Die Ersten sind die Letzten

In der Kantonsverwaltung wird viel Kaugummi gekaut. Mindestens 1120 mussten es bisher gewesen sein. Denn so viele Kaugummis beinhalteten die 16 runden Stimorol-Kaugummi-Behälter einst, bevor sie gestern bei der Ziehung der Listennummer für die Nationalratswahlen als Loskugeln dienten.

Michèle Vaterlaus
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Rainer Gonzenbach öffnet eine Kugel – Gabriela Tomes und Margrit Walt sind gespannt, welche Partei auf dem Zettel steht, der darin liegt. (Bild: Donato Caspari)

Rainer Gonzenbach öffnet eine Kugel – Gabriela Tomes und Margrit Walt sind gespannt, welche Partei auf dem Zettel steht, der darin liegt. (Bild: Donato Caspari)

In der Kantonsverwaltung wird viel Kaugummi gekaut. Mindestens 1120 mussten es bisher gewesen sein. Denn so viele Kaugummis beinhalteten die 16 runden Stimorol-Kaugummi-Behälter einst, bevor sie gestern bei der Ziehung der Listennummer für die Nationalratswahlen als Loskugeln dienten. 16 Kugeln, weil am Montag, dem ersten Tag für die Einreichung der Wahlvorschläge, 16 Listen bei der Staatskanzlei Thurgau eingegangen sind.

Den Weg ins Regierungsgebäude zur gestrigen Los-Ziehung hatte nur eine Handvoll Politiker gefunden. Die Spannung hielt sich deshalb in Grenzen. «Natürlich ist das nicht so spannend wie die Ziehung der Lottozahlen an einem Samstagabend», sagte Staatsschreiber Rainer Gonzenbach. Um alles dennoch etwas prickelnder zu gestalten, liess Margrit Walt, Leiterin des Rechtsdienstes der Staatskanzlei, die Nummern von hinten nach vorne ziehen. Die Ersten werden deshalb die Letzten sein. Glücksfee spielte, wie es Tradition ist, eine Lehrtochter: Die Ehre fiel Gabriela Tomes zu.

Der Zufall entscheidet

Sie durchmischte die Kugeln nochmals, bevor sie eine zog und diese an Rainer Gonzenbach überreichte. Er las laut vor: «Die Listennummer 16 bekommt die SVP». Weiter ging es: die Nummer 15 fällt der Jungen EDU zu, es folgten die Jungen Grünen. Für die Grüne Partei ist zu hoffen, dass sie nicht allzu abergläubische Kandidaten hat, denn ihr fällt die Nummer 13 zu. Es folgen EDU Gewerbe, die Juso, die CVP, die GLP und die Junge SVP. Listennummer 7 bekommt eine neue Gruppierung: die Grüne Panther-Seniorenliste. Die Kandidaten gehören der Grünen Partei an und stehen entweder kurz vor der Pension oder sie sind bereits pensioniert.

Es geht rasch weiter. Die Nummer 6 bekommt die FDP, die 5 die EVP und die Junge CVP die 4. Die ersten drei Listennummern sind noch unter der SP, der EDU und der BDP zu vergeben. Letztere bekommt die 3, die 2 trägt die EDU und – wenn alles richtig lief, müsste die SP die 1 bekommen. Alles passt. Die Sozialdemokraten bekommen die 1.

Weitere Listen folgen

Dann wurde es etwas ernster. Margrit Walt betonte nach der Ziehung: «Die Listen sind noch nicht bereinigt. Die Nummern stehen damit unter dem Vorbehalt, dass alle Listen gültig und richtig sind.» Bis gestern sind bei der Staatskanzlei auch drei Wahlvorschläge für den Ständerat eingegangen: Es sind dies die bisherigen Ständeräte Roland Eberle (SVP) und Brigitte Häberli (CVP) sowie Klemenz Somm (GLP). Bis am 24. August können sich noch Kandidaten melden.

Weitere Nationalratslisten können ebenfalls eingereicht werden, jedoch nur bis am 10. August. Im Laufe dieser Woche wird die Staatskanzlei sicher noch zwei weitere Listen bekommen. Angekündigt haben diese die Jungfreisinnigen. Ihr Ziel ist es, dass ihre beiden Listen nebeneinander aufgeführt werden. Auf das glückliche Händchen von Gabriela Tomes wollten sich die Jungfreisinnigen aber nicht verlassen. Nichtsdestotrotz hatte Tomes Spass an ihrer Arbeit als Glücksfee. «Ich fühle mich geehrt.»