Die Polizei sammelt Waffen ein

FRAUENFELD. Der Bund schlägt vor, dass alle nicht registrierten Waffen innerhalb eines Jahres gemeldet werden müssen. Das wäre ein grosser Aufwand, fürchtet der Thurgauer Regierungsrat. Er setzt auf eine weitere Waffensammelaktion.

Christof Widmer
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In der letzten Einsammelaktion – hier in Münchwilen – nahmen Experten der Kantonspolizei Thurgau Hunderte Karabiner entgegen. (Bild: Donato Caspari)

In der letzten Einsammelaktion – hier in Münchwilen – nahmen Experten der Kantonspolizei Thurgau Hunderte Karabiner entgegen. (Bild: Donato Caspari)

Wer zu Hause einen alten Karabiner liegen hat, den er nicht mehr braucht, kann ihn im Oktober der Kantonspolizei Thurgau übergeben. An drei Tagen nehmen ihre Experten Waffen, Munition und Sprengstoff entgegen, um sie anschliessend zu vernichten. «Jede Waffe stellt ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar», sagt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling. Wenn Waffen aller Art aus dem Verkehr gezogen werden, trage das zur Sicherheit im Kanton bei. Die Kantonspolizei Thurgau will darum der Bevölkerung die Möglichkeit geben, Waffen unbürokratisch abzugeben.

Mit der Aktion im Oktober knüpft die Kantonspolizei an die erfolgreiche Waffenabgabe vor vier Jahren an. Bei der ersten Sammelaktion gab die Bevölkerung 15 000 Waffen und Zubehör, 67 000 Schuss Munition und 80 Kilogramm Sprengstoff ab. Häufig waren es alte Karabiner oder Sturmgewehre 57, vom Vater geerbt oder selber nach dem Militärdienst behalten. Wer keinen Bezug mehr hat zur Waffe oder sich mit dem Gewehr im Haus unwohl fühlt, nahm die Gelegenheit war, sich davon zu trennen.

Ausschau nach Raritäten

Weil unter den Waffen auch Raritäten sein können, hielt bei der letzten Aktion ein Experte des Historischen Museums ein Auge auf die eingesammelten Stücke. Ob auch diesmal ein solcher Spezialist teilnehmen wird, sei noch offen, sagt Polizeisprecher Andy Theler.

Die Sammelaktion steht auch vor dem Hintergrund der Diskussionen über ein strengeres Waffenrecht. Der Bund schlägt unter anderem vor, dass alle Waffen zwingend registriert werden müssen. Das wäre an sich nach dem heutigen Gesetz schon so. Allerdings gibt es bisher keine Strafe für Leute, die auf ihrem Schlafzimmerschrank einen Karabiner liegen haben, der nicht im kantonalen Waffenregister verzeichnet ist.

210 000 Waffen nicht gemeldet?

Der Bund will mit einer Gesetzesänderung erreichen, dass alle bisher nicht registrierten Waffen innerhalb eines Jahres gemeldet werden müssen. Wer das unterlässt, würde sich strafbar machen. Gegen diese Nachregistrierungspflicht wehrt sich der Thurgauer Regierungsrat aber in seiner Vernehmlassungsantwort.

Zurzeit sind im Thurgau 30 000 Waffen registriert. Der Regierungsrat geht davon aus, dass in Thurgauer Haushaltungen nochmals bis zu 210 000 Waffen lagern, die noch nicht gemeldet sind. Wenn diese alle innerhalb eines Jahres registriert werden, müsste die kantonale Fachstelle erheblich aufgestockt werden, schreibt der Regierungsrat dem Bund. Weil der Regierungsrat gegen die Nachmeldepflicht ist, ist er auch gegen die damit verbundene Strafnorm.

«Es ist kaum davon auszugehen, dass alle Waffenbesitzer ihre Waffen wegen Androhung einer Busse registrieren lassen würden – erst recht nicht Waffenbesitzer, die kriminelle Absichten haben», sagt Regierungsrat Graf-Schelling. Sollte aber die Nachregistrierung doch kommen, wäre es für die Kantonspolizei eine Entlastung, wenn die Bevölkerung jetzt nutzlose Waffen abgeben würde.

Waffenabgabe von 9 bis 13 Uhr: Samstag, 5. Oktober: Feuerwehrdepot Amriswil; Samstag, 12. Oktober: Feuerwehrdepot Ost, Kreuzlingen; Samstag, 19. Oktober: Polizeikommando Frauenfeld.