Die Pfosten müssen weichen

Nicht das Christkind, sondern ein Oberneunforner wollte der Gemeinde mehrere Betonpfosten schenken, welcher er eigenmächtig aufgestellt hatte. Die gestrige Bechtelisgemeinde aber lehnte das Geschenk ab.

Mathias Frei
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Ecke Kirchgasse/Ossingerstrasse: Die weissen Betonpfosten im Schnee. (Bild: Mathias Frei)

Ecke Kirchgasse/Ossingerstrasse: Die weissen Betonpfosten im Schnee. (Bild: Mathias Frei)

OBERNEUNFORN. «Es geht hier nicht darum, ob die Betonpfosten schön sind oder nicht, sondern um einen Präzedenzfall.» Das stellt Neunforns Gemeindeammann, Benjamin Gentsch, an der gestrigen Budget-Gemeindeversammlung fest. Ein Oberneunforner hatte vor seiner Liegenschaft an der Kreuzung Kirchgasse/Ossingerstrasse fünf Betonpfosten aufstellen lassen – ohne Baugenehmigung der Gemeinde. Zu allem Übel befinden sich vier der fünf Strassenpoller auf öffentlichem Grund. «Wenn er uns gefragt hätte, ob er die Pfosten aufstellen darf, hätten wir Nein gesagt», stellt Gentsch klar.

Strassenpoller als Abgrenzung

Dem Grundeigentümer sei die Grenzziehung in diesem Bereich klar, sagt Gentsch. Die Gemeinde habe dem fehlbaren Oberneunforner in der Vergangenheit den besagten Streifen, der eben nicht Strasse ist, aber zur Strassenparzelle gehört, zum Kauf angeboten. Aber er wollte nicht. Der Antragsteller ist an der Versammlung nicht anwesend. Sein Enkel erklärt, es sei beim Bau der in den Kiesplatz einbetonierten Pfosten um eine Art Abgrenzung gegangen. Für Gentsch wiederum geht es «ums Prinzip». Mit dieser Einstellung macht der Gemeinderat wohl keinen Fehler. Auch die 186 Stimmbürger liegen auf der Linie der Behörde und schicken das Geschenk grossmehrheitlich bachab. Nun müssen die Strassenpoller abgebrochen werden.

Weniger Aufsehen erregt das Budget 2015, das die Versammlung einstimmig genehmigt. Gemeindeammann Gentsch spricht von einer «soliden Finanzlage». Nicht umsonst gehört Neunforn zu den 30 Thurgauer Gemeinden, welche alle kantonalen Finanzkennzahlen einhalten.

Bei einem Aufwand von 3,132 Millionen Franken rechnet Neunforn mit einem Überschuss von 34 000 Franken. «Wir haben die gleichen Kostentreiber wie andere Gemeinden auch», erklärt Gentsch. Die da unter anderem wären: der erhöhte Beitrag an die Kesb, der Gemeindebeitrag an die unbezahlten Krankenkassenprämien von Neunfornern, die schwierig abschätzbaren Kosten im Sozialbereich. Einem Bruttokredit über 135 000 Franken stimmt die Versammlung ebenfalls zu. Damit sollen Freileitungen zwischen Oberneunforn und Wilen in den Boden verlegt werden. Der Kredit ist Teil des Gesamtkonzepts, das den Ausbau des 17 000-Volt-Verteilnetzes in Neunforn bis 2020 vorsieht. Weil die Kabelanlage mit der Swisscom koordiniert werden kann, beteiligt sich diese mit 69 000 Franken an den Tiefbaukosten.

Stocken-Erschliessung bis 2016

Gegen den Gestaltungsplan für das Gebiet Stocken in Oberneunforn sind laut Gemeinderat Leo Krucker (Bauwesen) mehrere Einsprachen eingegangen. Nun würden die Einspracheverhandlungen folgen, Ziel sei es, die Erschliessung zwischen Mitte 2015 und Anfang 2016 bauen zu können.

Die Versammlung wird überschattet von einem medizinischen Notfall. Der Vater von Gemeindeammann Benjamin Gentsch, Hugo Gentsch, erleidet kurz vor Versammlungsende einen Zusammenbruch und muss reanimiert werden. Später trifft ein Rettungshelikopter ein.