Die Niederflurzüge fehlen

Der Bahnhof Wil ist auch für Hinterthurgauer Pendler die Verbindung nach Zürich. Entsprechend einschneidend war für viele der Abbau auf das laufende Jahr. Der Münchwiler Gemeinderat unterstützt deshalb eine St. Galler Petition.

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Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Olaf Kühne)

Guido Grütter Gemeindepräsident Münchwilen (Bild: Olaf Kühne)

MÜNCHWILEN. «Der Bahnhof Wil ist zentral für unsere Gemeinde», sagt Guido Grütter. Münchwilens Gemeindepräsident beruft sich auf eine eidgenössische Statistik aus dem Jahr 2014, gemäss welcher doppelt so viele Menschen für die Arbeit den Bezirk verlassen, wie Pendler in den Hinterthurgau arbeiten kommen – sogenannte Wegpendler. Grütter geht davon aus, dass die Verhältnisse in seiner Gemeinde vergleichbar sein dürften. Zwar hat Münchwilen buchstäblich den Autobahnanschluss vor der Nase, Berufspendler, die morgens mit dem Auto Richtung Westen fahren, stehen aber spätestens bei Winterthur im Stau.

Aufruf an Kantonsregierung

Entsprechend betroffen sind Pendler – und nicht nur die – vom jüngsten Leistungsabbau der SBB im Zuge des Fahrplanwechsels im vergangenen Dezember. Der Wegfall eines morgendlichen Interregio nach Zürich schmerzt, auch mit dem Rollmaterial können sich viele nicht anfreunden. Neben den Neigezügen verkehren zur anderen halben Stunde die Interregios fast ausschliesslich mit altem Rollmaterial. Abgesehen vom stündlichen Regio-Express nach Chur ist der einzige Niederflur-Zug des Tages jener morgens um 7.08 Uhr Richtung Zürich. Nachts um 1 Uhr kehrt er in die Ostschweiz zurück. Das Fehlen von Niederflurzügen ist vor allem für ältere Leute und Menschen mit Behinderung ein Ärgernis. Im vergangenen Monat formierte sich deshalb Widerstand. Die IG OeV Wil lancierte eine Petition. Diese richtet sich an die St. Galler Kantonsregierung und fordert, dass «sie bei den SBB vorstellig wird, um für die Region die Gewährleistung von zeitlich gut abgestimmten Zügen mit modernem Rollmaterial und ausreichendem Platzangebot in Richtung Zürich sowie Bern-Westschweiz sicherzustellen.» Das Anliegen wird aus dem Hinterthurgau prominent unterstützt. Nebst Grütter sitzen im Petitionskomitee der Sirnacher Gemeindepräsident Kurt Baumann, der Eschliker Gemeinderat Bernhard Braun, der Eschliker Gemeindepräsident Hans Mäder sowie der Sirnacher Gemeinderat Andreas Schmidt.

Aufruf im Internet

Dennoch verläuft die Sammlung eher harzig. Auf Facebook unterstützen gerade mal 417 Personen das Anliegen. Die eigentliche Petition erzielte bis anhin gut 1000 Unterschriften, weiss Grütter. In den aktuellen Münchwiler Gemeindenachrichten ruft er deshalb auf, das Anliegen zu unterzeichnen. «Wir haben aus der Bevölkerung zahlreiche Reklamationen erhalten, namentlich von älteren Menschen und Behinderten», sagt Grütter. Zwar stehen für künftige Fahrplanwechsel auch einzelne Verbesserungen in Aussicht. So ist auf Ende 2018 eine direkte S-Bahn-Verbindung von Wil nach Zürich Hauptbahnhof geplant. Die S12, welche heute im Grossraum Winterthur endet, soll bis nach Wil verlängert werden. Dies ist gerade für die Hinterthurgauer Bahnhöfe Sirnach, Eschlikon, Guntershausen und Aadorf eine Aufwertung. Dafür muss man in Wil drei Jahre nach dem Verlust des Intercity-Halts feststellen, dass ab Ende 2018 auch keine Eurocity-Züge mehr stoppen werden. Seit Ende 2015 hat man viermal täglich die Möglichkeit, direkt nach München zu gelangen, da der Eurocity in den Interregio Zürich– St. Gallen integriert ist.

Und, ist Grütter überzeugt: «Wenn der Thurgau bis 2019 300 Millionen Franken in den Ausbau der Bahninfrastruktur steckt, kann es nicht sein, dass das Angebot an Fernverkehrszügen ab Bahnhof Wil aus regionaler Sicht laufend verschlechtert wird.» (kuo/sdu)

Die Petition «ausBBau statt abbau» findet sich online unter: www.ausbbaustattabbau.ch