Detailhandel befindet sich auf Talfahrt

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Gewerbe Im Kanton St. Gallen sinkt die Anzahl Läden. Einer der Hauptgründe ist der Einkaufstourismus im nahen Ausland. «Dramatisch» sei die Entwicklung im hiesigen Detailhandel, schrieben drei Rheintaler Kantonsräte im April in einem Vorstoss. Mike Egger (SVP), Andreas Broger (CVP) und Stefan Britschgi (FDP) verlangten von der Regierung Antworten zu den Folgen des Einkaufstourismus für die Wirtschaft.

Die drei Kantonsräte führten nationale Zahlen an: Die Schweizerinnen und Schweizer würden jährlich für zehn Milliarden Franken im Ausland einkaufen. Gemäss einer HSG-Studie verlören die am meisten betroffenen Branchen des Schweizer Detailhandels jährlich 7,3 Milliarden Franken. Das treffe vor allem die Grenzkantone hart: In Basel-Stadt etwa sei die Zahl der Stellen im Detailhandel um über sechs Prozent gesunken. Die Politik müsse dagegen etwas unter­nehmen.

Nun hat die St. Galler Regierung die Interpellation beantwortet. Sie bestätigt, dass der einheimische Detailhandel unter Druck steht. Das aktuellste Zahlenmaterial reicht bis ins Jahr 2014. Von 2011 bis 2014 nahm die Anzahl der St. Galler Betriebe im Detailhandel um drei Prozent ab, die Zahl der Vollzeitstellen um 2,8 Prozent. Besonders leidet die Branche im Rheintal: Hier betrug der Stellenabbau 5,4 Prozent. Nebst dem Einkaufstourismus ist der Onlinehandel eine Hauptursache dieses Rückgangs. Das Internetgeschäft wächst in der Schweiz jährlich um über sechs Prozent, sein Anteil an den Umsätzen des Detailhandels beträgt fünf Prozent. Damit liegt die Schweiz aber noch vergleichsweise tief: In Deutschland werden bereits acht Prozent des Detailhandels über das Internet abgewickelt, in Dänemark elf Prozent, in Grossbritannien gar über vierzehn Prozent.

Wie die Regierung weiter schreibt, hat sich die Konjunktur im Schweizer Detailhandel insgesamt zwar etwas erholt, nicht aber in der Ostschweiz. Aufgrund der Grenznähe könne sich der Trend zur Erholung verzögern. «Die Detailhändler erwarten für die zweite Jahreshälfte eine Verbesserung der Geschäftslage – und die Mehrheit einen Umsatzanstieg.» Die Zahl der Angestellten werde im kommenden Quartal voraussichtlich stagnieren. Die Regierung weist darauf hin, dass die Bevölkerung im Kanton zwischen 2012 und 2015 gewachsen sei, entsprechend habe auch die Kaufkraft zugenommen. Davon könnten Detailhandel und Gewerbe profitieren – wenn sich die Währungssituation normalisiere.

Regierung erwartet «Schritte auf Bundesebene»

Die drei Kantonsräte wollten von der Regierung wissen, ob sie bereit sei, bessere Rahmenbedingungen für einheimische Läden zu schaffen – etwa durch den Abbau von Bürokratie. Dazu schreibt die Regierung, der Abbau unnötiger Vorschriften sei eine Daueraufgabe. Insgesamt allerdings seien die Möglichkeiten des Kantons, politisch auf die Probleme mit dem Einkaufstourismus Einfluss zu nehmen, gering. «Da es letztlich um eine Frage geht, die gesamtschweizerisch gelöst werden muss, würde die Regierung entsprechende Schritte auf Bundesebene begrüssen.» Sie verweist auf hängige Vorstösse im Bundesparlament.

Der Detailhandel kommt im St. Galler Kantonsrat immer wieder zur Sprache. Mehrmals wurde die geltende Regelung der Öffnungszeiten kritisiert, zuletzt von Christopher Chandiramani (SVP). Er regte eine Liberalisierung und Harmonisierung mit den Nachbarkantonen an. Die Regierung lehnte dies ab. Das Volk habe eine Liberalisierung der Öffnungszeiten mehrmals abgelehnt, zuletzt 2010. Ein neuer Anlauf sei nicht sinnvoll.

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch