Die Bodenseeregion als grosses Pfahlbaumuseum

Wie das unter Erde oder Wasser verborgene Pfahlbau-Welterbe genutzt werden könnte, zeigt eine neue Studie der Internationalen Bodensee-Konferenz.

Christof Widmer
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FRAUENFELD. Am ersten Tag eine Ausfahrt mit dem Glasbodenboot über ein Pfahlbaufeld und anschliessend ein Besuch im rekonstruierten Pfahlbaudorf. Am zweiten Tag die Besichtigung eines Museums mit Pfahlbaufunden, wo die Interessierten mit Nachbildungen von Pfeil und Bogen schiessen können. Und am dritten Tag ein Abstecher ins neue Prehistoric Science Museum, wo die Besucher sehen können, wie die Archäologen arbeiten. Das Ganze verteilt über alle Kantone und Bundesländer im Gebiet der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK). So etwa könnten Besucher der Bodensee- und Zürichseeregion das Unesco-Welterbe der Pfahlbauten erleben – wenn es nach der Studie geht, die die IBK in Auftrag gegeben hat. Fürs erste liegt sie als Kurzfassung vor.

Eine Knacknuss am Welterbe-Label für die Pfahlbauten ist nämlich, wie es genutzt werden kann. Die ausgezeichneten prähistorischen Fundstellen sind unter Erde und Wasser verborgen.

Zentrale Organisation

Die Studie der Münchner Firma Actori GmbH schlägt vor, alle Pfahlbaustellen und -museen im IBK-Raum zu vernetzen. Dazu wäre eine zentrale Organisation nötig, konkret eine Stiftung und ein Trägerverein. Bereits heute gebe es eine Vielzahl von Angeboten – vom klassischen Museum bis hin zum Pfahlbaudorf Unteruhldingen. Die flächendeckende Präsenz der Pfahlbauten im ganzen IBK-Raum (Karte) biete ein Potenzial, das auch für den Tourismus abgeschöpft werden soll.

Die einzelnen Angebote müssten laut Studie so aufeinander abgestimmt sein, dass die Besucher sich gewissermassen ein abwechslungsreiches Menu zusammenstellen könnten. Heute stehe die klassische Wissensvermittlung im Vordergrund – künftig soll das Erlebnis stärker gewichtet werden. Als Beispiele nennen die Studienautoren Workshops, deren Teilnehmer Pfahlbauhandwerk erlernen können, oder die Teilnahme an archäologischen Grabungen.

Um für den Besucher der IBK-Region einen Überblick zu ermöglichen, braucht es laut der Studie zwei zentrale Anlaufpunkte – einen am Zürichsee und einen am Bodensee. Diese Stellen sollen Wahrzeichen des Unesco-Welterbes werden. Als Anlaufpunkt für den Bodensee sieht die Studie Kreuzlingen/Konstanz vor. Die Agglomeration sei verkehrstechnisch gut gelegen und biete viele weitere touristische Attraktionen.

Entscheid bei der Politik

Die Federführung in der IBK zum Welterbe liegt beim Thurgauer Kantonsarchäologen Hansjörg Brem. Seine Projektgruppe wolle die Umsetzung der Vorschläge nun noch begleiten. «Was wirklich gemacht wird, hängt von den politischen Entscheiden ab», sagt Brem. Auch er sieht die Notwendigkeit, die Ressourcen zu bündeln. Möglich wäre etwa, für jedes Jahr ein Schwerpunktthema zu definieren, das die einzelnen Museen vertiefen.

Erziehungsdirektorin Monika Knill lobt die Studie als umfassende Analyse, die Potenziale aufzeige. Es sei noch früh, über konkrete Projekte zu sprechen. «Ich schliesse aber nicht aus, dass daraus etwas Neues entsteht.»

Erlebnis. Die «Pfahlbauer von Pfyn» 2007 im SF. (Archivbild: Nana do Carmo)

Erlebnis. Die «Pfahlbauer von Pfyn» 2007 im SF. (Archivbild: Nana do Carmo)

Landschaft. Auf der Insel Werd waren Pfahlbauer. (Archivbild: Nana do Carmo)

Landschaft. Auf der Insel Werd waren Pfahlbauer. (Archivbild: Nana do Carmo)

Artefakt. Harpunen im Archäologiemuseum. (Archivbild: Reto Martin)

Artefakt. Harpunen im Archäologiemuseum. (Archivbild: Reto Martin)

Forschung. Ein Taucher vermisst im Bodensee ein Pfahlbaufeld. (Archivbild: pd/Amt für Archäologie)

Forschung. Ein Taucher vermisst im Bodensee ein Pfahlbaufeld. (Archivbild: pd/Amt für Archäologie)