Die Pinguine wollen fliegen

Alex Bischof aus Horn und sein Team haben einen zehn Meter langen Vogel gebastelt. Am Red-Bull-Flugtag heute nachmittag soll er über den Zürichsee gleiten.

Donat Beerli
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Fünf der sechs Pinguine: Daniel Bühler, Christian Stauffer, Jakob Sum, Alex Bischof, Stephan Walser. (Bild: Donato Caspari)

Fünf der sechs Pinguine: Daniel Bühler, Christian Stauffer, Jakob Sum, Alex Bischof, Stephan Walser. (Bild: Donato Caspari)

HORN. Ihr Ziel ist der Weltrekord. 74,68 Meter – so weit müssten die «Supersonic-Pinguglider» am Red-Bull-Flugtag heute in Zürich dafür fliegen. Doch zuerst einmal gilt es, der Schwerkraft zu trotzen. Fünf Meter über der Wasseroberfläche liegt die Startrampe. Darauf wird das sechsköpfige Team aus Horn ihren selbst gebauten Pinguin Richtung See stossen. «Wenn wir nicht schnell genug anschieben, sind wir verloren», sagt Alex Bischof, Besitzer des Restaurants Traube in Horn. Neben zwei Berufspiloten, zwei Ingenieuren, einem «Verrückten vom Bau» ist er der Kapitän des Pingu-Teams.

Vier vom Team sind fürs Anschieben verantwortlich. Zwei zu Fuss, zwei mit dem Fahrrad. «Das sind die Schlüsselpositionen», erklärt Bischof. Sobald der Pinguin die letzten Zentimeter der Rampe überquert hat, sind der fliegende Vogel und der Pilot auf sich alleine gestellt. Der Wagen und die vier Anschieber landen dann – so schnell die Schwerkraft will – im Zürichsee. «Der Pinguin wird fliegen», sagt der Kapitän. «Die Frage ist nur, wie weit.»

25 Jahre alte Pläne

Sieben Wochen haben die Thurgauer an ihm gearbeitet. Bohren, fräsen, sägen, Nägel reinhauen. Doch eigentlich hat das Projekt bereits vor 25 Jahren angefangen. Damals entwickelten Teammitglied Daniel Bühler und sein Bruder ein Modellflugzeug – realisiert wurde es jedoch nie.

Nun, ein Vierteljahrhundert später, sollen die Pläne von damals dem Team zum Sieg verhelfen. Die Grundlage sei durch die Pläne vorhanden gewesen, sagt Bischof. Doch diese hätten ein Flugobjekt von drei Meter Länge vorgesehen. «Unser Objekt musste zehn Meter lang sein und erst noch lustig aussehen.»

Nur: Lustig aussehen genügt nicht. Nicht allein die Weite wird heute über den Sieg entscheiden. Die Jury bewertet die Hobbypiloten auch bezüglich Kreativität und Darbietung. Massgebend sind dabei die Konstruktion des Flugobjektes sowie die 45-Sekunden-Rampenperformance vor dem Flug. Gut, dass mit Kapitän Bischof ein ehemaliger Tanzlehrer mit an Bord ist.

Zumba-Tanz entwickelt

«Wir punkten in allen Bereichen», sagt Bischof. Er hat die Choreographie zusammen mit einer Zumba-Lehrerin entwickelt. «Bei sechs Männern ist das nicht so einfach.» Nach der Performance wird Bischof das Geschehnis aus der Nähe verfolgen. Wegen eines Bänderrisses im Handgelenk kann er nicht mit anschieben. Doch was passiert, wenn der Pinguin nicht abhebt? «Dann», sagt Bischof lachend, «ist der Pilot schuld.»