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«Die Chefärztin war zuständig»

Die Oberärzte Anästhesie und Gynäkologie tragen keine Mitschuld am Tod einer Patientin im Spital Wil. Zu diesem Schluss kommt der Gerichtspräsident. Zuständig für die Frau war die Chefärztin Gynäkologie – «sie war ihre Patientin».
Regula Weik

ST. GALLEN. Die verstorbene Frau war Patientin der Chefärztin Gynäkologie und Geburtshilfe. Und: Die Chefärztin war an jenem Vormittag, als sich nach der Totgeburt der Zustand der 34jährigen Frau lebensbedrohlich verschlechterte, im Spital.

«Er machte nichts Falsches»

Das sind zwei zentrale Feststellungen des Präsidenten des Kreisgerichts Wil. Er hat gestern den Oberarzt Anästhesie und die Oberärztin Gynäkologie vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. «Als behandelnde Ärztin war die Chefärztin Gynäkologie für die Frau verantwortlich.»

Und: Der Zustand der Patientin war an jenem Vormittag lebensbedrohlich. Das sei bereits beim morgendlichen Rapport deutlich gewesen. «Die Frau war ab dem Moment der Totgeburt nie mehr stabil», sagt der Gerichtspräsident. Am Rapport sei die Chefärztin Gynäkologie auf einen möglichen Gebärmutterriss als Ursache der Blutungen hingewiesen worden. Sie habe auf ihrer Diagnose beharrt. Ebenso kurz später im Gebärsaal, als ein weiterer Arzt die Möglichkeit eines Gebärmutterrisses erwähnte und ihr eine sofortige Operation der Patientin empfahl.

Dieser Arzt war der nun freigesprochene Oberarzt Anästhesie. «Er machte nichts Falsches und er unterliess nichts, das ihm vorgeworfen werden könnte», so der Gerichtspräsident. Und weiter sagt er: «Ein Gebärmutterriss lässt sich mit den Mitteln der Anästhesie nicht beheben.» Es wäre eine Operation nötig gewesen; das habe auch ein externer Gutachter festgehalten. Damit hätte die Patientin wohl gerettet werden können. Die Chefärztin Gynäkologie sei später zwar in den Gebärsaal zurückgekehrt – «zu spät», so der Gerichtspräsident.

Oberärzte sind erleichtert

Die beiden Oberärzte hätten nichts «Vorwerfbares» unterlassen, begründet der Gerichtspräsident denn auch den Freispruch. Die Erleichterung der beiden Ärzte ist gross. Die Situation sei für seine Mandantin belastend und beruflich nachteilig gewesen, sagt der Verteidiger der Oberärztin Gynäkologie. Es sei für sie praktisch unmöglich gewesen, sich beruflich zu verändern; sie hätte immer auf das laufende Verfahren hinweisen müssen. Unterlassene Zivilcourage sei strafrechtlich nicht relevant, so der Verteidiger der Oberärztin weiter. Das hatte der Staatsanwalt den beiden Ärzten vorgeworfen.

Von Hierarchie betroffen

Die beiden Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt liess es gestern offen, ob er sie weiterziehen wird. Er wiederholt seine Kritik am Hierarchiedenken in den Spitälern. Die beiden Oberärzte seien davon stark betroffen gewesen – wenn auch ganz unterschiedlich, die Gynäkologie sei zu autoritär geführt und damit jegliche Eigeninitiative der Mitarbeitenden unterbunden worden; die Anästhesie sei dagegen zu lasch geleitet und es sei zu wenig kontrolliert worden.

Das Schlusswort

«Die Strafe ist erfolgt. Der Todesfall kann leider nicht rückgängig gemacht werden», schliesst der Gerichtspräsident die mündliche Urteilseröffnung.

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