Die Ostschweiz rockt grüner

Open Airs belasten die Umwelt enorm. Diese Problematik wird von den beiden Ostschweizer Open-Air-Veranstaltern in St. Gallen und Frauenfeld auch ernst genommen.

Boris Gygax
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Frauenfeld nach dem Open Air: Das grosse Aufräumen. (Bild: Ralph Ribi)

Frauenfeld nach dem Open Air: Das grosse Aufräumen. (Bild: Ralph Ribi)

Die beiden Ostschweizer Open Airs in St. Gallen und Frauenfeld sind Kult. Auch in diesem Jahr werden Zehntausende Ende Juni und Anfang Juli ihre Zelte im Sittertobel und an der Thur aufschlagen. Nur: Beide Open-Air-Gelände liegen unmittelbar in oder neben sensiblen Ökosystemen. Das eine befindet sich in der Flusslandschaft des Naturschutzgebiets Sitter- und Wattbachlandschaft, das andere neben dem Naturschutzgebiet Murg und Thur. Daneben stellen Verkehr, Abfall und Energieverbrauch die Veranstalter vor grosse Herausforderungen.

Depot soll Abfall vermeiden

Ein Problem sei zudem die laufende Anpassung der Infrastruktur. Zusätzliche Zufahrtsstrassen und Bodenplatten verdichten den Boden. Um den Schaden in Grenzen zu halten, haben beide Ostschweizer Open Airs Massnahmen getroffen, die grösstenteils deckungsgleich sind. Das Naturschutzgebiet wird an den zwei Orten mit Zäunen abgegrenzt. Beide Veranstalter setzen auf ein Depotsystem, das dafür sorgen soll, dass der Abfall zurückgebracht wird. Glas und Büchsen sind verboten, nur PET-Flaschen dürfen eingeführt werden.

In St. Gallen haben die Veranstalter die Getränkemenge auf 3 Liter pro Person beschränkt. Dies sei eine weitere Massnahme zur Abfallminderung, sagt Sabine Bianchi, Medienbeauftragte des OpenAir St. Gallen. In Frauenfeld bietet man einen ähnlichen Service an: Im Shoppi-Land können sich Besucher zu Tankstellenpreisen versorgen.

St. Gallen in Energiefragen vorn

Beim Verkehr sind beide Festivals eine Partnerschaft mit den SBB eingegangen. Joachim Bodmer, Pressesprecher des Open Airs Frauenfeld, sagt: «Seit dem ersten Festival 2004 hat sich der Anteil der Besucher, welche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, verdoppelt.» In St. Gallen hat sich die Zahl der Besucher mit Auto seit 2004 fast halbiert.

Der einzige klare Unterschied liegt in der Stromversorgung. Das OpenAir St. Gallen bezieht seit 2007 seinen Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. In Frauenfeld bezieht man den Strom vom Netz, welcher zu 80 Prozent aus Atomstrom besteht.

Die Bescherung kommt jedoch hinterher. Die Festivalgelände sehen aus, als hätte ein Hurrikan gewütet. Doch in beiden Fällen stellen die jeweiligen Städte hohe Anforderungen bezüglich der Geländereinigung. In St. Gallen wird anschliessend ein Biobauer das Gelände bewirtschaften, in Frauenfeld werden Pferderennen ausgetragen. Das Areal muss deshalb penibel sauber sein, denn selbst kleine Gegenstände können die Tiere leicht verletzen. Alle Massnahmen zur Nachhaltigkeit wurden in St. Gallen und Frauenfeld in Zusammenarbeit mit den Städten, Umweltorganisationen und Veranstaltern erarbeitet.

So lobenswert diese Anstrengungen auch sind: Ein solches Massenspektakel kann nie naturfreundlich sein. Martin Zimmermann vom WWF stellt fest: «Abfallreste bleiben immer im Boden zurück, die Schäden können nie ganz behoben werden.» Trotzdem hält er das Engagement der Festivalverantwortlichen für vorbildlich. Und Gegner wird es immer geben.

www.tagblatt.ch/festivals

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