Die Police für «Marta» und «Heidi»

Ostschweizer Bauern sichern sich gegen Risiken ab – neben der obligatorischen Seuchenversicherung gibt es auch Deckungen gegen Unfall, Blitz- oder Steinschlag bei Tieren. In Zuzwil wurde kürzlich eine Kuh angefahren.

Samuel Koch
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Nicht jede Kuh in der Ostschweiz ist von ihrem Besitzer zusätzlich zur obligatorischen Tierseuchenkasse für Schäden versichert. (Bild: Benjamin Manser)

Nicht jede Kuh in der Ostschweiz ist von ihrem Besitzer zusätzlich zur obligatorischen Tierseuchenkasse für Schäden versichert. (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. Im Herbst fallen nicht nur die Blätter von den Bäumen, es ist auch die Zeit des Alpabzuges der Nutztiere. Dabei ereignen sich hie und da Schäden wie ein abgeknickter Seitenspiegel oder zerkratzter Autolack.

Nutztiere sind aber nicht nur Verursacher, sondern ab und zu auch Opfer. Eine 19jährige Autofahrerin hat vor kurzem bei einem Unfall in Zuzwil zwei Kühe angefahren. Daraufhin musste eine der beiden vom Tierarzt eingeschläfert werden. Für Besitzer Christof Karrer ein finanzieller Verlust, hätte er seine Tiere nicht speziell auf Unfall versichern lassen.

Welche Tiere sind versichert?

In der Ostschweiz leben gemäss aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik fast 250 000 Rinder, über 400 000 Schweine und über 6000 Pferde auf landwirtschaftlichen Betrieben. Wie viele davon versichert sind, ist nicht bekannt. Die Gesellschaft Schweizer Tierärzte (GST) erachtet eine Tierversicherung jedoch als «wichtig und sinnvoll». Allerdings werden nicht nur Nutztiere versichert, auch das Risiko von Ostschweizer Haustieren wird gedeckt – die Tendenz ist steigend.

Welche Leistung gibt es?

Bei versicherten Nutztieren wird zwischen der Tierseuchenkasse und diversen Zusatzversicherungen differenziert. Erstere funktioniert als gesamtschweizerischer Topf, in den jeder Landwirt für sein Nutztier einen obligatorischen Betrag einzahlen muss. «Die Prämien variieren je nach Art, Alter und Grösse des Tieres», sagt Eugen Fauquex, Leiter Tierschutz beim Veterinäramt des Kantons St. Gallen. Bei allfälligen Notschlachtungen aufgrund von Seuchen wie der Maul- und Klauenseuche erhält der Besitzer Ersatzzahlungen aus dem Topf. «Dafür gibt es einen gesetzlichen Schlüssel», sagt Fauquex.

Welche Schäden gelten?

Im Falle der angefahrenen Kuh in Zuzwil kann Besitzer Christof Karrer mit Hilfe des Unfallrapportes Geld bei der Haftpflichtversicherung der Verursacherin geltend machen. «Insgesamt beläuft sich der Schaden meiner angefahrenen Kuh auf rund 4000 Franken», sagt er. Er liess seine Herde wegen der exponierten Stelle nahe der Strasse bei der Axa-Versicherung gegen Unfall versichern. Dabei kommt das Tier sowohl als Opfer als auch als Verursacher in Frage. «Es ist immer möglich, dass eine Kuh auf die Strasse springt», sagt Christof Karrer. Pro Tier bezahlt er jährlich 75 Franken.

Welche Leistung wird gedeckt?

Für andere Schäden ohne Fremdeinwirkung wie Steinschläge, Feuer oder Blitzeinschläge können Zusatzversicherungen abgeschlossen werden. «Jedem Bauern ist freigestellt, gegen was er seine Tiere versichern lassen möchte», sagt Thomas Gschwend von der Versicherungsgenossenschaft Waldkirch. Laut Gschwend sollten gerade Alptiere eher gegen Steinschläge oder Blitzeinschläge, andere eher gegen Feuer oder Unfall gedeckt werden. «Die Bauern machen eine klassische Risikoabwägung», sagt Gschwend. Vielerorts bedeute ein Nutztier heutzutage eine echte Investition. Zudem sei manch ein Bauer so emotional mit seinem Paarhufer verbunden wie mit seinem Haustier. Es sei also mehr als nur ein Nutztier.

Welche Schäden entstehen?

Für Christof Karrer aus Zuzwil lohnt sich das Versichern seiner Tiere. Er schicke sie für die Sömmerung auf die Alp. «Bereits dreimal ist einer meiner Kühe ohne Fremdeinwirkung etwas zugestossen», sagt er. Neben dem angefahrenen Tier brach sich eine auf der Weide ein Bein, eine andere starb wegen Völlniss, einer Gasbildung im Magen der Kuh, die tödlich sein kann.

Welche Besonderheit gibt es?

Übrigens: Sollte sich ein Tier wie dasjenige von Landwirt Karrer auf der Alp das Bein brechen und der Versicherungsnehmer mit seiner Familie Mitglied bei der Rega sein, wird das Tier bei Bedarf mit dem Helikopter abtransportiert. Trotzdem schreibt die Rega: «Ein Rega-Einsatz gilt grundsätzlich für Notfälle mit Menschen.»