DICHTERSCHLACHT: «Mathematik ist mein Ausgleich»

Der Erler Sven Hirsbrunner gewann dieses Jahr mit seinem Teamkollegen Dominik Muheim zum dritten Mal in Folge die Schweizer Meisterschaft im Poetry Slam. Im September beginnt er sein Mathematikstudium an der ETH Zürich.

Miranda Diggelmann
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Schweizer Meister der Slam-Poesie: Sven Hirsbrunner ist oft in Frauenfeld. Hier besucht er die dreieinhalb Jahre lang dauernde Maturitätsschule für Erwachsene, die er im Sommer abschliessen wird. (Bild: Andrea Stalder)

Schweizer Meister der Slam-Poesie: Sven Hirsbrunner ist oft in Frauenfeld. Hier besucht er die dreieinhalb Jahre lang dauernde Maturitätsschule für Erwachsene, die er im Sommer abschliessen wird. (Bild: Andrea Stalder)

Miranda Diggelmann

miranda.diggelmann@ thurgauerzeitung.ch

«Ehrlich gesagt, habe ich mich einfach grausam gelangweilt», erklärt der 24-jährige Sven Hirsbrunner den Grund, wie er zu Poetry Slam kam. Das erste Mal sei er in St. Gallen an «einem dieser Dichterwettstreite» gewesen. Das Gesehene machte ihm Eindruck, und so wollte er es selbst mal versuchen. «Geschrieben habe ich schon immer sehr gerne», sagt er. Trotzdem entschied er sich für eine Lehre als Hochbauzeichner. Schon kurz nach Lehrabschluss gab er seinen Beruf jedoch auch schon wieder auf. Es langweilte ihn eben, er wollte was anderes machen.

Derzeit arbeitet Sven Hirsbrunner, der in Erlen aufgewachsen ist, als Velokurier in St. Gallen und besucht die TSME (Maturitätsschule für Erwachsene) in Frauenfeld, die er im Sommer abschliessen wird. Im September tritt Hirsbrunner ein Mathematikstudium an der ETH Zürich an. «Poetry Slam ist mein Hobby, Mathematik meine Leidenschaft», sagt er. Dabei wäre Mathematik sozusagen sein Ausgleich zum besonders zeitintensiven Poetry Slam. Hirsbrunner hat vor sechs Jahren mit Poetry Slam begonnen und vor bereits fünf Jahren mit dem Basler Dominik Muheim ein Team gegründet. Seit zwei Jahren tritt er ausschliesslich im Team auf, sein Kollege hingegen macht auch noch Soloauftritte. Die beiden nennen sich «Das Helvetische Dreieck». Ursprünglich seien sie nämlich zu dritt gewesen.

Dreifacher Poetry-Slam-Schweizer-Meister

Pro Jahr tritt das Team Hirsbrunner/Muheim an rund zehn bis zwölf Slams auf. Dabei be­schränken sie sich meist auf die Deutschschweiz. «Wir haben es auch schon in der Westschweiz und sogar in Deutschland mit Poetry Slam versucht. Allerdings ist da die Resonanz nicht dieselbe», sagt Hirsbrunner. Ein Beispiel: Das Getränk «Desperados» etwa wird in der Schweiz typischerweise von pubertierenden Jugendlichen konsumiert. Also mussten die beiden erst einmal abklären, ob es das Getränk auch in Deutschland gibt und dort dasselbe Klischee gilt. Das Helvetische Dreieck arbeite nämlich stark mit dem Wiedererkennungswert und mit Beobachtungen. Ihre Texte kommen also nur an, wenn sich das Publikum mit diesen identifizieren könne. So sei es für die beiden in der Deutschschweiz am einfachsten, Erfolg zu haben. Und Erfolge durfte das Team schon so einige feiern. Ihre Texte behandeln vor allem zwischenmenschliche Themen und basieren meist auf selbsterlebten Ereignissen oder auf Erlebnissen, die jeder machen könne.

Ende März diesen Jahres fanden erneut die Schweizer Meisterschaften im Poetry Slam statt. Hirsbrunner und Muheim gewannen diese zum dritten Mal in Folge. «Wir konnten es kaum glauben, dass wir schon wieder gewonnen haben. Und das, obschon wir unseren finalen Text erst am selben Tag fertig­geschrieben haben», sagt Sven Hirsbrunner. Die Schweizer Meisterschaft sei zwar spassig, aber auch stressig gewesen. Nächste Projekte sind deshalb noch nicht geplant. Einmal pro Halbjahr jedoch moderiert Sven Hirsbrunner den Mostindien-Slam. Dieser findet jeweils im Eisenwerk Frauenfeld statt.

Highlights aus der Poetry-Slam-Karriere

An ein Erlebnis kann sich Sven Hirsbrunner besonders gut erinnern. Es war erst der etwa dritte Slam, an welchem er teilgenommen hatte. «Ich war noch ganz frisch in der Szene und gewann bereits meinen ersten Slam im Eisenwerk, damals noch unter der Leitung von Mathias Frei – dem heutigen TZ-Redaktor – und Ivo Engeler. Die Nacht danach war vom Feiern und viel Alkohol geprägt – für mich unvergesslich», erzählt Sven Hirsbrunner. Einen weiteren Höhepunkt er­lebte er kürzlich mit dem Gewinn des Triples an der Schweizer Meisterschaft.

In Zukunft würden Sven Hirsbrunner und Dominik Muheim vielleicht auch den einen oder anderen Privatauftritt geben. «Mein Ziel ist es jedoch nicht, einmal davon leben zu können. Es soll ein Hobby bleiben, ansonsten könnte ich es nicht mehr mit der gleichen Lockerheit tun», sagt Sven Hirsbrunner.