Die Na-na-nanana-Nacht

FRAUENFELD. Bechtelistag in Frauenfeld. Kaum je wird auf den Strassen und in den Lokalen so viel gefeiert, getrunken und gelallt wie in dieser Partynacht. Taucher, Geister und Pandas sorgen für Radau und Umsatz. Im Gewühl tummelte sich auch Perrine Woodtli.

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In der Nacht auf Dienstag traf sich viel kostümiertes Volk auf den Strassen Frauenfelds und wandelte von einem Lokal zum anderen. (Bild: Reto Martin)

In der Nacht auf Dienstag traf sich viel kostümiertes Volk auf den Strassen Frauenfelds und wandelte von einem Lokal zum anderen. (Bild: Reto Martin)

In dieser Nacht flirten Pandabären mit Pfarrern, Hippies rauchen mit Bob Marley und Tennisbälle stossen mit Kühen an. Heute ist die Nacht der Nächte in Frauenfeld: Bechtelistag. Der Schneefall fegte die kostümierten Partygänger ab und zu von der Strasse, nicht aber aus den Beizen. Dort stürzten sich die Nachtaktiven abwechslungsweise auf Bier, Mehlsuppe oder ihre Herzdamen. Oft nach dem Motto: Einer geht noch rein.

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Zwei Fussballer spielen auf dem Postkreisel Fussball. «Los, kick den Ball mal so richtig rüber.» – «Da lang? So?» – «Jo, aber richtig fest!» – «Dann entwischt der uns doch!» – «Jetzt mach.» Der eine kickt den Ball mit voller Wucht. Er kullert natürlich die Strasse runter. Die beiden schreien den Leuten zu, sie sollen den Ball zurückkicken. Keine Reaktion. «Was?» – «Ich hab's dir ja gesagt.» – «Jetzt sind wir Fussballer ohne Ball. Das kann's ja nicht sein.» – «Komm, wir holen uns einfach noch ein Bier.»

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Es ist vier Uhr morgens, im «Scharfen Eck». Ein als Blondine verkleideter Mann tanzt mit einem stark geschminkten Rockertyp. «Weisst du, wenn du nicht so männliche Beine hättest, ich glaub, ich würde dich mitnehmen, mini Schön.» – «Hihi. Danke, du Charmeur.»

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Ein paar Meter weiter sitzen drei junge Männer im grauen Anzug. Sie kippen ein Bier nach dem anderen. Eine Gruppe Frauen fordert sie zur Polonaise auf – wer kann zu einem lebensgrossen Sugus schon nein sagen? Kaum weg von ihrem Plätzen, nehmen drei bärtige Sennen diese in Beschlag. Schüchtern räumen die Polonaise-Anhängsel das Feld. «Ha! Diesen Krawattenträgern haben wir es so richtig gegeben!»

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Vor dem «Dreiegg» unterhält sich ein Bär mit Jack Sparrow. «Alter, ich hab voll Hunger. Gibt's schon Spiegeleier im <Goldenen Kreuz>?» – «Nei, musst noch bis um siebni warte.» – «Ui shit, so lang wart ich nüme. Ich verhungere jetzt denn grad.» – «Dann holen wir uns jetzt ein Bier.»

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Zwei Mädels, Clown und Polizist, stürmen gegen fünf Uhr in der Früh auf die Toilette. «Bist du sicher, dass du die beiden gesehen hast?» – «Ja, ganz sicher.» – «Wieso kommt er mit der hierher?» – «Ach, scheiss drauf.» – «Ne, wir gehen da jetzt hin.» Die Clownin geht nach draussen, die Polizistin bleibt. «Wo steckst du denn?» – «Ich muss mich zuerst nochmals schminken, du Latschi, mit diesem Gesicht zeige ich mich ihm sicher nicht.»

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Eine Gruppe steht vor der «Piano-Bar». Eine Frau trägt einen kurzen Rock, Highheels und zeigt nicht wenig nackte Haut. «Mann, wisst ihr. Dieser Tubel hat mir total an den Arsch gefasst und ihr habt nicht mal was gesagt, schöne Freunde!» Einer der schönen Freunde gibt ihr daraufhin einen Klaps auf den Hintern. «Siehst ja auch aus wie eine, dies nötig hat.»

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Aus dem «Schlosskeller» trotten zwei leicht angesäuselte Bärinnen. Es ist halb fünf. «Schatz, ich muss glaub mal» – «Maaann, konntest du das nicht drinnen?» – «Ich rede nicht vom Klo, mir ist schlecht» – «…dann geh und kotz dir die Seele aus dem Leib.» – «Kommst du mit?» – «Klar, beste Freundinnen, du weisst ja…» Die Bärin befolgt den Rat ihres Gspänli und erledigt ihr Geschäft. «Ich hab Hunger.» Zwei Minuten später halten beide je eine Bratwurst in der Hand.

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Eine Gruppe Männer hält bei einem Pizzastand. Der Verkäufer: «Hey, ihr seid ja gar nicht verkleidet.» Der eine sagt: «Ich bin ja sonst schon jeden Tag verkleidet. Kennst du mich nicht?» – «Ah, du bist hier im Militär und kaufst immer unsere Pizza.» – «Jo richtig.» – «Du bist Berner oder?» – «Jo richtig.» Jemand ruft von hinten: «Bärner mögen wir nicht.» – «Dis Zürigschnurr mag auch niemand.» – «Jo richtig.»

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Ein Paar steht kurz nach 5 Uhr vor dem «Peggy's». Sie, eine Fee. Er sieht aus wie ein Serienmörder aus einem Film. «Schatzi, was ist denn los?» – «Nichts.» «Chum seg's, du kannst mir alles sagen, gell, das weisst du.» – «Jo.» – «Also?» – «Ich würde gerne gehen. Ich möchte alleine mit dir sein.» – «Aber es ist doch noch früh, komm, wir bleiben noch ein wenig.» – «Okay, wie du meinst.» – «Schatzi, alles okay? Weinst du?» – «Nein, weisst du, das sind Freudentränen.»

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Im «Scharfen Eck» holt sich ein Bergsenn ein Bier. Strahlend setzt zu er seinem Gang von der Bar zu seinem Platz an. Vor ihm steht ein weiterer Senn und fuchtelt mit seinem Gehstock zum Sound von «Live is Life» herum. Der trifft mit dem Stock das Bierglas. Dieses zerscherbelt mit einem Klirren sofort in der Hand des Bergsennen und der Inhalt verteilt sich auf dem Boden. «Oh, du Seckel, das hab ich mir doch eben geholt!» Beide grölen und holen lallend die nächste Runde. «Na-na-nanana!»

Auf Tauchstation im «Dreiegg».

Auf Tauchstation im «Dreiegg».

Ein kulinarisches Muss an der Bechtelisnacht: Die Mehlsuppe.

Ein kulinarisches Muss an der Bechtelisnacht: Die Mehlsuppe.

In Frauenfeld tanzt der Panda-Bär. (Bilder: Perrine Woodtli)

In Frauenfeld tanzt der Panda-Bär. (Bilder: Perrine Woodtli)