Die Alpakas müssen warten

Die St. Galler SVP strebt einen zweiten Sitz in der Regierung an. Parteipräsident Herbert Huser soll es richten. Die neue Herausforderung reizt den Rheintaler Architekten mehr als das Zurücklehnen.

Regula Weik
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ST. MARGRETHEN. Einer fehlte in St. Margrethen: Toni Brunner. Der Präsident der SVP Schweiz war nach dem Rücktritt von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in Bern ein gefragter Mann. Doch die Frage des Abends war hüben wie drüben dieselbe: Wie stark muss die SVP-Vertretung in der Exekutivbehörde sein? Dort im Bundesrat, hier in der Regierung. Es gehe nicht an, dass die wählerstärkste Partei nur einen Vertreter stelle; das müsse sich schleunigst ändern, gibt sich die SVP beidenorts kämpferisch.

Schicksalsort Rheinau

In St. Gallen ist klar, wem die Partei dies zutraut: Herbert Huser. Ihr Präsident soll im Frühling für die SVP einen zweiten Sitz in der St. Galler Regierung holen (Ausgabe von gestern). Die Turnhalle Rheinau scheint für den Rheintaler Architekten schicksalhaft zu sein: Vor dreieinhalb Jahren hatte er hier die Parteileitung übernommen. Nun setzt er gleichenorts zum Sprung in die Pfalz an.

Die Finken ausziehen

Sollte Huser tatsächlich in die Regierung einziehen, muss er die Finken ausziehen. Heute kann er morgens vom Kaffee am Küchentisch hinüber ins Büro schlurfen: Huser ist in Altstätten daheim, Wohnen und Arbeiten sind nur wenige Meter getrennt – «und unter Dach erreichbar». Auf die Frage, was ihn denn reize, künftig hinaus in den Regen zu treten und den Weg nach St. Gallen unter die Räder zu nehmen, meint er: «Der Kanton St. Gallen steht vor grossen Herausforderungen.» Er spricht von «grossen Baustellen». Etwa bei den Finanzen oder beim Bauen. Huser erwähnt die stagnierenden Einnahmen auf der einen, die grossen Begehrlichkeiten auf der andern Seite – «etwa das Klanghaus oder auch die Bibliothek Hauptpost».

Apropos Baustellen: Diese schrecken Huser nicht ab, seien sie noch so gross. Er wisse, wie auf Baustellen gearbeitet werde – von Berufes wegen.

Den Kopf angeschlagen

Huser kann hartnäckig sein. Auch dann, wenn ihm heftiger Gegenwind ins Gesicht bläst. Das zeigte sich in der Spitaldebatte. Er zog über Monate gegen Bauchef Willi Haag und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann als deren schärfster Kritiker ins Feld, zerzauste unermüdlich deren Pläne. Seine pointierte Haltung trug ihm kantonsweit Bekanntheit ein – und an der Urne eine herbe Niederlage.

Solches bringt Huser nicht ins Wanken. «Ich bin auf den Baustellen schon öfter mit dem Kopf gegen einen Balken gestossen. Ich habe es schadlos überstanden.» Und dann sagt er: «Ich verbiege mich nicht. Auch dann nicht, wenn meine Meinung nicht Mainstream ist.»

Huser hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn ein Exekutivamt reizt. Die Regierung brauche «Leute aus der Wirtschaft», ist er überzeugt. Huser ist seit über 30 Jahren selbständiger Architekt; die Nachfolge ist geregelt. Der 58-Jährige könnte also auch etwas kürzer treten. Mehr Zeit mit seiner Frau, seinen Hunden, Katzen und Alpakas oder auf dem Golfplatz verbringen. Der Gedanke, mehr Zeit für Hobbies zu haben, sei verlockend, sagt er. Doch die Regierungsaufgabe ist es für ihn nicht minder.

Neue Ausgangslage

Es ist nicht Husers erster Anlauf für einen Regierungssitz. Er hatte bereits 2010 kandidiert und war damals dem CVP-Kandidaten Beni Würth unterlegen. Heute sei die Ausgangslage eine andere, sagt Vizepräsidentin Barbara Keller-Inhelder. Die SVP hat in den nationalen Wahlen im Kanton zugelegt, sie gewann einen fünften Nationalratssitz und steigerte ihren Wähleranteil auf 35,8 Prozent. «Mit Herbert Huser haben wir einen scharfsinnigen und dossiersicheren Kandidaten, an dem sich die Gegner immer wieder die Zähne ausbeissen», sagt die neu gewählte Nationalrätin. Und es sei ihm als Parteipräsident gelungen, die SVP als «voll akzeptierte Partnerin im bürgerlichen Lager zu etablieren».

Über einen gleichgesinnten Regierungskollegen freuen würde sich Stefan Kölliker. Der Bildungschef tritt wieder an – «voll gesund», wie er den Delegierten über seinen jüngsten Gesundheitscheck berichtete. Kölliker bleibt seinem Departement treu; er hat bereits vor Wochen einen Wechsel ausgeschlossen.