Die Landeskarte für das Google-Zeitalter

Die Ostschweiz ist farbiger geworden – zumindest auf den neuen Landeskarten im Massstab 1:25 000. Das Kartenwerk wird diesmal nicht nur überarbeitet, sondern komplett neu aufgebaut. Für die digitale Nutzung bedeutet das einen Quantensprung.

Adrian Vögele
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Titelblatt der Sonderkarte für die Region St. Gallen. (Bild: PD)

Titelblatt der Sonderkarte für die Region St. Gallen. (Bild: PD)

Sie ist in ihrer Präzision unübertroffen und darum eine Art nationales Heiligtum: die Schweizer Landeskarte. Daran ändern auch neuere Angebote wie Google Maps nichts. Zwar sind die Verkäufe der gedruckten Landeskarten rückläufig. Doch seit 2010 ist das Material online gratis verfügbar – «und dort steigt die Nachfrage», sagt Christoph Streit, Produktmanager im Bundesamt für Landestopografie (Swisstopo). Auch per Handy lassen sich die Karten nutzen. Allerdings hat das mobile Netz nach wie vor Lücken, zudem sind Akkulaufzeit und Speicherplatz begrenzt. Wer bei Bedarf eine gedruckte Karte zücken kann, ist immer noch im Vorteil.

Swisstopo verfolgt darum eine zweigleisige Strategie: Die Landeskarten werden weiterhin gedruckt, gleichzeitig werden die Optionen im digitalen Bereich stark erweitert. Derzeit baut Swisstopo die Landeskarte im Massstab 1:25 000, mit 247 Einzelblättern das grösste Schweizer Kartenwerk, komplett neu auf – zum ersten Mal seit der Einführung dieser Karten in den 1950er-Jahren. Ein Hauptziel ist, dass vor allem professionelle Nutzer in Zukunft nicht nur die fertige Karte digital verwenden, sondern selber wählen können, welche Elemente der Karte dargestellt werden. Dafür sind umfangreiche technische Arbeiten notwendig. Gleichzeitig wird die Karte inhaltlich aktualisiert und grafisch erneuert.

Girenspitz verliert an Höhe, Hoher Kasten gewinnt

Als eine der ersten Regionen hat die Ostschweiz die neuen Karten erhalten. Sofort stechen die Farben ins Auge: Bahnlinien sind nicht mehr schwarz, sondern rot, inklusive Beschriftung der Bahnhöfe. Spitäler sind mit einem weissen «H» auf blauem Grund gekennzeichnet. Auffällig ist auch das Violett der Staats-, Kantons- und Gemeindegrenzen, beispielsweise am Dreiländereck auf dem Säntis. Und apropos Alpstein: Da die Karte auf neuen Vermessungsdaten basiert, gibt es Korrekturen bei den Höhenangaben. Der Girenspitz etwa hat im Vergleich zur alten Karte zwei Meter verloren – sein Gipfel liegt neu auf 2446 Metern über Meer. Ebenso stark geschrumpft ist der Chäserrugg, für den 2260 Meter angegeben sind. Zwei Meter gewonnen hat hingegen der Hohe Kasten (neu 1793 Meter).

Ein Streitpunkt waren beim Start der neuen 25 000er-Karten die Wanderwege: Bemängelt wurde, dass jene Routen fehlten, die zwar markiert, aber im Gelände kaum oder nicht erkennbar sind. Inzwischen hat Swisstopo reagiert; diese Wege sind nun als gepunktete Linien dargestellt.

Dass die neue Landeskarte schon beim flüchtigen Betrachten moderner wirkt als ihre Vorgänger, hat auch mit der neuen «Frutiger»-Schrift zu tun: Diese hat keine abschliessenden «Häkchen» (Serifen) und erscheint daher schlichter als die alte «Landeskarten»-Schrift. Festgehalten haben die Kartographen an der berühmten Geländedarstellung der Landeskarten. Die kunstvoll gezeichneten Felsen beispielsweise wurden übernommen. Damit sich die Felsdarstellung künftig, wie alle Elemente der Karte, einzeln abrufen und betrachten lässt, mussten die Gebirge von Hand nachbearbeitet werden. «Bisher war zum Beispiel dort, wo der Name eines Berges stand, ein Loch in dem Felsen», erklärt Christoph Streit. Diese Löcher füllten die Zeichner der neuen Landeskarte von Hand auf. Am Computer übrigens, denn die Ära des Gravierens auf Glas – auf je einer Platte pro Druckfarbe – ging bei Swisstopo im Jahr 2000 zu Ende. Diese Technik wiederum hatte in den 1950er-Jahren den Kupferstich und die Steingravur abgelöst.

Dufour wirkt bis heute nach

Manche Traditionen aber bleiben, zum Beispiel die Einteilung der Schweiz in jene Vierecke, für die es jeweils eine 25 000er-Karte gibt. «Sie geht auf die Dufour-Karte aus dem 19. Jahrhundert zurück», sagt Christoph Streit. Und erfahrungsgemäss liegen jene Orte, die man als Nutzer betrachten will, nicht selten auf dem Schnitt zwischen zwei Karten. Die Stadt St. Gallen ist so ein Fall. Swisstopo hat darum – für ihren Auftritt an der Olma – eigens ein limitiertes Sonder-Kartenblatt für St. Gallen herausgegeben (siehe links). «Es ist möglich, dass diese Karte später sogar einen gewissen Sammlerwert erreicht», so Streit. Die regulären Landeskarten kosten derweil im Handel weiterhin 14 Franken.

Neue und alte Landeskarten in digitaler Form unter: map.geo.admin.ch