rustikal. So bodenständig und urgemütlich stellt man sich das Heim einer Jodlerin gern vor.

Doch der Kontrast könnte nicht grösser sein: Ruth Felix führt den Besucher durch eine Tür neben der Küche in ihr persönliches Reich. Wände, Boden, Decke, Möbel: alles strahlt im hellsten Weiss. Ein Keyboard ist da, Schachteln mit CDs stehen herum, und ein Gestell ist mit Fanartikeln bestückt. «Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal eigene Autogrammkarten drucken lassen werde», sagt Ruth Felix.

Stellenprozente gesenkt

Doch im vergangenen Jahr war es so weit. Jodlerin Ruth Felix ist gefragt in der Szene. Aus den 20 Auftritten im Jahr 2010 wurden fast 60 im vergangenen Jahr, und Anfang April stellt sie ihre zweite CD vor. Es läuft so gut, dass Ruth Felix ihr Pensum beim Kantonsspital Frauenfeld auf Anfang Jahr senken konnte. Sie ist dort in einer 60-Prozent-Anstellung als Wund-expertin tätig.

Ihr Hobby hat die Bauerntochter aus Erlen mit Jahrgang 1971 früh entdeckt. Im Elternhaus wurde Volksmusik grossgeschrieben. Ein Bekannter gab ihr erste Stunden, später trat sie dem Jodlerclub Romanshorn bei, wo sie bis ins Jahr 2000 aktives Mitglied war. Es folgten erste Soloprojekte.

Nicht nur heile Welt

Das aktuelle Album trägt den Titel «Liecht und Schatte». Ruth Felix und Duettpartnerin Katrin Breitenmoser tragen ausschliesslich Auftragswerke vor. Diese stammen aus der Feder von so bekannten volkstümlichen Komponisten wie Willi Valotti, Franz Stadelmann oder Marie-Theres von Gunten. Die Stücke tragen Titel wie «S'het alles si Sinn» oder auch «Kleiner Engel». Ruth Felix und Karin Breitenmoser wollen nicht nur die heile Welt besingen, wie es sonst in der Sparte häufig der Fall ist. «<Liecht und Schatte>, der Titel der CD, nimmt auf einen schweren, persönlichen Schicksalsschlag meiner Duettpartnerin Bezug», erklärt Felix.

Prominenter Mentor

Die neue Scheibe hat Alex Eugster in seinem Studio in Dübendorf aufgenommen. Der mittlere Bruder des Trio Eugster hat Felix schon bei der Produktion der ersten CD «äs Hämpfeli Heimat» unterstützt. Bei Alex Eugster schult Ruth Felix auch ihre Stimme. «Stimmbildung ist sehr wichtig», sagt die Jodlerin.

Stilistisch will sich Felix nicht festlegen. «Ich liebe die Abwechslung», sagt sie. So hat sie für die neuen Aufnahmen auch ihre Klarinette wieder hervorgeholt. Sie begleitet Katrin Breitenmoser bei ihren Sololiedern, schätzt es zudem, mit vielen verschiedenen Instrumentalisten auftreten zu können, so beispielsweise auch schon mit Hackbrett oder Cello.

Ein professionelles Hobby

Obwohl Felix im vergangenen Jahr gegen 60 Auftritte absolvierte, strebt sie nun aber nicht an, dieses Jahr 80- oder 100mal vor Publikum zu singen. Jodeln soll für sie ein quasi professionelles Hobby bleiben. Sie managt sich selbst und freut sich, ihre eigene Herrin und Meisterin zu sein. «Singen fasziniert mich, weil ich dadurch Freude empfinde und einfach glücklich bin», sagt Felix. Das soll weiterhin so bleiben, ohne allzu grossen kommerziellen Druck.

Dennoch ist sie mit hohem Anspruch bei der Sache. «Wo soll ich noch etwas verbessern oder etwas ändern?», fragt sie sich jeweils. Daher ist es Ruth Felix grösste Freude, dass sie an Jodlerfesten schon mehrmals mit der Note «sehr gut» bewertet wurde.