Die Berlinger träumen

Turmspatz

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Ich habe gehört, dass die Berlinger den Tourismus in ihrem Ort ankurbeln wollen. Weil ich mir nichts darunter vorstellen kann, flattere ich hinüber ins Dorf von Adolf Dietrich. «Die Verantwortlichen für den Tourismus», piepst eine Kohlmeise, «treffen sich heute im Ferienhotel.» Nichts wie hin, ich möchte sehen, wie initiative Leute griffige Konzepte entwickeln. In der Bar sitzen zwei Frauen und drei Männer. Der Fernseher läuft. Über den Bildschirm flimmert ein Skirennen. Die Kamera zeigt massenhaft begeisterte Zuschauer.

«So etwas brauchen wir», sagt ein Mann. «Berge haben wir keine, Schnee und einen blauen Winterhimmel auch nicht», antwortet eine Frau und seufzt. «Ich meine nicht die Landschaft, sondern die Wettkämpfe. Mit Sport könnten wir Leute zu uns locken.» – «Die WM in St Moritz hat ein Budget von über 60 Millionen», dämpft die zweite Frau die Begeisterung. «Was haben wir?» Der zweite Mann zeigt eine Tabelle. «Gerade mal zwölftausend. Im Jahr. Das macht einen Tausender im Monat.»

«Aber es muss doch etwas Attraktives geben, das für uns durchführbar und auch bezahlbar ist.» – «Unsere Stärke», sagt die erste Frau, «sind die Seniorinnen und Senioren, die sich hier wohl fühlen.» – «Dann organisieren wir die ersten Rollator-Games, die älteren Teilnehmer und ihre Fans sind eine kaufkräftige Schicht.» Stolz schaut der erste Mann in die Runde. «Statt Schnapsideen zu kreieren, sollten wir das Geld direkt in die Wirtschaft einfliessen lassen», sagt der dritte Mann. Wenn wir mit den zwölftausend essen gehen, dann haben wenigstens die Beizen im Ort etwas davon.»

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