Die Eselinger feierten drei Tage

BERLINGEN. Aus Berlingen wird nach uraltem Brauch zur Fasnachtszeit Eselingen. Viele Legenden ranken sich darum. Gefeiert wurde im Eselstall, und am Sonntag zogen die Narren durch die Strassen.

Ingrid Meier
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«Mami lueg, was isch das für es Tier?», ruft ein etwa dreijähriger Knirps aufgeregt. «Das isch keis Tier, das isch en koschtümierte Esel», antwortet die Mutter sachlich. Die mannsgrossen Grautiere verteilen am Samstag das «Eselinger Narrenblatt», dieses ist stolze 33 Jahre alt und dieses Jahr 12 Seiten stark. Darin wird alles aufgelistet, was sich die Eselinger so das Jahr durch an Fehltritten geleistet haben. Ein geläufiger Spruch ist denn auch in Berlingen: «Pass uf, susch chunsch is Narreblatt.

» Punkt 4 Uhr beginnt am Samstag die offizielle Fasnacht mit dem Setzen des Narrenbaumes auf der Stedi, gespickt mit Schandzetteln des «Eselinger Kultursündikats». Viele neugierige Dorfbewohner haben sich eingefunden und lachen über die träfen Sprüche.

Treffpunkt Stedi

Die Dixie-Crash-Band Heugümpers und Velopümpers, auch Dorfgugge genannt, stimmt musikalisch auf die Fasnacht ein. Anschliessend verkündet sie, dass sie nun in ein Alter komme, wo man manches vergesse.

Darum habe sie eine Chronologie ihrer bewegten musikalischen Vergangenheit, mit der Gründung ihrer Band 1974 bis zum 35-Jahr-Jubiläum, erstellt. Das Heft umfasst 60 Seiten mit über 400 Bildern und steht für ihre Fans nun zum Verkauf. Abends geht es dann weiter mit dem Fasnachtsball im Eselstall. Es wird gelacht, geschunkelt, auf Tisch und Bänke gestiegen.

Am Sonntag um 14.01 Uhr startete der Fasnachtsumzug vor dem Schulhaus. Viele Gäste aus dem Thurgau waren mit dem Zug angereist. Das Motto des Fasnachtswagens: «Die Post geht ab». Bezug nehmend auf die Schliessung der Poststelle war der Wagen wie ein Päckli eingewickelt. Der Umzug geht in Schleifen durch das Dorf, vorbei am Bahnhof, begleitet von einer kostümierten Formation der Musikgesellschaft Berlingen. Auf der Stedi ist dann Endstation, hier besammelt sich die fröhliche Narrengemeinde.

Gemeinsam mit der Musikgesellschaft wird gesungen, und der abschliessende Höhepunkt ist die vom siebenköpfigen «Kultursündikat» vorgetragene Auflistung der Eselinger Missgeschicke, der Refrain wird von dem lachenden Publikum mitgesungen, und Rosario Cangelosi unterstreicht dies auch noch mit gemalten Plakaten.

Wer den Schaden hat…

Am Montag, dem letzten er närrischen Eselinger Tage, folgte nach dem Kindermaskenball am Nachmittag die beliebte Beizenfasnacht

mit den alten Wiibern, die mit ihren Schnitzelbänken die Eselinger nochmals tüchtig aufs Korn nahmen. Fazit: Berlinger müssen wohl das ganze Jahr auf der Hut sein, denn ein Missgeschick erscheint entweder am Narrenbaum, im «Eselinger Narrenblatt» oder wird von den alten Wiibern an der Beizenfasnacht verkündet. Getreu dem Motto: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.