Die Polizisten in der Reuse

Vor acht Jahren hat die Stadt Wil im Stadtweier Edelkrebse ansiedeln lassen. Mittlerweile zählt der Bestand mehrere tausend Tiere. Die Stadt hat kürzlich eine Bewilligung zum Fang der sogenannten «Gesundheitspolizisten» erhalten.

Ursula Ammann
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Krebs, Kamberkrebs, Flusskrebs, amerikanischer Kamberkrebs (Orconectes limosus), Tier, Natur, Gliederfuessler, Frischwasser, Suesswasser, Allesfresser, verwertet alles organische Material in einem Gewaesser, eher kleiner Krebs, (Bild: Daniel Hubacher (Daniel Hubacher))

Krebs, Kamberkrebs, Flusskrebs, amerikanischer Kamberkrebs (Orconectes limosus), Tier, Natur, Gliederfuessler, Frischwasser, Suesswasser, Allesfresser, verwertet alles organische Material in einem Gewaesser, eher kleiner Krebs, (Bild: Daniel Hubacher (Daniel Hubacher))

«Hier verkriechen sich die Krebse am liebsten», erklärt Guido Bundi: Der Aufseher der Jugendfischerei zeigt auf die unter dem Wasser durchschimmernden Steine und Wurzeln am Ufer des Stadtweiers. Im Oktober 2004 wurde der Weier mit 100 Edelkrebsen (50 Weibchen und 50 Männchen) besetzt. Heute, nach acht Jahren, könne der Bestand auf mehrere tausend Tiere geschätzt werden, sagt Guido Bundi.

Scheren zählen

Mitte August setzte die Stadt unter anderem im Beisein des kantonalen Fischereiaufsehers ein paar Reusen, worin sich am Tag darauf 148 Krebse tummelten. Diese wurden auf ihren gesundheitlichen Zustand überprüft: auf Krankheiten wie die Krebspest beispielsweise oder auf fehlende Gliedmassen. «Es ist völlig normal, dass der Krebs im Laufe seines Lebens einmal eine Schere oder eine Antenne verliert», erklärt Guido Bundi. «Aber nur wenn sie wieder nachwächst, ist das Tier auch gesund.» Auch die Grösse, das Geschlecht und die Fangstellen wurden am besagten Tag registriert. Ein Teil der Krebse wurde dem Fischereiaufseher übergeben, welcher sie in einem anderen Gewässer ansiedelte. Kleine bis mittelgrosse Tiere fanden den Weg zurück in den Weier.

Nur für private Teller

Der gesundheitliche Zustand aber auch die stattliche Anzahl der gefangenen Edelkrebse – letztere lässt auf den Gesamtbestand rückschliessen – wurde vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei positiv bewertet. Deshalb ist die Stadt Wil nun seit kurzem im Besitz einer «Bewilligung zum Fangen von Krebsen». Doch was passiert mit den Edelkrebsen nach dem Fang? Ein Leitfaden, den das Departement für Bau, Umwelt und Verkehr zusammen mit Guido Bundi kürzlich ausgearbeitet hat, bestimmt die Regeln: Der Fang darf nur ausserhalb der zehnmonatigen Schonzeit und nur im Beisein des Aufsehers (Guido Bundi) oder dessen Stellvertreter erfolgen.

Bei jedem Krebs werden das Fangdatum, das Geschlecht, allfällige Verletzungen und die Grösse registriert. Edelkrebse, die weniger als zwölf Zentimeter messen, müssen zurück ins Wasser. Die anderen dürfen theoretisch auf dem Teller landen. Allerdings nicht in Restaurants, sondern nur in Privathaushalten, sprich in Elternhäusern der Jungfischer, wie Guido Bundi sagt. Max Forster vom städtischen Departement für Bau, Umwelt und Verkehr erklärt, dass sich die Eltern bei Interesse anmelden müssen. «Zuerst müssen diese Eltern aber einen Kurs besuchen, wo ihnen der fachgerechte Umgang mit den Tieren näher gebracht wird», betont Forster. Die Weitervergabe oder der Weiterverkauf an Dritte sei strengstens untersagt, zitiert er aus dem Leitfaden.

Etabliert im Stadtweier

Mit einer grossen Nachfrage nach den Krebsen zu Speisezwecken rechnet Max Forster aber ohnehin nicht. Es habe auch nicht Priorität, diese zu «verwenden». «Das Wichtigste ist, zu sehen, dass sich der Edelkrebs im Stadtweiher etabliert hat und sich hier wohl fühlt», fügt Forster an.

www.jugendfischerei.ch

Jugendfischerei-Aufseher Guido Bundi beobachtet das zögerlichen Zugreifen von Max Forster, Departement Umwelt Stadt Wil. Dahinter: Der Stadtweier – darin leben Krebse. (Bilder: pd/Daniel Hubacher)

Jugendfischerei-Aufseher Guido Bundi beobachtet das zögerlichen Zugreifen von Max Forster, Departement Umwelt Stadt Wil. Dahinter: Der Stadtweier – darin leben Krebse. (Bilder: pd/Daniel Hubacher)