Die Geschichte isst mit

STECKBORN. Karin Peter und Richarda Ernst kochen mit historischem Hintergrund. Zum grossen Jubiläum des Konstanzer Konzils etwa lassen sie mittelalterliche Pastetenrezepte aufleben. Mobile Küchen verkauften die Pasteten damals auf der Strasse.

Gudrun Enders
Drucken
Karin Peter und Richarda Ernst arbeiten mit historischen Kochbüchern und modernem Küchengerät. (Bild: Reto Martin)

Karin Peter und Richarda Ernst arbeiten mit historischen Kochbüchern und modernem Küchengerät. (Bild: Reto Martin)

STECKBORN. Sie kochen nach Comic. Und das kommt so: Ulrich von Richental erlebte das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 als Zeitzeuge mit und verfasste eine reich bebilderte und detaillierte Chronik. Die wird mitunter auch als Comic aus dem Mittelalter bezeichnet. Darin beschrieb Richental auch, wie die vielen internationalen Gäste in Konstanz verköstigt wurden.

Das Konzil als Kocherlebnis

«Damals hielten sich 1000 Menschen zusätzlich in Konstanz auf», sagt Karin Peter aus Steckborn. Mit ihrer Kollegin Richarda Ernst aus Ermatingen lässt sie diese Zeit im Hinblick auf das 600-Jahr-Jubiläum kulinarisch auferstehen. «Die vielen Gäste wurden aus der Region versorgt», sagt Peter. Mobile Bäckereien seien damals von Italienern betrieben worden, die in Konstanz Pasteten verkauften. Die wurden auf der Strasse aus der Hand gegessen. «Streetfood gab's schon im Mittelalter», sagt Richarda Ernst. Die beiden Frauen bieten seit gut einem Jahr Kochanlässe mit historischem Hintergrund an. «Genusszeit» nennen sie sich. Die Initialzündung erlebten sie dank der Sonderausstellung «Zu Tisch» im Napoleonmuseum, in dem beide Frauen auch Führungen machen. Sie konzipierten anlässlich dieser Sonderausstellung einen Kochkurs. Das war 2010. Danach ging's weiter. Im Kursprogramm des LBBZ Arenenberg etwa sind die beiden mit dem Kochereignis «Geniessen wie zu Napoleons Zeiten» vertreten. Mit den Kursteilnehmern kochen sie dort französische Klassiker vor historischem Hintergrund, schliesslich gehörte Königin Hortense und ihrem Sohn Kaiser Napoleon III. der Arenenberg einmal.

Küchengeräte im Einsatz

Die beiden Frauen passen die historischen Rezepte durchaus an die heutige Zeit an. Sie setzen technische Küchenhelfer ein und tragen dem verminderten Kalorienbedarf des modernen Büromenschen Rechnung. Bislang sind die zwei Frauen mit ihren Koch-Ereignissen noch auf der Stör. Auf Anfrage konzipieren sie auch ein Menu, das etwa der Geschichte und Esskultur eines speziellen historischen Hauses Rechnung trägt, und kochen dann vor Ort. Ansonsten mieten sie sich für ihre Kochanlässe etwa in der «Köchlerei» von Steckborn ein. Sie sind noch auf der Suche nach einem Zuhause. Sie suchen eine alte Fabrik, einen Schopf oder ein Gewächshaus – gerne am Untersee.

www.genusszeit.ch