Die Igel sind schon wach

Wegen der hohen Temperaturen sind die Igel früher aus dem Winterschlaf erwacht. Jetzt suchen sie Nahrung. Roschi Schmitz von der Igelstation Kreuzlingen hat viele kranke Tiere aufgenommen. Jetzt sind auch Gartenbesitzer gefordert.

Sebastian Keller
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Ein Igel sitzt auf einem abgebrochenen Ast. Meistens suchen diese Tiere aber auf dem Erdboden Nahrung. (Bild: fotolia)

Ein Igel sitzt auf einem abgebrochenen Ast. Meistens suchen diese Tiere aber auf dem Erdboden Nahrung. (Bild: fotolia)

FRAUENFELD. Der Winterschlaf der Igel ist vorbei – wenn er überhaupt begonnen hat. «Wir haben den ganzen Winter Igel aufgenommen», sagt Roschi Schmitz von der Igelstation Kreuzlingen. Von Januar bis Anfang April waren es rund 40 Tiere. «Vielen geht es schlecht, sehr schlecht», sagt Roschi Schmitz und seufzt. Einige hätten Magen-Darm-Probleme. «Sie haben Durchfall, husten.» Andere seien durch Schnitte verletzt oder angefahren worden.

Wehe, wenn der Winter käme

«Für Igel ist der Winterschlaf Hochleistungssport», erklärt Hannes Geisser, promovierter Biologe und Direktor des Naturmuseums Thurgau. Während des Winterschlafs braucht der Körper des Säugetiers die Reserven auf, «die sich der Igel hoffentlich angefressen hat». Der Winterschlaf sei zudem Teil des Selektionsprozesses. Will heissen: Nicht jeder überlebt. Das frühere Erwachen einzelner Tiere erachtet Geisser nicht als Problem. Ein Problem wäre es, wenn der Winter für mehrere Wochen nochmals Einzug hielte. Im Mai 2013 war dies der Fall. Dann würden die Nahrungsquellen der Igel – die Insekten – versiegen. Wie der Biologe weiter erklärt, sei der Igel keine gefährdete Art. Geschützt ist er aber trotzdem: Igel jagen ist verboten.

Einige schlafen noch

«Es war kein richtiger Winter», sagt Lilian Ehrat von der Igelstation Frauenfeld. In ihren Aussenstationen schlafen einige noch. Als dramatisch schätzt sie die Situation nicht ein. «Igel sind Wildtiere, die lernen damit umzugehen.» Dass Igel im Frühling erkranken, sei nichts Ungewöhnliches. Andere Jahre sei dies aber eher später – im April oder Mai – der Fall. Eine ständige Gefahr sei mangelnde Nahrung.

Menschen können etwas tun

Lilian Ehrat rät Menschen, die etwas für Igel machen wollen, den Garten nicht zu sauber zu putzen. Und Igel nicht ins Haus zu nehmen. «Sie gehören in die Natur.» Das sieht auch Roschi Schmitz von der Igelstation Kreuzlingen so. Sie rät: ein Holzpalett in den Garten stellen und darauf den Kompost deponieren. «Dann haben die Igel ein Hotel, das sie schützt, und genügend Insekten.» Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten bittet um Vorsicht mit Rasenmäher und Mistgabel. Dadurch können Igel verscheucht, verletzt oder getötet werden.

Wie viele Igel es in der Schweiz gibt, ist nicht bekannt. Auch die Betreiberinnen der Igelstationen können keine Angaben für den Thurgau machen. Schätzungen des Vereins Pro Igel gehen von 60 000 bis 150 000 Tieren im ganzen Land aus.

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