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Die drei Plagen des Detailhandels

Interview mit Elisabeth Steiner, Präsidentin der IG Fit
Stefan Hilzinger

Elisabeth Steiner, wenn Sie Ärztin wären, welche Diagnose würden Sie den Frauenfelder Fach­geschäften stellen?

Ich stelle drei Problembereiche fest: Es gibt Branchen, die irgendwie einfach verschwinden, wie eben die Fotogeschäfte. Man stellt dort keine Passbilder mehr her. Bringt keine Filme mehr ­vorbei. Es werden keine Abzüge mehr gemacht. Alles geschieht zu Hause am Computer. Es ist für mich ein ähnlicher Wandel wie bei den Medien. Dagegen kann man sich nicht wehren. Als Zweites dazu kommt der Einkaufstourismus. Konstanz ist eine schöne Stadt, man fährt gerne dorthin, um einzukaufen, auch wenn der Euro aktuell wieder etwas stärker ist. Und das dritte Problem ist der Onlinehandel.

Was können die Fachgeschäfte dagegen unternehmen?

Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Einfach weiterstrampeln und neue Geschäftsfelder suchen, immer wieder etwas Neues probieren, frische Produkte ins Sortiment nehmen, seien es auch bloss Kleinigkeiten. Die Kundschaft mit noch besserem Service abholen, noch stärker auf sie eingehen. Dass sind die Dinge, die mir in den Sinn kommen. Aber ich meine: Wir haben unsere Sache bisher nicht schlecht gemacht. Wir waren ja nicht einfach 30 Jahre lang unfreundlich zu unseren Kunden (lacht). Aber ich kenne die Patentlösung nicht.

Wie ist es damit, selbst in den Onlinehandel einzusteigen?

Ich kenne grosse Firmen hier bei uns, die es versucht haben. Das alleine ist nicht die Lösung. Es gibt immer noch Kunden, welche die Produkte vor dem Kauf in die Hand nehmen wollen. In meinem Segment, den Haushaltwaren, gibt es den Trend, zu Hause wieder mehr selbst zu kochen, statt Fast-Food zu konsumieren. Von solchen Entwicklungen können Fachgeschäfte profitieren. Es ist aber nicht so, dass wir einfach auf jeden Trend aufspringen und ­damit reich werden könnten. Es geht darum, Feinheiten herauszuspüren und am Ball zu bleiben.

Wie helfen die Aktionen und Aktivitäten der IG Fit und der Stadt unter dem Motto «Begegnungszone»?

Deswegen allein hat niemand einfach bessere Zahlen, das glaube ich nicht. Doch es hat eine Wir­kung nach aussen. Viele Frauenfelder, auch solche, die schon lange hier leben, haben immer noch nicht erkannt, welch brei­tes Angebot an Produkten und Dienstleistungen wir in der Innenstadt haben. Das müssen wir den Leuten laufend klarmachen.

Trotzdem bleibt die Situation, dass Läden und Restaurants leerstehen.

Nehmen wir den aktuellen Fall: Es geht darum, sich nötigenfalls neu zu positionieren. Dann muss es unter Umständen nicht mehr an Passantenlage sein. Doch Leerstände haben häufig auch mit den viel zu hohen Mietzinsen zu tun. Die Erwartungen gewisser Liegenschaftenbesitzer betrachte ich als riesiges Problem. Dagegen können wir als IG Fit nichts tun. Aber es gibt auch po­sitive Zeichen: Neue Geschäfte ziehen ein, wie ein Modegeschäft für grosse Grössen, und manche haben die Öffnungszeiten über den Mittag verlängert.

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

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