«Die letzte innerstädtische Oase»

Einige Steckborner sorgen sich, dass die letzte unbebaute Wiese innerhalb der Stadtmauern unsanft aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen wird. Denn ein Bauprojekt wartet in der Pipeline.

Gudrun Enders
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Blick ins unverbaute Grün: Philippe Wacker, Ernst Füllemann und Christoph Ullmann wollen gerne die Hausmannwiese erhalten. (Bild: Reto Martin)

Blick ins unverbaute Grün: Philippe Wacker, Ernst Füllemann und Christoph Ullmann wollen gerne die Hausmannwiese erhalten. (Bild: Reto Martin)

STECKBORN. Sie ist grün, gross und unentdeckt. Die Hausmannwiese liegt im Herzen von Steckborn. Früher weideten hier Kühe, heute stehen Obstbäume darauf. Künftig könnten Bagger vorfahren. Denn es handelt sich um Bauland in der Kernzone. Ein Bauprojekt ist angedacht. Das bereitet manchem Steckborner Bauchweh. «Es handelt sich um die letzte innerstädtische Oase», sagt Christoph Ullmann. «Wir überlegen, wie wir die Wiese schützen können», sagt Philippe Wacker, vielen als Leiter des Phönix-Theaters bekannt.

Deshalb engagiert sich nun eine informelle Gruppe, die zuerst einmal das grüne Kleinod ins Bewusstsein der Öffentlichkeit heben will. «Viele Steckborner wissen gar nicht, was da für ein Schatz schlummert», sagt Wacker. Schliesslich handle es sich um die letzte unbebaute Parzelle innerhalb der Stadtmauer. «Das hat historische Bedeutung, die Parzelle war noch nie bebaut.»

Unsensibel Fläche verbrauchen

Zurzeit werde jedem Siedlungsdruck nachgegeben, ist Ernst Füllemann überzeugt. «Es wird unsensibel mit den Ressourcen umgegangen.» Es würden vermehrt Kapitalanlagen mit kalten Betten gebaut, was die Qualität einer Landschaft von nationaler Bedeutung schmälere. Bleibt die Tatsache, dass die Hausmannwiese Bauland ist: «Das ist ein Makel in der Zonenplanung, der uns allen nicht bewusst war», sagt Füllemann.

Wacker erklärt, wie es zum Engagement für diese Wiese kommt. Im Sommer trafen sich rund 40 Steckborner im Feldbach, um sich über Projekte für das Stadtjubiläum 2013 zu verständigen. Die Anwesenden kreuzten an, wofür sie sich engagieren würden. Die Hausmannwiese lag weit vorne. «Zur 700-Jahr-Feier könnte sich Steckborn diese grüne Oase selbst schenken», schlägt Wacker vor. Der Kaufpreis werde sicher über einer Million Franken liegen. «Das können wir dem Steuerzahler nicht aufladen.» Dagegen überlegen die Engagierten, ob sich die Parzelle nicht Quadratmeterweise durch Patenschaften erwerben und öffentlich als Park zugänglich machen liesse.

Erschliessung ist Knacknuss

«Das ist Bauland im Privatbesitz, da kann grundsätzlich gebaut werden», sagt Stadtammann Roger Forrer. Allerdings ist die Erschliessung ein Thema. In der Baukommission werde diskutiert, ob nicht beim «Schwert» über die Augustinergasse erschlossen werde und die Zufahrt während der Bauphase via Bauamt erfolge.

Über das Bauprojekt selbst ist noch wenig in Erfahrung zu bringen. «Wir sind noch nicht so weit, um zu informieren», sagt Konrad Labhart als Mitinhaber der Untersee Rhein Immobilien AG – bis lang hiess die Firma steckinvest. Doch so viel verrät Labhart schon: Bis zu 15 Wohnungen sollen auf der Parzelle 106 entstehen. Ausserdem kommen nur Giebeldächer in Frage. «Anfangs Jahr stellen wir bei der Stadt unsere Vorarbeiten für den Gestaltungsplan vor», sagt Labhart. Mit diesen Arbeiten sei Architektur Werner Keller in Weinfelden betraut.

Erster Widerstand regte sich in diesem Jahr schon, als ein Gestaltungsplan für dieses Grundstück angekündigt wurde. Die Anstösser wehrten sich gleich.