Deutsch für Tennislehrer

Südsicht

Olaf Kühne
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Wo ist ein Vorurteil, wenn man es mal braucht? Im Hinterthurgau erweisen sich Flüchtlinge immer wieder als fleissige Zeitgenossen. Dabei müssten sie doch eigentlich faul sein, hat man uns gesagt. In Wängi half ein 50-jähriger Eritreer bei der Sanierung eines Wanderweges. Im Schweisse seines Angesichts schleppte er Hunderte Karretten Kies das Hexentobel hoch.

Weniger schweisstreibend war die Arbeit der Aadorfer Asylbewerber: Sie befreiten den Tennisplatz vom Herbstlaub. Ins Schwitzen kamen sie dafür bei ihrer «Bezahlung». Ihr Lohn fürs Laubrechen war eine Tennislektion. Die hat bestimmt Spass gemacht, wird ihnen aber dereinst bei der Einbürgerung kaum helfen. Roger Federer ist zwar längst zum National­heiligen aufgestiegen. Oder aufgefahren? Dennoch bleibt Tennis eine französische ­Erfindung, hat mit Integration also herzlich wenig zu tun.

Nach dem jüngsten Wutbürger­streich – pardon, nach der jüngsten Debatte – im Kantonsrat hätte der Tennisclub Aadorf den Flüchtlingen gescheiter eine Deutschstunde offeriert. Ihre Deutschbücher in Umzugskartons packen müssen zudem wohl bald die Münchwiler Flüchtlinge. Der Gemeinderat will eine paar Häuser loswerden. «Nicht betriebsnotwendig» oder so. Und die Privatwirtschaft kann eh alles besser.

Gut, mit Immobilien Geld zu verdienen, ist wirklich verdammt schwierig. Zwar können Flüchtlinge tatsächlich arbeiten, wie wir nun wissen. Aber sie deshalb gleich zu Immobilienmaklern und -verwaltern auszubilden, wäre dann doch zu viel der Integration.

Also weg damit. Mit den Häusern natürlich, nicht mit den Asylbewerbern. Und wenn, dann höchstens weg bis nach Wilen. Dort hätten sie nämlich gerne noch ein paar Flüchtlinge mehr, um mit der neuen ­Asylunterkunft doch noch ein paar Franken einzunehmen. Geld fürs Rumsitzen im Wohn­container? Nun haben wir unser Vorurteil doch noch gefunden.

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch