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Die Leiden des jungen Thurgauers

Die Frauenfelder Videoproduzenten Dario Sidler und Matthias Niederer bannen "S'Läbä als Thurgauer" als Animationsfilm.
Mathias Frei
Hier nimmt das Unheil seinen Lauf: Der junge Thurgauer (rote Dächlikappe) und sein Kumpel mit dem Zürcher Dialekt gehen am Zürichsee-Ufer auf Brautschau. (Bild: PD/Bemoved)

Hier nimmt das Unheil seinen Lauf: Der junge Thurgauer (rote Dächlikappe) und sein Kumpel mit dem Zürcher Dialekt gehen am Zürichsee-Ufer auf Brautschau. (Bild: PD/Bemoved)

Harte Realität an einem heissen Sommertag am Zürisee – und das auf 33 Sekunden verdichtet. Auf der Chinawiese sind drei hippe Stadtzürcherinnen am Sünnele. Zwei paarungswillige junge Männer brausen auf ihrem Strandmobil heran. «Alte, zieh dir mol die Chatze inne», meint der eine. Eindeutig ein Zürcher, erkennbar an seinem Dialekt. Sein Kompagnon mit der coolen roten Dächlikappe grinst. Der Zürcher will die drei «Zuckerschnecken» auf einen Drink einladen. «Am Füfi äs Bior adä Baor», hakt der Thurgauer nach. Eindeutig ein Thurgauer. So redet sonst keiner. Die drei Zürcher Badenixen verwerfen die Arme, kreischen und suchen das Weite. Der Thurgauer hat mit seinem Dialekt alles versaut. Wehmütige Musik aus dem Off. Die beiden Jungs schauen den Meitli nach. Die Nacht müssen sie wohl alleine verbringen. Da läuft nichts mehr. So endet die erste Folge von «S’Läbä als Thurgauer», ein Animationsfilm-Projekt mit Lego-Figuren.

Ein Animationsfilm: Das bedeutet viel Aufwand. Denn eine Sekunde Film besteht aus 25 Einzelbildern. Das 33 Sekunden dauernde Filmli besteht also aus gegen 800 einzelnen Einstellungen. Die Münder der Lego-Figuren bewegen sich beim Sprechen. Im Hintergrund fährt ein Motorboot durchs Bild, die Palme bewegt sich im Wind. Es darf nichts abgehackt erscheinen, sondern soll flüssig sein, eben wie in echt. Reine Produktionszeit: neun bis zehn Stunden.

Im Zentrum von «S’Läbä als Thurgauer» steht der junge Thurgauer mit der roten Dächlikappe und dem weissem T-Shirt mit einer Palme drauf. Eigentlich ein ganz sympathischer Kerli, wenn da nur dieser Dialekt nicht wäre. Die Väter des jungen Mannes in Form eines Lego-Figürlis sind die beiden Frauenfelder Dario Sidler und Matthias Niederer. Seit Anfang Jahr arbeiten die beiden drei Tage in der Woche für ihre eigene Video-Produktionsfirma bemoved. Das Filmemachen haben sich der 28-jährige Sidler und der 29-jährige Niederer «learning by doing» beigebracht. Mit kleinen Dokumentationen aus den Surfer-Ferien fing alles an. Heute produzieren sie professionell Werbefilme, etwa für Schweizer Wanderwege und andere private Firmen, und Luftaufnahmen. Nebst den Auftragsarbeiten realisiert bemoved aber auch Eigenproduktionen. Eine stimmige Dokumentation über die Bechtelisnacht von Anfang Jahr ist zum Beispiel entstanden. Das Hauptaugenmerk legen die beiden derzeit aber auf «S’Läbä als Thurgauer». In loser Abfolge reist das Lego-Männli durch die Schweiz, trifft Menschen – und kann über andere Dialekte lachen. In der zweiten Folge am Bärengraben in Bern übt er, das «R» zu rollen. Ein Berner Meitschi lacht ihn aus. «S’Läbä als Thurgauer» ist für Sidler und Niederer eine selbstironische Auseinandersetzung mit dem eigenen Dialekt und kantonal unterschiedlichen Stereotypen. Und ein wenig ist es auch das Verarbeiten von eigenen Erfahrungen. «Mir ist schon mal etwas Ähnliches passiert, als ich etwas sagen wollte», erzählt Niederer. «Da begannen die Mädchen zu lachen.»

Ein Filmli soll nicht viel länger als 30 Sekunden sein. «Wenn etwas länger ist, klicken die Leute wieder weg», sagt Sidler. Beim jungen Thurgauer jedoch bleibt man hängen. Auf Facebook hat die erste Folge schon fast 25000 Aufrufe. Fast 300 Personen haben kommentiert. Insgesamt wurde der Film über 12000 Minuten gespielt. Interessant ist, dass jeder dritte Viewer aus dem Kanton Zürich stammt, nur jeder fünfte aus dem Thurgau. Es ist tröstlich, dass Zürcher nicht über sich selber lachen können.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

www.bemoved.ch Videos auf www.youtube.com > Swiss Lego TV

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