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Die freundlichen Eindringlinge

Zwei Verkäufer wollen einem Thurgauer Ehepaar hochpreisige Matratzen andrehen. Sie schaffen es sogar ins Schlafzimmer – immer mit einem Lächeln im Gesicht. Dabei betont die Frau mehrfach, sie wolle das nicht.
Ida Sandl
Sind den Verkäufern nicht auf den Leim gegangen: Margrith und Gustav Sidler. (Bild: Reto Martin)

Sind den Verkäufern nicht auf den Leim gegangen: Margrith und Gustav Sidler. (Bild: Reto Martin)

Sie hätte energischer sein sollen. Entschiedener. Mit der Polizei drohen. Das denkt Margrith Sidler aus Pfyn heute. «Beim nächsten Mal würde ich es vielleicht tun.» Aber das ist nicht so einfach. Denn die beiden Männer, die ihr und ihrem Mann Gustav Matratzen verkaufen wollten, waren ausgesprochen freundlich. Sie sagt: «Die haben immer gelächelt.»

Gleichzeitig seien sie aber auch sehr aufdringlich gewesen. «Sie haben unsere Höflichkeit regelrecht ausgenützt.» Solche Verkäufer liessen sich nicht so einfach abwimmeln. Deshalb will Margrith Sidler, die langjährige Präsidentin der Pro Senectute Thurgau, andere warnen.

Eine Umfrage vorgegaukelt

Die Geschichte beginnt mit einem Telefonanruf. Ob Sidlers an richtig guten Matratzen interessiert seien. Nein, sagt Gustav Sidler. Sie hätten erst neue Matratzen gekauft. Das sei kein Problem. Es handle sich nur um eine Umfrage, am nächsten Tag käme jemand bei ihnen vorbei. Sie könnten den Termin aber auch telefonisch absagen. Punkt. Gespräch beendet. Das Ehepaar will die ungebetenen Besucher wieder ausladen, doch ein Rückruf ist unter der angegebenen Nummer nicht möglich.

Am nächsten Tag stehen dann wirklich zwei Männer vor der Tür, einer um die 40, der andere etwa Mitte 50. Deutsche, eher kräftig gebaut. Auf ihrem Auto ist der Schriftzug «Medifit» aufgedruckt. Kein Interesse an neuen Matratzen, stellt Margrith Sidler schon an der Haustüre klar. Sie seien nur wegen der Umfrage hier. «Dauert höchstens 15 Minuten», sagen die Männer und lächeln. Zum Beweis legen sie die Tragetasche mit den Verkaufsmustern zurück ins Auto.

Sidlers wollen nicht unfreundlich sein und lassen sie ins Haus. «Mein Mann hat ihnen sogar noch Kaffee serviert.» Die Umfrage besteht vor allem darin, dass die Verkäufer wissen wollten, was Sidlers für ihre Matratzen bezahlt hätten.

Es wird viel geredet, viel gelächelt. Sie würden Sidlers so gerne ihre super Matratzen vorführen, sagen die Männer. Am besten im Schlafzimmer. «Das will ich nicht.» Mindestens dreimal habe sie das gesagt, aber die Männer beachten Margrith Sidler gar nicht. Sie stehen auf, holen die Tasche aus dem Auto.

«Sie haben uns regelrecht gedrängt, ihnen den Weg ins Schlafzimmer zu zeigen.» Dort hätten die Fremden das Leintuch zurückgezogen und die mitgebrachte Matratze ausgebreitet. Bereit zum Probeliegen. Margrith Sidler ist empört, sie empfindet die Demonstration im Schlafzimmer als Eingriff in ihre Privatsphäre. Zurück in der Stube, nennen die Männer Preise, rechnen Rabatte aus, die neue Preise ergeben. Sidlers Beteuerungen, dass sie wirklich keine Matratzen brauchen, werden ignoriert. «Das war wie beim billigen Jakob», sagt Gustav Sidler.

Margrith Sidler bittet die Verkäufer schliesslich inständig, zu gehen. Die Männer verabschieden sich tatsächlich. Das Ehepaar solle in Ruhe über das Angebot nachdenken, schlagen sie vor. «Wir rufen morgen wieder an.» Der Anruf kommt am nächsten Tag wie angekündigt. Zum wiederholten Mal erklärt Gustav Sidler, er und seine Frau möchten keine neuen Matratzen. Diesmal kommt die Botschaft an. Die Männer melden sich nicht mehr.

Strafbare Verkaufsmethoden

«Solche Verkaufsmethoden sind äusserst aggressiv und fragwürdig», sagt Michael Grütter von der Stiftung für Konsumentenschutz. Es würden irreführende oder unrichtige Angaben über die Art der Veranstaltung gemacht. Nach Grütters Ansicht verstösst dies gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb und sei damit strafbar.

Die Verkäufer gaben sich als Mitarbeiter der Firma Medifit aus. Das Unternehmen mit Sitz in Wollerau schreibt auf Anfrage: «Ein solches Verhalten entspricht in keinem Fall unserer Firmenphilosophie.» Es werde auch nicht toleriert. Man habe die Mitarbeiter befragt, aber nicht herausfinden können, um welchen Vorfall es sich gehandelt haben soll. Die Firmensprecherin mutmasst deshalb, es sei möglich, dass es gar keine Medifit-Verkäufer gewesen seien. Es sei schon häufig vorgekommen, «dass fremde Unternehmen mit dem Namen Medifit das Vertrauen der Kunden ausgenutzt haben».

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