Die Mitte mischt die Karten neu

Die Listenverbindung von CVP, FDP, BDP und EVP ist nachvollziehbar. Hier finden sich Parteien, die nicht nur arithmetisch Erfolg haben können, sondern auch inhaltlich einigermassen zusammenpassen.

Christof Widmer
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Die Listenverbindung von CVP, FDP, BDP und EVP ist nachvollziehbar. Hier finden sich Parteien, die nicht nur arithmetisch Erfolg haben können, sondern auch inhaltlich einigermassen zusammenpassen. Dass die FDP doch nicht mit der SVP zusammenarbeitet, dürfte durchaus ideologische Gründe haben – auch wenn es Präsident Walter Schönholzer dementiert. In einigen zentralen und emotionalen Fragen liegen FDP und SVP weit auseinander – wie Masseneinwanderungs-Initiative oder Kopftuch-Diskussion zeigen.

Die Mitte-Allianz hat die Karten neu gemischt. Sie schafft neben der SVP einen zweiten Block, der auf über 30 Stimmenprozente kommen dürfte. Damit müssen die Strategen von SVP, SP und GLP neu rechnen. Die SVP dürfte den Rückzug ihres Stimmenmagnets Peter Spuhler zu spüren bekommen. Eine Listenverbindung mit der EDU könnte aber dieses Manko wettmachen. Eng werden kann es aber auch für den SP-Sitz, sollte die Formschwäche des grünen Koalitionspartners weiter anhalten. Die linke Offerte an die GLP muss auch vor diesem Hintergrund gesehen werden.

Vor allem aber setzt die bürgerliche Mitte-Allianz den Grünliberalen das Messer an den Hals. Diese haben jetzt noch zwei Optionen, um ihren Sitz zu retten: Zusammenarbeit mit den Linken oder Anschluss an die Mitte. Damit müssen sich die Grünliberalen entscheiden, ob sie sich mehr grün oder mehr liberal sehen. Eine grüne Partei gibt es schon. Und eine liberale Partei gibt es auch schon. Um künftig zu bestehen, reicht für die GLP der simple Entscheid für eine Listenverbindung nicht. Sie muss beweisen, dass sie eine unabhängige Kraft ist. Dazu braucht es aber mehr als etwas Lobbying für Solarstrom.

christof.widmer@thurgauerzeitung.ch