Die Maschine entscheidet geschlechtsneutral

Ermatingen In dreissig Jahren bestimmt die Digitalisierung umfassend unser Leben, sagt Markus Iofcea, Chef des UBS-Think-Tanks Y.

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Nicht mehr mit Handys, Tablets und Laptops werden die Menschen in dreissig Jahren ausgerüstet sein. Stattdessen werden sie in die digitale Vernetzung integriert. Ein virtuelles Ich entwickelt eigene Aktivitäten gemäss den Präferenzen der physischen Person: Es kauft ein, lenkt und investiert das Vermögen. «Wir sind dann vierundzwanzig Stunden im Netz als ein Teil davon», wird Markus Iofcea, Leiter von Y, dem Think Tank der UBS, in einer Medienmitteilung zitiert. «Wir werden ständig Entscheidungen treffen müssen darüber, was von allem, das uns ungefiltert zur Verfügung steht, wir wählen wollen. Die Technologie wird absolut omnipräsent.» Es gehe nicht darum, wie die Zukunft sein wird, «sondern wie wir sie haben wollen». Das Leben werde dadurch nicht einfacher.

Am jährlichen «Women's Day» der UBS im Ausbildungszentrum Wolfsberg gab Iofcea 120 Ostschweizer Unternehmerinnen und UBS-Kundinnen Einblick in die Arbeit des Think Tanks. Der Anlass war Teil des weltweiten Unternehmensprogramms «Diversity & Inclusion» und wurde von der UBS Region Ostschweiz organisiert.

«Wie sieht unsere Zukunft aus, wenn Fachwissen nicht mehr von Experten kommt, sondern von Informationssystemen mit kognitiven Fähigkeiten kommt, und die dann unsere Arbeit erledigen?», lautet laut Iofcea eine der Fragen mit denen sich Y befasst. «Nicht was in fünf Jahren sein wird oder in fünfzehn, interessiert uns, sondern was in dreissig Jahren sein könnte», umriss er die Aufgabe seines Teams von Denkern und Designern. Es gehe bei Y auch nicht darum, Anlagestrategien für die nächsten drei bis fünf Jahre zu entwickeln, sondern sich vorzustellen, wie die Welt – besonders die Aspekte Arbeit und Wohlstand – in dreissig Jahren aussieht.

Aus der Zukunft zurückschauen

Zuerst einmal «müssen wir in die Vergangenheit gehen, um die Zukunft blicken zu können.» Iofcea nennt sich deshalb «Zukunftsarchäologe». Konkret bedeute dies, dass man sich eine Welt in dreissig Jahren vorstelle und dann zurückschaue, wie es dazu gekommen sein könnte. «Wir reden hier von einer ganz anderen Welt. 2040 werden nochmal zwei Milliarden Menschen mehr sein. Dazu kommt, dass vierzig bis fünfzig Prozent aller Jobs durch intelligente Maschinen ersetzt sein werden. Das sind riesige Herausforderungen.» Bezogen auf die Geschlechterproblematik in Unternehmen heisse das, dass es gar keine Rolle mehr spiele, ob die Arbeitnehmer männlich oder weiblich sind. «Die Maschine entscheidet immer gleich.» Es sei wahrscheinlich, dass ein Kulturwechsel stattfinden werde: «Wir, die wir uns seit Hunderttausenden von Jahren gewöhnt sind, Befehle zu geben, werden Befehle empfangen. Damit werden wir zurechtkommen müssen.» (red.)