Die Kapo Thurgau sucht Jihadisten

Verändert sich jemand äusserlich stark oder zieht sich jemand plötzlich aus seinem sozialen Umfeld zurück, sind dies für die Kantonspolizei Thurgau Hinweise auf eine Radikalisierung. Dies erklärt die Polizei auf einem Merkblatt. Mit diesem Projekt macht sie seit September die Bevölkerung auf die Früherkennung von Jihadisten oder solchen, die auf dem Weg dazu sind, aufmerksam.

Martin Rechsteiner
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Verändert sich jemand äusserlich stark oder zieht sich jemand plötzlich aus seinem sozialen Umfeld zurück, sind dies für die Kantonspolizei Thurgau Hinweise auf eine Radikalisierung. Dies erklärt die Polizei auf einem Merkblatt. Mit diesem Projekt macht sie seit September die Bevölkerung auf die Früherkennung von Jihadisten oder solchen, die auf dem Weg dazu sind, aufmerksam. «Dabei sucht ein einzelner Polizist das Gespräch beispielsweise mit den Vorstandsmitgliedern eines Vereins. Er erklärt, welche Merkmale es gibt, wenn eine Person sich zunehmend radikalisiert», sagt Daniel Metzler, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Weiter erkläre der Polizist bei seinem Besuch, wie in einem Verdachtsfall vorgegangen werden müsse und wo dieser zu melden sei, sagt Metzler. «Zur Gedankenstütze lässt der Polizist nach seinem Besuch ein Schreiben da, welches die wichtigsten Punkte des Gesprächs noch einmal zusammenfasst», so Metzler.

Kein bestimmter Anlass
«Diesem rein präventiven Projekt liegt kein spezifischer Anlass zugrunde», sagt Metzler. «Wir von der Kantonspolizei Thurgau sind für die Sicherheit der Bevölkerung zuständig und die versuchen wir auf verschieden Arten zu gewährleisten.» So sei diese Massnahme rein präventiv und schon seit langem vorbereitet worden, sagt der Kapo-Mediensprecher. Dafür habe die Kantonspolizei Thurgau eigens einen Jihad-Experten zu Rate gezogen.

Nicht alle kriegen Besuch
«Die Aufgabe der Besuche von Vereinen, Schulen oder Behörden übernimmt jeweils ein erfahrener, dienstälterer Polizist eines lokalen Polizeipostens. Er kennt die Region und die Leute und weiss, wo in der Bevölkerung seine Besuche auf Bedarf stossen und nützlich sind», sagt Metzler. Es gebe also keine klare Liste, wer von der Polizei besucht werde und wer nicht. Metzler betont dabei, dass die Kantonspolizei Thurgau mit dieser Massnahme niemandem Angst machen will. «Das Ziel ist es ganz klar, die Bevölkerung auf das Thema aufmerksam zu machen. Zudem sollen die Leute wissen, dass es eine Anlaufstelle für Betroffene gibt», sagt Metzler. Im Zentrum stehe, nebst der allgemeinen Sicherheit, auch der Schutz einzelner Personen. Die Polizei will Hilfe anbieten – für Radikalisierte oder ihr Umfeld.

Kontaktiere jemand die Anlaufstelle der Kapo, suche man mit allen Betroffenen das Gespräch. «Es geht nicht um eine Straftat, sondern um Vorbeugung, dass alle Betroffenen professionelle Hilfe bekommen», betont Metzler. Er befürchtet deshalb auch keinen Missbrauch des Angebots. «Das Projekt läuft nun schon seit ein paar Wochen. Bis jetzt ist bei uns noch keine Meldung eingegangen», sagt Metzler.