Die Nähmaschine lernt fliegen

Seit knapp einem Jahr laufen bei der Bernina in Steckborn Langarm-Quiltmaschinen vom Band. Etwa sieben neue Arbeitsplätze sind dadurch entstanden. Zurzeit wird diese Nähmaschine auf dem Schweizer Markt lanciert.

Gudrun Enders
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Firmeninhaber Hans Peter Ueltschi unterschreibt mit der neuen Nähmaschine auf einem Stück Stoff. (Bild: Andrea Stalder)

Firmeninhaber Hans Peter Ueltschi unterschreibt mit der neuen Nähmaschine auf einem Stück Stoff. (Bild: Andrea Stalder)

STECKBORN. Nähen ist inzwischen so schön wie fliegen. Denn mit zwei Griffen lässt sich die neue Nähmaschine frei über den Stoff bewegen. Firmeninhaber Hans Peter Ueltschi steht im Bernina Creative Center und schreibt seinen Namen auf Stoff: «Das ist wie Ferrari fahren. Das macht Spass.»

Seit Monaten behauptet sich die spezielle Quiltmaschine Q20 und Q24 auf dem amerikanischen Markt. Sie ist für besonders angefressene Hobby-Quilterinnen gedacht sowie für halbe Profis, die etwa im Lohn einen Quilt fertig nähen. Für letztere hat die neue Maschine einen Stichzähler eingebaut als Taxameter sowie ein Autopilot-Programm, das die Maschine alleine nähen lässt. «Der Verkauf in den USA ist gut angelaufen», sagt Ueltschi, «aber unsere sehr hohen Ziele haben wir noch nicht erreicht.» Inzwischen seien 1000 Maschinen in den Staaten verkauft. Der Markt ist klein und umfasst rund 10 000 Maschinen pro Jahr. In der Schweiz wird die Quiltmaschine gerade eingeführt. Bei Bernina-Händlern in Zürich, Lausanne, Bern und Baden lässt sich die Neuheit testen und kaufen. Der Preis bewegt sich je nach Ausführung zwischen 11 000 und 16 000 Franken.

Grazil dank Aluminium

Die neue Nähmaschine wurde in Steckborn entwickelt und wird auch komplett dort produziert. Sieben neue Arbeitsplätze hat das laut Ueltschi geschaffen. Zurzeit laufen täglich sieben Q24 respektive Q20 vom Band. «Das ist ein sehr gelungenes Gerät», sagt Produktionsleiter Hans Peter Horn und tätschelt einen Maschinenarm. Die Nähmaschine ist dank ihrer Aluminiumteile grazil und leicht im Vergleich zu den Geräten der Mitbewerber, die aus Gussteilen bestehen. Den langen Arm braucht es, damit auch grosse Quiltdecken fertig genäht werden können. Zwei Sensoren nehmen Stoffstruktur und Nähgeschwindkeit wahr und garantieren dadurch gleich lange Stiche. Die Kunden sind laut Tanja Dünner, Leiterin des Creative Centers, begeistert. «Die Konkurrenz ist beunruhigt.»

Freihändig Muster designen

Die neue Langarm-Nähmaschine wurde rein fürs Quilten entwickelt. Doch Sarah Caldwell, Leiterin des Ausbildungsteams, hat schon neue Möglichkeiten entdeckt. Sie spannte ein grosses Stück Stoff ein, nähte freihändig ein wildes Muster darauf und schneiderte einen Rock daraus.