Die eisernen Ladys von nebenan

Turmspatz

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Ein durchgeschüttelter Steckborner Turmspatz landet auf meinem Nestrand am Diessenhofer Siegelturm.«Jetzt haben sie es geschafft, lieber Cousin», keucht er. «Was ist los?», will ich wissen. «Armer Siegelturmtschilper.» Er schaut mich mitfühlend an. «Bei euch sind die Frauen auf der Überholspur. Alle. Und ihr Männer habt das Nachsehen.» Er macht mit dem Flügel eine grosse Bewegung, die im Westen beginnt und den halben Horizont umfasst. «Sie hat ihren Leuten doch nur ein schlankes Baureglement präsentiert», sage ich und denke an die Präsidentin hinter dem Buechberg, die ihre Gemeinde vorwärtsbringen will. «Die Schlatterin ist ja nicht die einzige Bedrohung», erklärt der Turmspatz geduldig.

«Denkst du etwa an die Kanzlerin hinter der Grenze? Die beschäftigt sich nicht mit dem Süden ihres Landes, die träumt von Jamaica.» – «Sie sind überall», flüstert er, «auch rheinaufwärts tut sich etwas.» – «Meinst du die Wahlen im Kanton Schaffhausen? Die sind wirklich eine neue Herausforderung für die ehemalige Stadtpräsidentin von Stein am Rhein. Aber die hat das falsche Parteibuch.» – «Trotzdem. Wenn jetzt noch im Süden eine Frau an die Macht kommt, seid ihr umzingelt.»

«Komm mal mit.» Ich flattere voraus, mein Cousin folgt mir bis nach Basadingen und wir folgen beim Entsorgungsplatz dem Gemeindearbeiter zur Scheune, dort wirft er die herumstehenden Kartonschachteln in einen Behälter. «Gleich kommt es.» Nun drückt der Arbeiter einen Knopf und mit Getöse presst die Maschine den Karton zusammen. Plötzlich springen fünf schrill piepsende Mäuse aus dem Kartongewusel und laufen davon. «Solange einige Männer ihre Pizzaresten mit der Verpackung entsorgen, so lange können wir hier im Süden die Frauen weiterhin in Schach halten.»