Die Buche ist typisch thurgauisch

Der Regierungsrat hat ein Waldreservat in Steckborn für 50 Jahre unter Schutz gestellt. Mit einer Fläche von rund 50 Hektaren ist es das erste grosse Naturwaldreservat. Bisher einmalig: Es handelt sich um einen fast reinen Buchenwald.

Caspar Hesse
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STECKBORN. Der Regierungsrat hat am Montag beschlossen, das Waldreservat Dietenhuser/Escherhau unter Schutz zu stellen, wie er gestern mitteilte. Das 50 Hektaren grosse Gebiet liegt nördlich von Salen auf dem Gemeindegebiet Steckborns. Mit dem Bund vereinbartes Ziel ist, bis 2030 zehn Prozent der Thurgauer Waldfläche als Waldreservate zu schützen, was 2000 Hektaren entspricht.

Diesem Ziel ist der Kanton mit 1700 Hektaren schon sehr nahe gekommen. Bei den restlichen Gebieten ist man erst in der Vorbereitungsphase, sagt Ulrich Ulmer, der Kreisforstingenieur des Forstkreises 3. In die Auflage geht nächstens ein Reservat im Güttingerwald.

Eine Überprüfung der Waldreservate durch externe Fachleute hat 2012 aufgezeigt, dass die bestehenden Waldreservate mehrheitlich aus Auenwäldern, Eichenwäldern und Sonderwaldreservaten mit gezielten Eingriffen bestehen. Der typische Thurgauer Wald ist aber eigentlich zu 80 Prozent der Buchenwald, wie Ulmer sagt. Durch die Bewirtschaftung kamen andere Baumarten dazu.

Thurgau hat wenig Wald

Heute haben nur die Kantone Uri und Genf flächenanteilsmässig weniger Wald als der Thurgau. Dies rührt daher, dass der Thurgau ein «Tieflagenkanton» ist, der sich für die Landwirtschaft eignet. Deshalb wurde in den letzten Jahrhunderten viel Wald gerodet. Am meisten Wald gibt es deshalb dort, wo Landwirtschaft wenig rentiert, zum Beispiel im Hinterthurgau oder auf dem Seerücken.

Für die nächsten 50 Jahre soll das Waldreservat nicht mehr genutzt werden. «Man überlässt den Wald sich selber», sagt Ulmer. Danach kann das Experiment verlängert werden. Am Anfang wird sich für den Normalbürger nichts ändern, erst mit der Zeit werden Veränderungen sichtbar. Wälder müssen generell nicht bewirtschaftet werden, sie sind aber trotzdem öffentlich zugänglich. Das heisst, das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr.

Die Finanzierung des Waldreservates ist über die Programmvereinbarungen mit dem Bund zum Bereich Waldbiodiversität des Neuen Finanzausgleichs (NFA) sichergestellt. Finanzierung bedeutet hier: Entschädigung an die Waldeigentümer für den entgangenen Erlös aus dem Verzicht auf die Bewirtschaftung. Das bewegt sich grosso modo in der Höhe von rund 10 000 Franken pro Jahr.

Die Beitragsverfügung wird alle sechs Jahre «justiert», wie Ulmer sagt. Je nachdem, wie sich die Rahmenbedingungen geändert haben, können sich auch die Beiträge ändern. Das Departement für Bau und Umwelt erlässt jeweils eine Beitragsverfügung, gegen die der Waldbesitzer Einsprache erheben könnte. «Das passiert jedoch so gut wie nie, denn man versucht sich zu finden», sagt Ulmer.

Waldbesitzer einverstanden

Die Reaktionen der Waldbesitzer sind sehr unterschiedlich, wenn sie von den Plänen erfahren, dass ihr Wald ein Reservat werden soll. In diesem Fall herrschte bei der Besitzerin, der Bürgergemeinde Steckborn, Verständnis vor, da es sich um einen der grössten zusammenhängenden Buchenwälder auf dem Seerücken handelt, wie Ulmer sagt. Ernst Füllemann, Präsident der Bürgergemeinde Steckborn, bestätigt diese Einschätzung. «Wir haben uns das an diversen Sitzungen gründlich überlegt und sind absolut einverstanden mit dem Kanton.»

Bleibt öffentlich zugänglich: Waldreservat Dietenhuser/Escherhau. (Bild: Reto Martin)

Bleibt öffentlich zugänglich: Waldreservat Dietenhuser/Escherhau. (Bild: Reto Martin)