Die Landschaft ist ein Mosaik

ROGGWIL. Die Landschaft des Kantons Thurgau soll in ihrer Vielfalt erhalten bleiben. Deshalb bezahlt der Bund Geld, wenn Bauern ihren Beitrag dazu leisten – auf der anderen Seite wurden Direktzahlungen für die Tierhaltung gestrichen.

Michèle Vaterlaus
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Peter Schweizer von Landschaftsqualität Thurgau und Bauer Roland Keller diskutieren die Qualität der Landschaft von und um Roggwil. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Peter Schweizer von Landschaftsqualität Thurgau und Bauer Roland Keller diskutieren die Qualität der Landschaft von und um Roggwil. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Für die alte Eiche bekommt Roland Keller 50 Franken Direktzahlungen, für die Hochstammbäume 2000 Franken. Das Geld steht ihm zu, weil er damit zum Erhalt der Qualität der Thurgauer Landschaft beiträgt. Diese Zahlungen wurden im Rahmen der Agrarpolitik 2014 bis 2017 eingeführt (siehe Kasten). Um das Thema zu veranschaulichen, führte Bauer Roland Keller gestern über seinen Hof.

7000 Franken fehlen

Er führt den rund 40 Hektaren grossen Hof in Roggwil im Oberthurgau in sechster Generation. Haupteinnahmequelle sind seine 50 Milchkühe. Er betreibt aber auch Ackerbau und hat 160 Hochstammbäume. Mit der neuen Agrarpolitik wurden ihm 15 000 Franken Direktzahlungen für seine Kühe gestrichen. Das hat ihn hart getroffen. Den Ausfall des Geldes muss er irgendwie kompensieren. Deshalb hat er entschieden, beim Projekt Landschaftsqualität mitzumachen. «Ich leiste natürlich gerne meinen Beitrag zur Landschaftsqualität. Aber auch wenn es ein freiwilliges Projekt ist, muss ich quasi mitmachen», macht Keller bei der Besichtigung einer seiner Obstgärten deutlich. Mit seinen Hochäckern, die bis ins Mittelalter durch die Verwendung von nicht wendbaren Pflügen entstanden sind, und seinen Hochstammbäumen sowie Bachanstössen, die er pflegt, kommt Keller auf 8000 Franken Direktzahlungen für seinen Beitrag zur Landschaftsqualität.

Dass die neue Agrarpolitik nicht unumstritten ist, stellt auch Urs Schär vom Thurgauer Bauernverband klar: «Die Massnahmen zur Steigerung der Landschaftsqualität sind teils so kompliziert, dass sie die Bauern gar nicht erst umsetzen – auch wenn sie eigentlich wollen würden.» Und teils seien die Zahlungen für die Bemühungen im Verhältnis zum Aufwand auch schlicht zu tief.

Das Mosaik erhalten

Tatsächlich gibt es Massnahmen, die bei den Bauern beliebter sind als andere: Angemeldet wurden im Oberthurgau vor allem Hochäcker und Hochstammbäume. Weniger beliebt sind hingegen Blumenstreifen am Rande eines Ackers. «Einfach, weil es unpraktisch ist, wenn man den Acker bewirtschaftet», sagt Peter Schweizer, Geschäftsführer von Landschaftsqualität Thurgau. Denn mit dem Traktor dürfe man beispielsweise nicht über den Streifen fahren, was die Arbeit verkompliziert. Doch er betont auch, dass es bei den Projekten nicht darum gehe, Schutzgebiete zu schaffen. «Es soll die Vielfalt, das Mosaik einer Landschaft und das Typische einer Region erhalten werden.»

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