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Des Anders’ neue Kleider

Politiker und Mode
Mathias Frei

Politiker in zu weiten Anzügen. Nein, danke. Das wirkt so, als ob nicht nur der Anzug, sondern auch das Amt eine Nummer zu gross für sie ist. Björn Koch ist dieser Meinung. Der in Zürich wohnhafte Heimweh-Thurgauer betreibt das Modelabel Fasan, das in Zürich, Basel und Genf Massbekleidung für Herren anbietet. Koch weiss also, wovon er spricht, sieht, wenn jemand gut angezogen ist. Auf Anfrage der TZ hat er sich in der Frauenfelder Classe politique herumgeschaut, was soll und was nicht darf. Im Fokus: der Stapi.

Stadtpräsident Anders Stokholm hat einen neuen Tschopen (siehe Bild). Davon hat er kürzlich in «Stadtrat direkt» berichtet, einer Art Kolumne in der «Frauenfelder Woche». Tschopen, das kommt aus dem Italienischen: «giubba», was wiederum im Arabischen so viel wie «langes Obergewand» bedeutet. Wobei das etwas despektierlich klingt. Tschopen. Also ein neues Jackett. «Ich war beim Schneider. Es gab ein Jackett, das meinen Proportionen voll und ganz entspricht», war zu lesen. Es ist aber nicht nur irgendein Jackett. Es ist ein Alferano-Teil, also von einem Zürcher Label für Herren-Massbekleidung. «Das Muster ist zugegebenermassen etwas gewagt. Zumindest mit heutigen Augen. Grosse, weisse, sich kreuzende Streifen auf dunkelblauem Grund», erklärt Stokholm. Als wollte er die Stadt vorwarnen. Und er fügt an: «Ersten Reaktionen nach zu schliessen, wird es als modern empfunden. Mein Schneider sagte noch: Ein Kleidungsstück darf jeweils herausstechen.» Und: «Ich zweifle an meinem Schneider.» Als wollte sich Stokholm vorsorglich rechtfertigen. Dabei hat das unser Stadtpräsident gar nicht nötig.

«Stokholm setzt sich mit seiner Kleidung auseinander. Dies ist erfreulich und bei Amtsträgern eine Seltenheit», urteilt Björn Koch. Es sei erfrischend, dass Stokholm den Mut habe, sich über den Trend von schlecht sitzenden, eintönigen Anzügen in der Schweizer Politik hinwegzusetzen. «Er hat es richtig gemacht und sich das Jackett auf seine Masse schneidern lassen. Das sieht man. Es sitzt perfekt. Nun stellt sich die Frage nach dem Muster: Ist ein blaues Jackett mit Karo eine kluge Wahl?» Stokholm und das grosse Kleinkarierte. Oder wie? Wieder schneidet Stokholm gut ab. «Das Jackett sieht super aus. Karos sind modern und haben zugleich einen gewissen Retro-Charme. Die Farbkombination Dunkelblau/Weiss funktioniert zudem sehr gut, da sie weder zu aufdringlich noch zu langweilig ist», sagt Koch. Die Frage, ob das neue Oberteil für einen Stadtpräsidenten schicklich ist, könne nicht abschliessend beantwortet werden. «Der Kleidungsstil sollte den Charakter widerspiegeln. Ist Stokholm ein Mann mit Charakter, einer Spur Extravaganz und einer Prise Humor? Aus meiner Sicht vermittelt das Jackett diese Botschaft», befindet Koch.

Auch bei der Passform hat der Frauenfelder Stadtpräsident alles richtig gemacht. Grosse Männer sollten alles vermeiden, was die Höhe optisch unterstützt, rät Koch. Das heisst also: Auf Längsstreifen beim Anzug und beim Hemd verzichten, beim Jackett zwei anstatt drei Knöpfe wählen, das Revers und die Krawatte lieber etwas breiter wählen. All dies sorge dafür, dass der Anzug optisch in die Breite und nicht in die Höhe geht. «Für Männer von kleinerer Statur ist genau das Gegenteil zu empfehlen.»

Aber ein bisschen Tadel muss auch noch sein. Nicht dass Stokholm sonst noch abhebt. Auf anderen Bildern sei er zum Teil weniger vorteilhaft gekleidet, muss Koch feststellen. «Die Hosen sollten besser nicht zu eng sein, da dies den besagten Längs-Effekt unterstreicht. Ebenso sollte die Krawatte nicht zu schmal sein. Oder Stokholm sollte ganz auf eine Krawatte verzichten.» Wenn nicht ein ganzer Anzug getragen werde, Hose und Jackett also von verschiedenen Anbietern stammten, solle beim Kombinieren auf einen gewissen Kontrast geachtet werden. «Dunkelgrau mit Dunkelgrau ist keine ideale Wahl. Eine hellgraue oder beigefarbene Hose in Kombination mit einem dunkelblauen Jackett würde vorteilhafter aussehen», sagt Koch.

Ein Jackett sei ein wunderbares Kleidungsstück, sagt Koch. «Es verleiht seinem Träger eine gewisse Erhabenheit, eine vertrauenswürdige Seriosität – aber nur, wenn es richtig sitzt.» Und genau das braucht Frauenfeld: seriös wirkende Politiker und Tschopen, die nicht zwicken.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Der in Zürich wohnhafte Heimweh-Thurgauer Björn Koch hat 2014 das Modelabel Fasan gegründet, das in Zürich, Basel und Genf Massbekleidung für Herren anbietet. Er ist der Sohn von alt Regierungsrat Bernhard Koch. www.fasan.club

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