Die Kirche ist nicht mehr im Dorf

BETTWIESEN. An der Versammlung der Katholischen Kirchgemeinde Bettwiesen waren letzte Woche Aussenstehende unerwünscht. Zu verhärtet sind die Fronten zwischen der Behörde und einer Gruppierung von Kirchbürgern. Jetzt reden beide Seiten.

Simon Dudle
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Dunkle Wolken hängen über der Bettwieser Kirche. (Bild: Simon Dudle)

Dunkle Wolken hängen über der Bettwieser Kirche. (Bild: Simon Dudle)

Von wegen Osterfrieden: Die Nerven scheinen in Katholisch-Bettwiesen blank zu liegen. So blank, dass die Kirchenvorsteherschaft letzte Woche zwei ungeladenen Gästen den Zutritt an die jährliche Kirchgemeindeversammlung verwehrte: dem schreibenden Medienvertreter und einem evangelischen Mann aus Bettwiesen, dessen Kinder katholisch sind. Vor zwei Jahren hatte man ihm Zutritt gewährt, aber unter der Bedingung, dass er sich nicht zu Wort meldet – woran er sich nicht gehalten hat.

Hört man sich im nachhinein die Schilderungen über den Versammlungsverlauf an, werden zwei unterschiedliche Versionen erzählt. Ein loser Zusammenschluss von Bettwieser Stimmbürgern berichtet von einer «chaotischen Sitzungsführung». So sei die Traktandenliste nicht zur Diskussion gestellt worden, der Kreditantrag zur Anschaffung einer neuen Lautsprecheranlage sei nicht aufgeführt worden und die obligate Schlussfrage, ob jemand Einwände gegen die Versammlungsführung habe, hätte gefehlt. Nach einer knapp dreistündigen Versammlung hätten sich einige Kirchbürger entnervt verabschiedet, obwohl die Sitzung noch lief. Gar von einem «Tumult» war die Rede. Der pfarrverantwortliche Leo Schenker lässt hingegen ausrichten, der Anlass sei «relativ ruhig» verlaufen. Jedoch habe es «unruhige Wortmeldungen» gegeben, die man zur Kenntnis genommen habe.

Knappe Wiederwahl

Schon seit geraumer Zeit brodelt es. Das lässt sich auch am Wahlresultat der im vergangenen Jahr durchgeführten Erneuerungswahlen ablesen. Präsident Bartolino Cappelli, der zur Wiederwahl angetreten war, schaffte die Wahl nur knapp. Bei einem absoluten Mehr von 39 Stimmen entfielen auf ihn 42 – bei 9 leeren Zetteln. Zu den Hintergründen der Unruhen äussert sich nun die Delegation Bettwieser Kirchbürger. Dieser gehören unter anderem der ehemalige Kirchenpräsident Walter Meier, die ehemalige Pfarreisekretärin Gaby Steiner, die ehemalige Bezugsperson Brigitte Schönenberger, Gemeindeammann Clemens Dahinden sowie die kirchliche Mitarbeiterin Rosmarie Rohner an. Stein des Anstosses war eine Information des Pfarrverantwortlichen und der Kirchenvorsteherschaft im Pfarreiblatt an die Kirchbürgerschaft, in welcher mitgeteilt wurde, dass eine Bettwieser Seelsorgemitarbeiterin den kantonalen Kurs «Seelsorge-Mitarbeit» (Sema) besucht habe. Es wäre auch zu vermelden gewesen, dass die besagte Person den Kurs zum zweitenmal nicht bestanden hat.

«Die Behörde ist überfordert»

Darum habe man kritisch hingeschaut. «Die Behörde ist überfordert», sagt die Delegation einstimmig. Noch deutlicher wird Dahinden, der in der Rolle als Kirchbürger auftritt: «Ich erwarte im nachhinein Rücktritte. Wenn nichts passiert, überlegen sich einige von uns, partiell aus der katholischen Kirche auszutreten.» Das hiesse, dass sie zwar weiterhin die Kirchensteuer entrichten, das Geld aber nicht mehr Katholisch-Bettwiesen zugutekommt. «Der Graben wird immer tiefer zwischen Behörde und Volk», sagt Dahinden.

Von Rücktritten will man in der Behörde genauso wenig wissen wie von einem Graben. «Wir sind mit der aktuellen Situation gefordert, machen unseren Job aber nicht schlecht. Im organisatorischen Bereich sehen wir allerdings Handlungsbedarf», sagt Vizepräsident Marco Valsecchi. Im Wissen um diese Situation sei man «nicht mit geschwellter Brust» in die Versammlung gegangen, was dann den Eindruck erweckt habe, die Behörde sei überfordert. Dies sei aber nicht der Fall. Er ergänzt: «Wenn man Probleme hineinreden will, dann schafft man das. Wir sind aber gerne bereit, uns zu verbessern.» Vor allem in der Seelsorge sehe man Handlungsbedarf, dies sei nicht die Kernkompetenz der Behörde.

Seit 2008 ohne Priester

Die Pfarrei steht seit 2008 ohne Priester im Dorf da. Darum soll unter der Leitung von Leo Schenker eine sogenannte Spurgruppe errichtet werden. Dabei handelt es sich um ein Gremium von etwa fünf Leuten, welche die seelsorgerischen Arbeiten untereinander aufteilen. Im Sinne von «alle für alle» sollen dabei möglichst viele verschiedene Interessengemeinschaften am guten Gelingen mitgestalten.

Des weiteren möchte die Behörde auf die verärgerten Kirchbürger zugehen und mit ihnen den Dialog suchen. Valsecchi ist dieser Tage bereits daran, ein Schreiben aufzusetzen, in dem zu einem klärenden Gespräch eingeladen wird. Er sagt ganz grundsätzlich: «Wir haben verstärkten Kommunikationsbedarf, müssen ganz konkret Leute ansprechen und sind auch bereit für Veränderungen. Es muss uns gelingen, das Eis zu schmelzen.»

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