Die Gemeinde leidet mit

Wenn Müller Martini den Standort in Felben-Wellhausen schliesst, hat das auch Auswirkungen auf die Gemeinde. So hätte sich die Zahl der Arbeitsstellen in den vergangenen fünf Jahren halbiert – trotz wachsender Bevölkerung.

Markus Zahnd
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Wohl bald Vergangenheit. Die Müller Martini plant, den Standort Felben-Wellhausen zu schliessen. (Bild: pd)

Wohl bald Vergangenheit. Die Müller Martini plant, den Standort Felben-Wellhausen zu schliessen. (Bild: pd)

FELBEN-WELLHAUSEN. Werner Künzler hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Auch einen Tag nach der für ihn überraschenden Nachricht, dass Müller Martini den Standort in Felben-Wellhausen wohl schliessen wird, glaubt der Gemeindeammann an eine Wende zum Guten. Denn eines ist für ihn klar: «Die Schliessung wäre nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Gemeinde ein herber Verlust, es ist der grösste Arbeitgeber.» Mit einem weiteren Abbau habe er gerechnet, aber nicht gleich mit der Schliessung, sagt Künzler.

Anderer Arbeitsort nützt nichts

In erster Linie denkt der Gemeindeammann aber an die Betroffenen. «Ich kenne Familien, da arbeiten beide Elternteile bei Müller Martini. Ihnen steht eine besonders harte Zeit bevor.» Vielen würde es nichts nützen, eine Stelle an einem anderen Standort angeboten zu erhalten, glaubt Künzler. Der Gemeindeammann denkt aber auch an die 39 Lehrlinge, die jetzt ihre Ausbildung anderswo abschliessen müssen. «Nebst den Arbeitsplätzen gehen bei einer Schliessung auch wertvolle Lehrstellen in der Region verloren.» Zudem hat er gehofft, dass zumindest die Buchbinde-Akademie erhalten bleibt, jene Gäste hätten den regionalen Hotels zahlreiche Übernachtungen gebracht.

Die Auswirkungen für die Gemeinde könne er derzeit noch nicht abschätzen, aber die Schliessung würde deutlich zu spüren sein. Zum einen bei den Steuereinnahmen, schliesslich wohnen auch viele in Felben-Wellhausen, die bei Müller Martini arbeiten. «Zum anderen ist es auch so, dass die Firma ein grosses Strompaket gekauft hat.» Das würde dann nicht mehr benötigt. Doch auch in einem anderen Punkt ist die Gemeinde gefordert: «Eine wichtige Frage wird sein, was mit dem grossen Areal geschieht. Dieses müsste bei einer Schliessung wieder mit Leben gefüllt werden.»

«Kaum zu kompensieren»

Seit Donnerstag zeichnet sich also ab, dass in der Gemeinde bald weitere knapp 300 Arbeitsplätze abgebaut werden. Damit hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in Felben-Wellhausen in den vergangenen fünf Jahren halbiert. «2008 gab es rund 1200 Arbeitsplätze, bald könnten es nur noch 600 sein», sagt Künzler mit grossem Bedauern. In den vergangenen Jahren haben sich zwar auch kleine Unternehmen im Dorf angesiedelt, «ein solcher Verlust ist aber kaum zu kompensieren». Die Gemeinde werde aber alles in ihrer Macht Stehende versuchen. «Wir können Ansiedelungen dadurch unterstützen, indem wir zum Beispiel Baugesuche speditiv erledigen.» Zudem seien die Verkehrsanbindungen gut.

So sei die Gemeinde sonst auf gutem Weg, sagt Künzler. Die Einwohnerzahl hat sich in den vergangenen 30 Jahren – 1983 schlossen sich Felben und Wellhausen zur Einheitsgemeinde zusammen – nahezu verdoppelt, aktuell zählt die Gemeinde rund 2600 Einwohner. Ein Teil davon sei auch wegen der Anstellung in der Müller Martini hierher gezogen, sagt Künzler.

Beratung im Gemeinderat

Am Montag wird sich der Gemeinderat erstmals über die Situation Gedanken machen. Wie es danach weitergeht, weiss Künzler noch nicht. «Wir müssen abwarten.» Den endgültigen Entscheid über die Zukunft des Standortes Felben-Wellhausen fällt die Geschäftsleitung Mitte August. Bis dahin hofft Künzler weiter.

Werner Künzler, Gemeindeammann Felben-Wellhausen. (Bild: Nana do Carmo)

Werner Künzler, Gemeindeammann Felben-Wellhausen. (Bild: Nana do Carmo)