Die drogensüchtigen Babies in Münsterlingen

Das Baby reibt immer wieder seine Wange, bis es sie aufgekratzt hat. Es zittert und leidet. Seine Mutter hat während der Schwangerschaft Methadon genommen, seit seiner Geburt ist auch das Kind abhängig.

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Das Baby reibt immer wieder seine Wange, bis es sie aufgekratzt hat. Es zittert und leidet. Seine Mutter hat während der Schwangerschaft Methadon genommen, seit seiner Geburt ist auch das Kind abhängig.

Solche Fälle sind in Münsterlingen nicht selten. Die Klinik für Kinder und Jugendliche hat einen Leistungsauftrag vom Kanton und ist seit über 20 Jahren spezialisiert auf Drogenentzug bei Neugeborenen. Chefarzt Christoph Stüssi sagt: «Mütter müssen sich unbedingt einem Arzt anvertrauen, wenn sie regelmässig Drogen oder Medikamente während der Schwangerschaft nehmen.» Je früher sie sich melden, desto besser könnte das Team der Kinderklinik ihnen helfen. Das Problem sei, dass sich Eltern häufig erst bei der Geburt melden. Dann sei eine gute Vorbereitung des Entzugs schwierig.

Der Entzug der Neugeborenen dauert mehrere Wochen. Die Klinikmitarbeiter müssen den Babies weiterhin Drogen verabreichen, immer in geringeren Dosen, bis die Kinder nicht mehr abhängig sind. Ziel sei nicht nur der Drogenentzug. Die Klinik sei auch bemüht, den Eltern beizustehen, sie zu beraten und so ein Umfeld zu schaffen, in dem das Kind behutsam aufwachsen kann.

Eine schwangere Frau in einem Entzugsprogramm sollte laut Stüssi weiterhin Methadon nehmen, selbst wenn das Kind danach auch abhängig ist. «Die Entzugserscheinungen der Mutter würden sonst das Baby stark gefährden und könnten zum Verlust der Schwangerschaft führen.» (men)