«Die Plastikforschung ist derzeit ein <Hot Spot>»

Herr Brinker, die Fischerei-Forschungsstelle erforscht die Belastung von Fischen im Bodensee mit Mikroplastik. Gibt es Grund zur Sorge?

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Alexander Brinker Leiter der Fischerei-Forschungsstelle Langenargen

Alexander Brinker Leiter der Fischerei-Forschungsstelle Langenargen

Herr Brinker, die Fischerei-Forschungsstelle erforscht die Belastung von Fischen im Bodensee mit Mikroplastik. Gibt es Grund zur Sorge?

Wir untersuchen die Fischbestände im und um den Bodensee schon seit Jahrzehnten. Bisher hatten wir nie den Eindruck, dass die Aufnahme von Plastik bei den Fischen offensichtlich zu Schäden wie Deformationen oder verstopften Mägen geführt hätte.

Wozu dann Ihr aktuelles Forschungsprojekt?

Plastik ist derzeit gesellschaftlich und ökologisch ein «Hot Spot». Wissenschaftlich wird die Bedeutung von Plastik im Süsswasser aber erst seit einigen Jahren erforscht. Unser aktuelles Projekt soll helfen, die Wissenslücken auf diesem Gebiet zu schliessen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Als erstes identifizieren wir die wichtigsten aus den insgesamt 200 Plastikarten. Danach setzen wir Fische unterschiedlich hohen Konzentrationen von genau diesem Plastik aus und beobachten, ob und wie sie darauf reagieren. Gemeinsam mit Materialforschern haben wir bereits eine Methode entwickelt, um den Mageninhalt von Fischen auf Plastik zu analysieren. Die Untersuchungen von freilebenden Fischen führen wir grösstenteils im Bodensee durch.

Wo sehen Sie Lösungen für die Plastikbelastung in der Umwelt?

Die Bevölkerung in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist schon sehr sensibilisiert auf die Abfallproblematik. Potenzial sehe ich unter anderem noch bei den Kläranlagen und einem verstärkten Recycling. (cap)