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Die eiserne Lady des Thurgaus

Sie sei konfrontativ und habe ein überholtes Familienbild, sagen die einen, aber Verena Herzogs Fleiss beeindruckt Freund und Feind. Nun wird die SVP-Politikerin Nationalrätin. Ihr Weg dorthin hat an einem Elternabend begonnen.
Marc Engelhard
Verena Herzog führt in der Winterthurer Zahnarztpraxis die Angestellten, Lea Wyser (l.) ist in Ausbildung. (Bild: Nana do Carmo)

Verena Herzog führt in der Winterthurer Zahnarztpraxis die Angestellten, Lea Wyser (l.) ist in Ausbildung. (Bild: Nana do Carmo)

WINTERTHUR. Verena Herzog steht in einem kleinen Pausenzimmer und überlegt sich, ob sie noch einen weiteren Kaffee verträgt. Von der Decke hängt eine hundertjährige Lampe, die Stuckatur der Wände ist grün, das Parkett knirscht. Die kieferorthopädische Praxis ihres Mannes ist in einem Altbau mitten in der Winterthurer Altstadt. Herzog ist in Winterthur aufgewachsen, war hier viele Jahre Kindergärtnerin und spricht noch immer den Dialekt. Sobald sie die Tür zum Rest der Klinik aufstösst, ist es vorbei mit dem Altbaucharakter. Dann steht Verena Herzog in dem sterilen Behandlungszimmer des Ärztezentrums, in dem sie die Administration leitet und die Angestellten führt. Sie muss auf den Zug nach Bern: Die neue SVP-Nationalrätin des Thurgaus ist zur Fraktionssitzung eingeladen.

Am 4. März wird Herzog im Bundeshaus den Eid ablegen. Im Nationalrat will sie sich einerseits dem Gewerbe und Gesundheitswesen widmen. Andererseits setzt sie weiter auf das Thema, mit dem sie sich im Thurgauer Grossen Rat einen Namen gemacht hat: der Familien- und Bildungspolitik. Wenn sie über ihre Ziele spricht, vergisst Herzog nie zu lächeln. Mit offener Hand unterlegt sie, was sie sagt. Sie will sich dafür einsetzen, dass der Bund die Hochschul- und die Berufsbildung gleich gewichtet. Sie will nur eine Fremdsprache an der Primarschule und die Grundfächer wie Deutsch, Mathematik und Werken stärken. Herzog wird in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur arbeiten.

Anfang macht ein Elternabend

Die Themen Familie und Bildung haben in Verena Herzog das politische Feuer entfacht. Ihre Karriere beginnt in den 90er-Jahren – bei einem Elternabend in Frauenfeld, an dem Herzog auf Werner Dickenmann trifft. Der heutige alt Stadtrat der SVP und Herzog haben Kinder in der gleichen Klasse.

Die bürgerlichen Meinungen der beiden Eltern decken sich. Dickenmann schlägt Herzog vor, für die Primarschulbehörde zu kandidieren. 1997 schafft sie den Sprung. Dickenmann fördert sie weiter, Herzog kommt 2004 auf die Liste der SVP für den Kantonsrat. Sie verliert zunächst, rückt aber 2007 nach. «Sie ist sehr fleissig, arbeitet sich ein, vertritt ihre Standpunkte», sagt Dickenmann. «Es ist wahnsinnig toll, dass sie es in den Nationalrat geschafft hat.»

Zwei Männer stehen im Weg

Gleich im darauffolgenden Jahr ihrer Wahl in den Grossen Rat wird sie zur Nationalratskandidatin. Sie verpasst den Einzug, fortan ist das Ziel aber klar: Verena Herzog will nach Bern. Sie schreibt sich an der Universität St. Gallen ein und schliesst die Weiterbildung für Politik dort ab. Doch dann stehen ihr zwei Männer im Weg.

Zuerst verzichtet J. Alexander Baumann darauf, vorzeitig aus dem Nationalrat zurückzutreten. Verena Herzog wäre nachgerückt. 2012 verliert sie bei den Nationalratswahlen gegen Parteikollege Markus Hausammann. Erst als Peter Spuhler den Nationalrat verlässt, rückt sie nach. Haben die Niederlagen geschmerzt? Verena Herzog denkt nach, ihr Blick schweift kurz nach oben. Dann antwortet sie trocken: Nein. Das seien keine Niederlagen gewesen, so laufe es in der Politik. Auch hat sie nicht das Gefühl, dass sie als Frau hinten anstehen musste.

Peter Spuhler hinterlässt grosse Fussstapfen in der Wirtschaftspolitik, der sich auch Herzog annehmen will. Noch ist sie hier ein eher unbeschriebenes Blatt und ihre Ziele wirken – anders als in der Bildungspolitik – nicht eigenständig: gesunde Staatsfinanzen etwa und sichere Arbeitsplätze.

Familienbild in Frage gestellt

Doch weder Freunde noch Gegner bezweifeln, dass Herzog das aufarbeitet. Edith Wohlfender hat als Kantonsrätin in gemeinsamen Kommissionssitzungen Familien- und Schulthemen aus Sicht der SP vertreten. «Herzog hat sich immer gut vorbereitet, das hat sie ausgewiesen. Sie wird sich ihren Platz schaffen», sagt sie. CVP-Kantonsrätin Carmen Haag ist wie Herzog Mitglied der KMU Frauen Thurgau. Man müsse ihr Zeit geben im Nationalrat, sagt Haag. Sie habe Herzog in Diskussionen als konfrontativ erlebt. Dabei habe das Weiche und Verbindende gefehlt, was man sonst eher bei einer Frau erwarte.

Wohlfender sagt, Herzog vertrete das traditionelle Familienbild mit dem Prinzip, dass nur ein Elternteil arbeiten solle. «Das entspricht aber nicht der heutigen gesellschaftlichen Realität.»

Ihre Kinder helfen bei Vorträgen

Doch Verena Herzog hat das vorgelebt. Nachdem sie mit ihrem Mann Guido eine Familie gegründet hat, kündigt Herzog als Kindergärtnerin in Winterthur und zieht später nach Frauenfeld. Herzog ist fortan Mutter im Thurgau. Erst als ihre drei Kinder alt genug sind, startet sie eine zweite Karriere in der Politik. Im Hintergrund unterstützt sie ihr Mann Guido und berät sie. Ehrliche Menschen sind Verena Herzog wichtig. Deshalb braucht sie vor Referaten ihre Kinder: Manchmal liest sie ihnen die Vorträge vor, bevor sie diese hält.

Keine Lust auf Berufspolitikerin

Um Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen, tritt Herzog im Kanton kürzer. Sie ist nicht mehr Gemeinderätin, Kantonsrätin und nicht mehr Präsidentin der Bezirkspartei. Auch in der Praxis ihres Mannes wird sie bei Sessionen fehlen. Ganz aufgeben will sie den Job aber nicht. Verena Herzog möchte keine Berufspolitikerin sein.

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