Die Crux mit den halben Klassen

Damit das Unterrichten in Halbklassen auch mit Blockzeiten noch möglich ist, braucht es in Wängi nebst viel Organisationstalent neu auch Team-Teacher und Assistenten.

Ruth Bossert
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Trotz Blockzeiten: Die Erstklässler von Bettina Marti und alle anderen Primarschüler in Wängi haben auch in Zukunft am Mittwoch- und Donnerstagnachmittag frei. (Bild: Reto Martin)

Trotz Blockzeiten: Die Erstklässler von Bettina Marti und alle anderen Primarschüler in Wängi haben auch in Zukunft am Mittwoch- und Donnerstagnachmittag frei. (Bild: Reto Martin)

Wängi. Die Volksschulgemeinde Wängi führt auf das kommende Schuljahr Blockzeiten ein. Davon betroffen sind 320 Primarschüler und 80 Kindergärtler. «Eine Erleichterung für viele Eltern», sagt Ivo Schmid, Mitglied der Schulbehörde und zuständig für das Projekt Einführung Blockzeiten an der VSG.

Selber Vater von drei schulpflichtigen Kindern weiss er, wie es ist, wenn mehrere Kinder zu verschiedenen Zeiten in der Schule sein müssen und ebenfalls gestaffelt wieder nach Hause kommen. «Das geht in der heutigen Zeit nicht mehr», sagt er und teilt damit die Meinung des Departements für Bildung und Kultur, das verlangt, dass die Einführung des Blockunterrichtes spätestens auf den Sommer 2012 erfolgt. Dies bedeutet aber für den Zweitjahr-Kindergarten und für die Erstklässler eine Pensenerhöhung von heute 20 auf neu 24 Lektionen, damit überhaupt ein vormittäglicher Unterrichtsblock von dreieinhalb Stunden (Primarschule) und drei Stunden (Kindergarten) möglich ist.

Bei Schulen, die im Mehrklassensystem unterrichten, stellen Blockzeiten besondere Anforderungen in der Stundenplangestaltung.

Halbklassen beibehalten

Früher liess man beispielsweise eine Klasse erst eine Lektion später in die Schule kommen und unterrichtete vorher die andere Klasse als Halbklasse. Eine gute Möglichkeit, neuen Stoff vor wenigen Schülern einzuführen und intensiv mit ihnen zu arbeiten. Dass dieser sogenannte Halbklassen-Unterricht auch bei Blockzeiten noch möglich ist, war den Lehrkräften in Wängi ein grosses Anliegen. Die Lösung heisst Team-Teaching und Unterrichtsassistenz. Mit einer zusätzlichen Person im Schulzimmer kann eine Klasse aufgeteilt und individuell unterrichtet werden.

Assistenten gesucht

Während die Team-Teacher eine pädagogische Ausbildung mitbringen müssen, genüge es bei den Unterrichtsassistenten, wenn sie pädagogische Erfahrung mitbringen, erklärte Schulleiter Michael Peter. Gesucht werden noch zwei bis drei Personen, die durchschnittlich sechs Lektionen in den jeweiligen Klassen verbringen. Das bedeute, dass man mit diesen Personen ungefähr eine halbe Lehrerstelle besetze, was Kosten von ungefähr 50 000 Franken verursache. Fazit für Schmid: «Das Einführen von Blockzeiten ist nicht kostenneutral.»

Motorik statt Musik

Verschiedene Schulen in der Region führen neu die musikalische Grundschule ein, Wängi geht einen anderen Weg. Wie Michael Peter ausführt, haben Studien und die Erfahrungen der Lehrpersonen gezeigt, dass rund zwei Drittel der Kinder mit Sprachschwierigkeiten auch Probleme mit der Motorik haben. Deshalb habe man sich entschieden, statt der musikalischen Grundschule eine Motorikstunde für alle Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse einzuführen.

Unterrichtet wird diese Lektion von den eigenen Lehrkräften, Team-Teachern oder Assistenten. Ivo Schmid sagt pragmatisch: «Diese Lösung ist nicht nur besser, sondern auch günstiger.»