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Die Ghostwriterin

ST. GALLEN. Die Thurgauerin Brigitte Järmann schreibt Texte. Veröffentlicht werden sie aber oft unter anderem Namen. Ein Porträt mit Interview von Marc Keller (Text) und Urs Bucher (Bilder).
Brigitte Järmann hat schon als Jugendliche stark darauf geachtet, wie Texte formuliert sind. Die Ghostwriterin stammt aus Bischofszell. (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))

Brigitte Järmann hat schon als Jugendliche stark darauf geachtet, wie Texte formuliert sind. Die Ghostwriterin stammt aus Bischofszell. (Bild: Donato Caspari (Donato Caspari))

«Ich muss meine Art zu denken, zu fühlen und zu handeln ganz zurückstellen», sagt Brigitte Järmann. Die 45-Jährige ist Ghostwriterin. Sie schreibt Texte, die nicht unter ihrem, sondern unter dem Namen ihrer Kunden erscheinen. Diese sind Politiker, Unternehmer oder Künstler, sie gehören einem Sportverein oder einer sozialen Organisation an. «Es geht darum, Stil und Sichtweise des Kunden vollständig zu übernehmen», sagt Järmann. Er sagt ihr, was er wünscht, und sie schneidet den Text so auf ihn zu, dass er seinem Kopf und seiner Feder zu entstammen scheint. «Ich muss beim Schreiben so weit in den Hintergrund treten, dass ich hinter dem Text verschwinde.»

Brigitte Järmann ist in Bischofszell aufgewachsen. Heute lebt sie in Abtwil, teilt sich Wohnung und Garten mit ihrer Katze. Sie arbeitet für die Complecta GmbH, eine Agentur für Text und Konzept in St. Gallen. An schönen Tagen geht sie die 30 Minuten zu Fuss zu ihrem Arbeitsplatz, der abgeschieden unterhalb der Fürstenlandbrücke liegt, im Areal der ehemaligen Färberei Sittertal. Sonst nimmt sie den Bus.

Vielfältiger Beruf

Am Morgen im Büro schaltet Brigitte Järmann als erstes die Kaffeemaschine ein. Dann setzt sie sich an ihren Schreibtisch, auf dem ein «kreatives Chaos herrscht», wie sie sagt. Kreativität ist Grundvoraussetzung in ihrem Beruf. «Es geht nicht nur darum, einen Inhalt zu vermitteln», sagt sie. «Man muss es auf originelle Weise tun.»

Wenn die Thurgauerin einen Auftrag erhält, prüft sie, ob sie vom Kunden weitere Angaben benötigt. Dann geht es ans Recherchieren. «Vielfach weiss ich nichts oder nur wenig über das Thema oder die Branche», sagt Järmann. Denn die Aufträge sind vielfältig, immer wieder lernt sie ganz neue Bereiche kennen: Sie beschäftigte sich schon detailliert mit Altersdemenz, der UNO-Kinderrechtskonvention oder mit Ultraschall-Schweisstechnologie.

«Ich nehme jeden Auftrag an, solange er für mich moralisch vertretbar ist», sagt sie. Wegen seines frauenverachtenden Inhalts lehnte sie einst einen Auftrag ab. Auch die Textgattungen sind vielfältig: Sie reichen von Reden und Vorträgen über Briefe, Werbetexte, Broschüren, Artikel in Fachmagazinen bis hin zu Slogans und Produktenamen.

Bei grossen Aufträgen erstellt Brigitte Järmann ein Konzept, das sie dem Kunden vorlegt. Segnet er es ab, setzt sie es um.

Brigitte Järmann ist gelernte Arzt- und Tierarztgehilfin. «Ich hatte aber schon immer eine Affinität zum Schreiben», sagt sie. «Und ich lese sehr gerne.» Schon als Jugendliche habe sie Texte nicht nur bezüglich ihres Inhalts beurteilt. «Ich achtete stark auf die Formulierung.» Es war daher ihr Wunsch, beruflich in diese Richtung zu gehen. Vor acht Jahren begann sie als Praktikantin in der Complecta. Daraus wurde eine Festanstellung und sie machte begleitend die Ausbildung zur PR-Fachfrau am Schweizerischen Public Relations Institut in Zürich.

In bundesrätlicher Mission

Ghostwriting ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Die 45-Jährige schreibt auch journalistische Texte unter ihrem Namen.

Als Ghostwriterin hat sie schon mehrfach ganz spezielle Aufträge erledigt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Auftrag, den sie vor sieben Jahren von drei Künstlern erhalten hatte. Diese baten sie, einen Brief an einen damaligen Bundesrat zu schreiben und diesen zu bitten, das Vorwort für ihr neues Buch zu verfassen. Der Bundesrat sagte zu, wendete sich aber seinerseits an Brigitte Järmann. «Er hatte keine Zeit und bat mich, das Vorwort in seinem Namen zu verfassen.» Hierfür hatte sie einen halben Tag Zeit. «Welcher Bundesrat das war, verrate ich natürlich nicht. Das ist mein Berufsgeheimnis.»

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