«Die Jäger sind das kleinste Problem»

Nach Meinung von Jagdaufseher Werner Hofmann aus Winden geht die Diskussion um längere Schonzeiten für Rehe am Kern des Problems vorbei. Wenn es den Tierschützern wirklich um die Sache gehe, würden sie den Jägern besser helfen.

Markus Schoch
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Egnach. Werner Hofmann ist schlecht auf Tierschützer Reinhold Zepf zu sprechen, der die Schonzeit für Rehe auf die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni ausdehnen will, was der Regierungsrat jetzt abgelehnt hat. Mit seiner Idee schiesse Zepf weit am Ziel vorbei, kritisiert Hofmann, der seit 1983 Jagdaufseher und Pächter im Jagdrevier Egnach ist – dem grössten im Kanton mit einer Fläche von rund 2340 Hektaren.

Gewichtiger Nachteil

Was der Tierschützer verlange, sei längst Praxis, kritisiert Hofmann. In den letzten 28 Jahren sei im Revier Egnach kein einziges weibliches Rehwild erlegt worden ausserhalb der Monate Oktober, November und Dezember. Zudem sei es in diesen drei Monaten verboten, Muttertiere zu schiessen. «Wer es trotzdem machen würde, wäre auf alle Zeiten verpönt», sagt Hofmann.

Insofern würde eine längere Schonzeit seiner Meinung nach nichts bringen. Sie hätte aber einen gewichtigen Nachteil: Die Jagd auf körperlich schwache Rehböcke würde faktisch verunmöglicht. Denn ab Anfang Juni würden sie den Jägern kaum mehr vor die Flinte kommen. Verdrängt von starken Rivalen, würden die verstossenen Tiere herumstreifen und überall Schäden an Bäumen und Sträuchern verursachen, an denen sie ihre Geweihe reiben und damit das Revier markieren. Die Jagd auf sie müsse deshalb weiter von Anfang Mai an möglich sein, fordert Hofmann.

Lieber helfen als bekämpfen

Wenn es Zepf wirklich um die Sache gehe, würde er besser mit den Jägern zusammenarbeiten statt sie aufs Korn zu nehmen, bietet Hofmann Hand zur Zusammenarbeit. Die Jäger seien nämlich das kleinste Problem für die Rehe. «Wir schiessen pro Jahr drei bis fünf, maximal sechs Tiere.» Jedes Jahr würden aber im Revier Egnach im Frühling allein bis zu fünf Kitze vermäht, wobei Hofmann von einer grösseren Dunkelziffer ausgeht.

«Den Rehen wäre deshalb schon viel geholfen, wenn uns Herr Zepf und seine Gesinnungsgenossen jeweils beim Verblenden der Heuwiesen helfen würde», sagt der Jagdaufseher. Auch bei der Anschaffung und Montage von Schutzeinrichtungen an den Strassen könnten die Jäger die Tierschützer gut gebrauchen. Jedes Jahr würden zwischen sechs und zehn Rehe im Revier Egnach dem Strassenverkehr zum Opfer fallen, sagt Hofmann. Darunter befänden sich auch immer trächtige Rehgeissen oder Muttertiere von unselbständigen Kitzen.

Gefahr drohe den Tieren darüber hinaus von wildernden Hunden und elektrischen Maschenzäunen.

«Sind auch Tierschützer»

Zepf stelle die Jäger mit seiner Kampagne in eine falsche Ecke, kritisiert Hofmann. «Wir sind auch Natur- und Tierschützer», betont er. Eine der Hauptaufgabe sei es, den Fuchsbestand klein zu halten. Er selber sei im letzten Jahr über 100 Mal als Jagdaufseher im Einsatz gestanden, bei Tag und Nacht, und immer ohne Lohn.