Die Bahn baut ihren Mobilfunk aus

Trotz Einsprachen kommen die SBB mit dem Bau ihres neuen Bahnmobilfunknetzes im Thurgau voran. Von 43 geplanten Antennen ist über die Hälfte gebaut oder befindet sich im Bau. Auch die Südostbahn führt das Funksystem ein.

Christof Widmer
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GSM-R-Antenne in Siegershausen. Auf der Strecke Wil–Weinfelden–Kreuzlingen dürfte das neue Bahnfunksystem im Herbst in Betrieb gehen. (Bild: Donato Caspari)

GSM-R-Antenne in Siegershausen. Auf der Strecke Wil–Weinfelden–Kreuzlingen dürfte das neue Bahnfunksystem im Herbst in Betrieb gehen. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Der Antennenkrieg entlang der Bahngleise will nicht enden. Nicht nur private Antennengegner, sondern auch politische Gemeinden wehrten und wehren sich noch immer gegen den Bau von neuen Mobilfunkmasten für das neue Bahnfunksystem. So geht die Gemeinde Tägerwilen vor Bundesverwaltungsgericht gegen eine auf ihrem Gebiet geplante Antenne (Ausgabe vom 6. Januar).

Das neue Mobilfunksystem GSM-R erlaubt unter anderem, dass Signal- und Streckendaten direkt in den Führerstand eines Zuges übermittelt werden. So können Züge schneller fahren und sich in kürzeren Abständen folgen. Der neue Mobilfunk ist zudem Voraussetzung für das Zugsicherungssystem ETCS 2.

17 Antennen schon in Betrieb

Gemeinden und Anwohner, die sich gegen die neuen Mobilfunkantennen wehren, wollen sie möglichst weit weg von den Bauzonen haben. Trotz der Einsprachen sind über die Hälfte der im Thurgau geplanten GSM-R-Antennen inzwischen gebaut oder befinden sich im Bau. Nach Angaben der SBB sind von den 43 von ihr vorgesehenen Antennen 17 bereits in Betrieb und 11 im Bau. 15 befinden sich im Genehmigungsverfahren. Über die Zahl der noch hängigen Einsprachen geben die SBB keine Auskunft. Weil GSM-R helfe, die Sicherheit zu erhöhen, werde dem Projekt schweizweit zunehmend Wohlwollen entgegengebracht, sagt SBB-Sprecherin Franziska Frey lediglich.

In Betrieb ist das neue Bahnfunksystem auf der Thurtallinie und auf der Linie Winterthur–St. Gallen. Die sieben für die von der SBB-Tochter Thurbo betriebene Strecke Wil–Weinfelden–Kreuzlingen vorgesehenen Antennen seien inzwischen vom Bundesamt für Verkehr rechtskräftig verfügt worden. Das Bundesamt ist Rekursinstanz für Antennen-Entscheide. Danach bleibt der Weg ans Bundesverwaltungsgericht. Bis voraussichtlich diesen Herbst ist GSM-R auf der Thurbo-Linie betriebsbereit.

Offen lassen die SBB, bis wann die Seelinie mit GSM-R ausgerüstet sein wird. Laut einem Informationsblatt der Bahn ist frühestens 2017 damit zu rechnen. Sprecherin Frey gibt keinen Zeithorizont an. Strecken mit ähnlichen Rahmenbedingungen wie im Thurgau würden nach heutigem Planungsstand bis 2020 mit GSM-R ausgerüstet, erklärt Frey weiter.

Auch SOB plant neue Antennen

Die SBB bauen auf allen ihren Thurgauer Linien GSM-R ein. Dasselbe gilt für die Südostbahn, die die Linie von Romanshorn nach St. Gallen betreibt. Hier gibt es im Moment noch kein GSM-R. Das System sei aber auf circa 2020 geplant, sagt Sprecherin Ursel Kälin.

Das neue Funksystem sei auf allen SBB-Linien zwingend, sagt SBB-Sprecherin Frey. Im Zuge der Schweizer Bahnreform von 2013 sei vorgesehen, dass das Zugsicherungssystem ETCS 2 auf dem Schweizer Normalspurnetz eingeführt wird. Die SBB haben mit dem Bundesamt für Verkehr vereinbart, dieses System ab 2025 auf allen Linien einzuführen. Wann genau die Thurgauer Strecken damit ausgerüstet werden, ist noch offen.

Was den Bahnfunk betrifft, ist die SBB-Strecke Weinfelden–Gossau eine Ausnahme. Ab Sulgen wird die Strecke zwar ebenfalls mit GSM-R betrieben. Weil es sich aber um eine Nebenstrecke handelt, ist nur eine reduzierte Variante eingeführt worden. Sie funktioniert über das bestehende Funknetz eines anderen Anbieters.

Für FW-Bahn nicht vorgesehen

Die Frauenfeld-Wil-Bahn wird die einzige Linie im Thurgau bleiben, die ohne das neue Bahnfunksystem auskommt. Für Schmalspurbahnen ist es nicht vorgesehen. Wegen der tieferen Maximalgeschwindigkeiten sind weder ETCS noch GSM-R erforderlich. Im Moment kommuniziere die Frauenfeld-Wil-Bahn über Analogfunk, sagt Pressesprecher Alexander Liniger. Zwar sei geplant, ein digitales Funksystem einzuführen. An der Infrastruktur seien dafür aber keine Änderungen nötig. «Alles wird bleiben, wie es ist.»

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