Die Dirndl-Königin aus Frauenfeld

FRAUENFELD. Reni Allemann und ihre Freunde haben das Oktoberfest ins aargauische Baden gebracht. Inzwischen verkauft sie Dirndl und Lederhosen auch auf anderen Oktoberfesten und online. Nebenbei bildet sie sich zur psychologischen Beraterin weiter.

Ida Sandl
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Alle meine Dirndl: Reni Allemann ist die beste Werbeträgerin für ihren Dirndl-Shop. Das mit der pinkfarbenen Schürze hat sie selber designt. (Bild: Andrea Stalder)

Alle meine Dirndl: Reni Allemann ist die beste Werbeträgerin für ihren Dirndl-Shop. Das mit der pinkfarbenen Schürze hat sie selber designt. (Bild: Andrea Stalder)

So eine Mass, die muss man stemmen können. Etwa zweieinhalb Kilo wiegt der Krug gefüllt mit einem Liter Bier. Die Arme deutscher und österreichischer Serviertöchter – auch Resis genannt – sind geübt darin, Bierkrüge zwischen Holzbänken zu balancieren. Die schaffen zehn Mass. Damit ist ein ganzer Tisch auf einen Schlag mit Bier versorgt, also glücklich.

«Im Vergleich dazu tragen die meisten Schweizer Serviertöchter nur sechs Mass auf einmal», sagt Reni Allemann. Fesch sieht sie aus in ihrem hellblauen Dirndl mit der aufwendig bestickten Schürze. Die 30-Jährige ist in Frauenfeld aufgewachsen und lebt in Zürich.

Geschirr spülen statt schlafen

Mit Bierfesten kennt sie sich erst seit ein paar Jahren aus. Seit sie mit Freunden in Baden ein Oktoberfest auf die Beine gestellt hat. Das Produkt einer Schnapsidee. Sie hatten miteinander auf dem Zürcher Oktoberfest gefeiert und spontan beschlossen: «Das können wir mindestens genauso gut.» Baden im Aargau haben sie sich ausgesucht, weil es dort vor acht Jahren noch kein Oktoberfest gegeben habe.

Am Anfang hätten sie nur Schweizer Serviertöchter eingestellt. «Nicht unbedingt eine gute Entscheidung», sagt Reni Allemann im Rückblick. Gäste warten nun mal nicht gern aufs Bier. Es blieb nicht der einzige Fehler. Anfangs hatten sie auch zu wenig Besteck und Gläser. «Wir haben nicht damit gerechnet, dass Besteck erst auf dem Boden und dann im Abfallkübel landet.» Da half nur Abspülen im Akkord. Trotz der Anlaufprobleme hat das Badener Oktoberfest schon im ersten Jahr seine Unkosten gedeckt. Das war mehr, als die fünf Freunde erwartet hatten.

Mieten statt kaufen

Dirndl und Lederhosen kamen im zweiten Jahr dazu. Die Besucher konnten sich ein Outfit mieten. Dazu gab es dann noch eine Zopffrisur und ein Foto, alles zusammen für 39 Franken. «Die halbe Nacht haben wir gewaschen, getrocknet und gebügelt». Am nächsten Tag mussten die Sachen wieder frisch sein. Die Leute seien Schlange gestanden, beschreibt Reni Allemann. Immer wieder sei sie gefragt worden, ob man die Kleider auch kaufen könne. Das konnte man, aber erst im nächsten Jahr.

Reni Allemann und ein Kollege haben inzwischen ihre Berufung zum Beruf gemacht. Er managt das Oktoberfest Baden und ist ihr Partner im Trachten-Shop. Sie ist Geschäftsführerin des Online-Verkaufs www.wiesnshop.ch. Von Mitte September bis Ende Oktober verkauft sie Dirndl und Lederhosen auf verschiedenen Oktoberfesten, dieses Jahr in Basel, Uster und natürlich in Baden. Vor kurzem hat Reni Allemann einen Showroom in Wallisellen eröffnet.

Aldi ist keine Konkurrenz

Es läuft gut. Obwohl die Konkurrenz allgegenwärtig ist und selbst Aldi und Lidl vor dem Oktoberfest Dirndl und Lederhosen verkaufen. Das Sortiment sei auf einen anderen Kundenkreis zugeschnitten: «Das kann man nicht vergleichen», sagt Reni Allemann. Auch der starke Franken schreckt sie nicht: «Ich kann damit auch günstiger einkaufen.» Preislich kann sie mit dem deutschen Angebot mithalten. Bei ihr kostet ein Dirndl mit Bluse ab 139 Franken.

Eigenes Dirndl entworfen

Aus dem Hobby ist eine Leidenschaft geworden. Für die neue Kollektion hat Reni Allemann sogar selber ein Dirndl designt, sehr romantisch mit einer pinkfarbenen Schürze, die man wenden kann.

Es kann aber auch ganz schnell wieder vorbei sein mit dem Oktoberfest-Hype. Das schreckt Reni Allemann nicht. «Ich mache gern Neues.» Sie hat Servicefachangestellte gelernt, das KV nachgeholt und als Geschäftsleitungsassistentin in einem Altersheim gearbeitet. Auch jetzt absolviert sie nebenberuflich eine Ausbildung: Zur psychologischen Beraterin. Man weiss ja nie, wie es kommt.