«Die Kleinen können verrückt sein»

Nachgefragt

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Walter Tobler ist Wirt und Betreiber der Brauerei Huus-Braui in Roggwil. Dort stellt er drei verschiedene Standardbiere, hell, gold und dunkel, sowie verschiedene Spezialbiere her. Für seine Biere verwendet Tobler ausschliesslich Roggwiler Quellwasser. Die Biere der Huus Braui sind in der Brauerei, in der hauseigenen Feierabendbeiz sowie in diversen Restaurants im Kanton St. Gallen und im Oberthurgau erhältlich. Demnächst plant Tobler einen Ausbau der Brauerei. Er will ein grösseres Sortiment an Spezialbieren in Bügelflaschen anbieten. In seiner 15-jährigen Tätigkeit als Bierbrauer hat der Wirt die Szene gut kennen gelernt.

Walter Tobler, wie hat sich die Bierbrau-Szene im Thurgau entwickelt?

Nach Ende des Bierkartells in den 90er-Jahren haben die ersten kleinen Brauereien die Köpfe aus dem Boden gestreckt. Als grosse ausländische Getränkehersteller Schweizer Brauereien aufzukaufen begonnen haben, ist es dann richtig losgegangen, und immer mehr wollten ihr eigenes Bier brauen. Im Thurgau ist die Szene grösstenteils intakt und die Brauereien sind in einheimischer Hand geblieben. Heute existieren in der ganzen Schweiz über 700 Kleinstbrauereien. Diese produzieren knapp 1 Prozent des gesamtschweizerischen Bierausstosses.

Wie hat sich der Stellenwert des Biers verändert?

Mit den Erfahrungen der Kleinbrauer ist auch das Verständnis der Konsumenten für handgemachtes Bier gewachsen. Heute bestellt man nicht mehr nur eine Stange, sondern geniesst auch gerne mal ein spezielles Bier. Die Kleinbrauereien sind sozusagen die Imageträger des Biers. Das Getränk ist zum gehobenen Produkt worden. Auch Gourmetrestaurants führen eine gute Bierkarte.

Können Sie sich gegen die grossen Brauereien behaupten?

Der Markt ist hart umkämpft. Die grossen Bierproduzenten verteidigen ihren Stand verbissen. Man muss versuchen, seine Biere in lokalen Restaurants an den Mann zu bringen. Die «Grossen» locken die Wirte jedoch oft mit Darlehen, wenn es um Verträge geht.

Was können Sie, was die grossen Bierproduzenten nicht können?

Die Kleinstbrauereien können «verrückt» sein und experimentieren. Wir müssen nicht möglichst viele Kunden ansprechen, sondern können wir­- klich aussergewöhnliche Biere brauen. Ich würde mir daher wünschen, dass uns die grossen Produzenten das Feld der Spezialbiere überlassen und sich auf Standardbiere konzentrieren würden. (mas)

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