Die Arbeitslosigkeit wird steigen

Von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise wird der Kanton Thurgau nicht so stark durchgeschüttelt wie andere. Dennoch kann von Entwarnung keine Rede sein. Gerade die exportorientierte Industrie muss mit weiteren Einbrüchen rechnen. Arbeitsplätze sind gefährdet.

Stefan Borkert
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Hoffen auf den Aufschwung: Unia-Co-Präsident Andreas Rieger, Unternehmer Peter Schütz, Moderator Edgar Georg Sidamgrotzki (Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit), Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer und Credit-Suisse-Chefökonom Martin Neff (v. l.). (Bild: Coralie Wenger)

Hoffen auf den Aufschwung: Unia-Co-Präsident Andreas Rieger, Unternehmer Peter Schütz, Moderator Edgar Georg Sidamgrotzki (Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit), Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer und Credit-Suisse-Chefökonom Martin Neff (v. l.). (Bild: Coralie Wenger)

Frauenfeld. Steigende Arbeitslosenzahlen, sinkende Exporte und eine Schwächung der Binnenkaufkraft: Von Wirtschaftswachstum ist man derzeit auch im Thurgau weit entfernt. An der Prognose-Rundschau 2009 in Frauenfeld ist gestern ein wenig optimistisches Bild gemalt worden. Wenngleich der Thurgau als Kanton die Krise noch relativ gut überstehen könnte. Regierungsrat Kaspar Schläpfer sieht der Zukunft eher optimistisch entgegen. Der Kanton könne aber die Weltkonjunktur nicht anheizen.

Massnahmenpaket

Trotzdem wolle man die Hände nicht in den Schoss legen. Als Staat wirke der Kanton mit vier Massnahmen der Krise entgegen. Die Investitionen würden erhöht, so der Volkswirtschaftsdirektor. Die Steuergesetzrevision, die allen niedrigere Steuern beschere stärke die Kaufkraft. Für die Förderung von erneuerbaren Energien stünden 18 Millionen Franken zur Verfügung und der Kanton werde keine Lehrabgänger entlassen, sondern sie zwei Jahre weiter beschäftigen.

Weit pessimistischer sieht Andreas Rieger, Co-Präsident der Unia, die konjunkturelle Lage. Seiner Meinung nach wird die Entlassungswelle erst noch kommen. Derzeit habe man saisonbedingt eine leichte Erholung, aber schon im Sommer werde die Jugendarbeitslosigkeit drastisch zunehmen, weil Lehrstellen fehlten. Im Herbst und Winter werde es zu Massenentlassungen kommen. Eine Umfrage bei den 500 grössten Betrieben der Schweiz habe ergeben, dass 40 Prozent dann Entlassungen vornehmen werden.

Das habe auch Auswirkungen auf den Binnenmarkt, der derzeit die Konjunktur in der Schweiz noch stütze.

Auch CS-Chefökonom Martin Neff prognostiziert einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Ende Jahr rechnet er mit gut 4,1 Prozent und für 2010 mit 5 Prozent. Er ist sich aber auch sicher, dass die Wirtschaft wieder anzieht. Erste Anzeichen dafür seien vorhanden.

Die Talsohle sei möglicherweise erreicht und man befinde sich jetzt im kontrollierten Sinkflug und nicht mehr im Sturzflug. Die Schweiz werde in hohem Mass von den Konjunkturpaketen profitieren, die das umliegende Ausland und die USA geschnürt haben. Peter Schütz, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes, macht aus seiner kritischen Haltung gegenüber staatlichen Eingriffen kein Geheimnis. Der Staat sei für die Wirtschaft ein guter Kunde.

Stabilisierung vor Programmen

Trotzdem sieht er die Konjunkturprogramme durchaus kritisch. Vorgezogene Investitionen würden in der Zukunft dann fehlen. Stabilisierung und gute Rahmenbedingungen seien wichtiger als Konjunkturprogramme. Dem Kanton wand er in dieser Hinsicht ein Kränzchen. «Der Thurgau macht das gut.» Dennoch weiss er als Unternehmer, dass die derzeitige Lage im Thurgau besser sein könnte. «Wir spüren das schon.

» Ausserdem habe der Abschwung auch kleinere Betriebe und Gewerbe erreicht. Als einer der führenden Industriekantone sei man von der konjunkturellen Situation doch stark betroffen.